Tierpark Bochum: Kaimane geschlüpft

Foto: Tierpark Bochum

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Der Tierpark Bochum freut sich über Nachwuchs im Terrarienhaus. Am 30. Juli sind in der Anlage der Brauen-Glattstirnkaimane vier scharfzähnige Jungtiere geschlüpft.
Mittlerweile sind die Kaimane bereits rund 20 Zentimeter groß und werden getrennt von den erwachsenen Tieren, in separaten Terrarien, von den Tierpflegern großgezogen, wo sie sich prächtig entwickeln. Es dauert jedoch fast vier Jahre bis die Reptilien vollständig ausgewachsen sind. Besucher können die Jungtiere im Terrarienhaus gegenüber des großen Riffaquariums beobachten.

Wie auch bei einer Naturbrut, legen die Weibchen im Frühjahr ihre Eier in einem Hügelnest aus Laub und Planzenteilen ab. Danach werden die Eier von den Tierpflegern vorsichtig aus der Anlage geholt und von einem Inkubator ausgebrütet, um eine risikofreie Entwicklung der Tiere gewährleisten zu können. Bei Reptilien hat die Temperatur, der die Eier ausgesetzt sind, Einfluss auf die Entwicklung des Geschlechts: Weibchen entwickeln sich bei einer Bruttemperatur bis zu 30°C, für die Entwicklung von Männchen muss es etwas wärmer sein.
Während der Brutzeit sind Kaimane sehr aggressiv und wollen ihr Nest um jeden Preis verteidigen. Deswegen ist von den Tierpflegern äußerste Vorsicht geboten, wenn sie das Gehege betreten. Ein doppeltes Schleusensystem sowie ein Arbeitsweg oberhalb der Anlage, von dem aus die Tiere gefüttert werden können, sorgen für die nötige Sicherheit.

Seit 1986 leben insgesamt vier ausgewachsene Brauen-Glattstirnkaimane im Terrarienhaus des Tierparks – ein Männchen und drei Weibchen. Die Anlage ist dem natürlichen Lebensraum der Reptilien nachempfunden und verfügt neben einer großen Wasserfläche mit unterschiedlichen Ebenen und einem Wasserfall auch über einen Landteil, auf dem die Tiere ihre Hügelnester bauen können. Nistmaterial finden die Tiere ebenfalls in der Anlage. Kaimane sind wie alle Reptilien wechselwarme Tiere und benötigen daher eine technisch anspruchsvolle Ausstattung der Anlage. So gibt es im Gehege unterschiedliche Temperaturzonen, damit sie ihre Körpertemperatur bei Bedarf abkühlen oder aufwärmen können. Eine automatische Beregnungsanlage hält die nötige Luftfeuchtigkeit aufrecht.

Brauen-Glattstirnkaimane (Paleosuchus palpebrosus) sind eine Unterfamilie der Alligatoren innerhalb der Ordnung der Krokodile. Mit einer Körperlänge von bis 1,50 Metern sind Kaimane eher kleine Krokodile. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die dichten Regenwälder des Amazonas- und Orinokobeckens in Südamerika. Der Brauen-Glattstirnkaiman trägt seinen Namen aufgrund des fehlenden knöchernen Grates zwischen den auffallenden braunen Augen. Was ihnen zwischen den Augen fehlt findet man dafür im gesamten restlichen Körper. Die starken Knochenplatten in der Haut schützen die kleinen Krokodile vor Feinden. Ihre kleinen, spitzen Zähne eignen sich gut, um kleine Krebse und andere Wasserlebewesen zu fangen, die typisch für ihren Lebensraum sind. Aber auch Insekten und sogar kleine Säugetiere stehen auf der Speisekarte der Reptilien. Kaimane sind Lauerjäger, d.h. sie verharren oft stundenlang bewegungslos im Wasser, bevor sie ihre Beute blitzschnell erfassen. Brauen-Glattstirnkaimane stehen unter dem Schutz des Washingtoner Artenschutzabkommens.

Die Brauen-Glattstirnkaimane spielen auch in der Zoopädagogik eine wichtige Rolle. Kerstin Schulze, Leiterin der Zooschule des Tierparks, erklärt: „Kaimane und Krokodile im Allgemeinen sind sehr ursprüngliche Reptilien und deshalb bedeutend für Führungen mit dem Schwerpunktthema Evolution. Außerdem sind sie ein wichtiger Bestandteil des beliebten Reptiliencamps – ein Programm, das für Kindergeburtstage im Tierpark gebucht werden kann.“
Besucher des Tierparks können darüber hinaus jeden Mittwoch um 14:00 Uhr bei der Fütterung der Kaimane zusehen.

Quelle: Tierpark Bochum