Tierpark Bochum für Arbeitsschutzmanagement ausgezeichnet

Zoonews NewsDer Tierpark Bochum arbeitet auf dem Gebiet des Arbeitsschutzes bereits seit vielen Jahren erfolgreich mit der gesetzlichen Unfallversicherung VBG zusammen. In den Broschüren der VBG wird der Arbeitsschutz des Tierparks Bochum – z. B. in der Aquaristik und Terraristik – als vorbildlich dargestellt.

Allerdings waren aus dem Arbeitsalltag heraus durchaus verbesserungswürdige Aspekte bekannt. Als der Geschäftsführung im Sommer 2014 von der VBG das Projekt einer AMS-Zertifizierung vorgestellt und angeboten wurde, wurde das als willkommene Möglichkeit aufgefasst, nicht nur die bekannten Schwachpunkte anzugehen und abzustellen, sondern darüber hinaus das Gebiet des Arbeits- und Gesundheitsschutzes als Chefsache für den Betrieb komplett neu zu organisieren und zu strukturieren.

Als Ergebnis hat die gesetzliche Unfallversicherung VBG dem Tierpark Bochum am 15. März das Zertifikat „Arbeitsschutz mit System“ (AMS) verliehen. Ralf Slabik, Geschäftsführer des Tierparks Bochum, nahm die Auszeichnung von Dr. Manfred Müller, Präventionsleiter der VBG Duisburg, entgegen.

„Durch den Gesamtprozess der AMS-Zertifizierung wurden wir gezwungen, alle Aspekte des Arbeitsschutzes für unseren Betrieb neu zu überdenken. Die heutige Vielzahl von geltenden und sich ändernden Arbeitsschutzvorschriften macht es einem fast unmöglich, den Überblick über die für unseren Betrieb zutreffenden Regeln zu behalten“, sagt Ralf Slabik.

Als AMS-Beauftragter und damit Hauptverantwortlicher für dieses sich bald als sehr umfangreich darstellende Projekt trug Dr. Wilfried Werner, Prokurist des Tierparks, dafür Sorge, dass alle notwendigen Einzelmaßnahmen konsequent umgesetzt wurden. Am Ende dieses – mehr als ein Jahr dauernden – Prozesses äußert er sich sehr zufrieden: „Als Ergebnis des AMS-Zertifikats haben wir nun eine beruhigende Rechtssicherheit erhalten, die wir als Kleinunternehmen ohne entsprechende betriebliche Organisationseinheiten nur schwer hätten erreichen können. Wir versprechen uns vom AMS-Zertifikat nicht nur eine einmalige Verbesserung des aktuellen Zustands, sondern auch eine kontinuierliche Optimierung aller Arbeitsabläufe, die zukünftig für den unternehmerischen Erfolg des Tierparks Bochum nötig sind. Hierfür steht uns nun das erarbeitete AMS-Handbuch als zentrales Medium zur Verfügung, in dem alle Vorgänge, die den Arbeits- und Gesundheitsschutz betreffen, strukturiert abgelegt werden können.“

Für die Umsetzung des Arbeitsschutzes wurde von Anfang an die gesamte Belegschaft eingebunden. Der eine oder andere anfängliche Vorbehalt („Das haben wir immer so gemacht.“) musste ausgeräumt werden. Kontinuierliche Gespräche mit Führungskräften und Mitarbeitern führten jedoch zu einem Wandel im Team, sorgten für eine positive Änderung in der Ansicht zu diesem Thema und mündeten in die notwendige Unterstützung durch die Belegschaft in allen Teilbereichen der Zoologie, Zootechnik, Zooverwaltung und Zoopädagogik. Bewusst wurden Kompetenzen neu verteilt und Verantwortlichkeiten delegiert. Zwischen der Geschäftsführung und den Beschäftigten wurde eine gemeinsame Vereinbarung getroffen, in der beide Seiten sich zum Unternehmensziel „Sicheres und gesundes Arbeiten“ verpflichten.

Während der erfolgten Neustrukturierung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes stellten sich mehrere Einzelmaßnahmen als besondere Projekte heraus. Bei der Überprüfung aller Arbeitsplätze, Arbeitsmittel und Arbeitsabläufe ging es nicht nur darum, allen Mitarbeitern ihre Verantwortungen und Verpflichtungen sowie Hierarchien und Kommunikationswege bewusst zu machen, sondern auch darum, die Gefährdungsbeurteilung des Gesamtbetriebs zu aktualisieren. Alle Betriebsanweisungen mit den sich daraus ergebenden Unterweisungen mussten überprüft werden, ein Gefahrstoffkataster und umfangreiche Arbeitsmittelprüfbücher wurden erstellt.

Weitere Teilprojekte waren:

• Klärung der Zuständigkeiten, Aufgaben und Verantwortungen der Mitarbeiter
• Sicherung von besonders gefährlichen Arbeiten
• Umgang mit gefährlichen Tieren
• Erlangung / Auffrischung von Sachkundenachweisen und Weiterbildung
• Überprüfung der arbeitsmedizinischen Vorsorge
• Dokumentation aller arbeits- und gesundheitsschutztechnischen Maßnahmen
• Organisation der Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen
• Organisation der Ersten Hilfe und Verhalten in Notfällen
• Organisation des Brandschutzes
• Wirksamkeitskontrollen festgelegter Maßnahmen
• Jährliche Überprüfung des gesamten Arbeits- und Gesundheitsschutzes

„Wir wollen präventiv tätig sein. Die systematische Organisation des Arbeits- und Gesundheitsschutzes wird uns helfen, mögliche Gefährdungen für unsere Mitarbeiter rechtzeitig zu erkennen, so dass Arbeitsunfälle möglichst ausgeschlossen werden können“, verspricht sich Dr. Werner. Zoodirektor Ralf Slabik fügt hinzu: „Wir freuen uns, als erster Zoo Deutschlands dieses wichtige Zertifikat im Arbeitsschutzmanagement erhalten zu haben. Es ist für uns ein weiterer Schritt in der erfolgreichen Wandlung zu einem modernen Musterbetrieb unter der jetzigen Geschäftsführung! Die Urkunde stellt einen echten Mehrwert für das Unternehmen dar, denn sie zeigt nicht nur den Beschäftigten, sondern auch den Besuchern, dass der Arbeitsschutz bei uns jetzt und in der zukünftigen Weiterentwicklung des Tierparks ernst genommen wird.“

Nicht immer wurde den Themen Arbeitsschutz und Unfallverhütung ein hoher Stellenwert eingeräumt. Das erste deutsche Arbeitsschutzgesetz wurde 1839 veröffentlicht. Es diente u. a. dem Verbot von Kinderarbeit bis zum neunten Lebensjahr. Im Bergbau und während der Industrialisierung der Arbeitswelt kam es immer wieder zu schlimmen Unfällen, die nicht abgesichert waren. Ab 1847 wurden Kommissionen zur Überprüfung des Schutzes von Arbeitnehmern in den Fabriken errichtet. Ab 1885 gab es eine Gesetzliche Unfallversicherung.

Eines der wichtigsten Elemente des heutigen Arbeitsschutzes stellt das 1974 verabschiedete Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) dar. Von da an waren Betriebe gesetzlich dazu verpflichtet, Betriebsärzte einzustellen und Fachkräfte für Arbeitssicherheit als Berater in die betriebliche Sicherheitsarbeit einzubeziehen. 1996 trat das heutige Arbeitsschutzgesetz in Kraft. Hierdurch wurden die Aufgaben von Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Arbeitsschutz geregelt. Das Hauptinstrument des Arbeitsschutzgesetzes ist die Gefährdungsbeurteilung, mit deren Hilfe mögliche Gefährdungen erkannt und bewertet werden.

Weltweit ereignen sich jährlich etwa 313 Millionen Arbeitsunfälle. Etwa 2,3 Millionen Menschen sterben jährlich an Arbeitsunfällen und berufsbedingten Erkrankungen (Quelle: ILO – Internationale Arbeitsorganisation). In Deutschland ereigneten sich im Jahr 2014 483 tödliche Arbeitsunfälle (Quelle: DGUV – Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung). Durch Unfälle und Arbeitsunfähigkeiten entstanden 2010 in der BRD Produktionsausfälle in Höhe von 39 Milliarden Euro (Quelle: BAuA – Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin).

Quelle: PM Tierpark Bochum