Tierpark Bochum: Mertens-Wasserwaranen haben ersten Nachwuchs

Foto: Tierpark Bochum

Foto: Tierpark Bochum

Dem Tierpark Bochum ist erstmals die Nachzucht von Mertens-Wasserwaranen (Varanus mertensi) geglückt! Nach der Eiablage wurde das Team des Tierparks 263 Tage lang auf die Folter gespannt. Am 21. April 2016 schlüpfte schließlich das erste von drei Jungtieren im Aquarien- und Terrarienhaus. Der zweite junge Waran folgte am 26. April, der dritte erst am 11. Juni dieses Jahres. „Wir freuen uns, dass gleich aus dem Erstgelege unserer Warane Jungtiere hervorgegangen sind. Diese Premiere geht auf die hervorragende Teamarbeit unserer zoologischen Abteilung zurück und ist nicht nur richtungsweisend für zukünftige Zuchterfolge, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zum Tier- und Artenschutz“, berichtet Zoodirektor Ralf Slabik sichtlich stolz und fährt fort: „Als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) unterstützen wir den Schutz und die Erforschung bedrohter Amphibien- und Reptilienarten, zu denen auch der Mertens-Wasserwaran gehört“.

Das Waranpaar kam 2013 im Alter von drei Jahren aus einer Privathaltung in den Tierpark. „Die Haltung von Mertens-Wasserwaranen ist in Zoos eher selten. Insgesamt sind diese Echsen aktuell in nur drei weiteren deutschen Einrichtungen zu sehen“, erklärt Jens Stirnberg, der Abteilungsleiter der Zoologie. „Um durch Nachzuchten den Erhalt der Waranart langfristig zu sichern, haben wir das Pärchen sorgfältig aus einer guten Privathaltung ausgewählt.“ Das engagierte DGHT-Mitglied Maciej Oskroba aus Wickede (Ruhr) ist unter anderem Namensgeber für die Geckoart Thecadactylus oskrobapreinorum, an dessen Erforschung und Beschreibung er maßgeblich beteiligt war. „Die Kooperation mit einer wissenschaftlich geführten, zoologischen Einrichtung, wie dem Bochumer Tierpark, ist für mich sehr wichtig und es freut mich, dass ich mit der Übergabe der beiden Mertens-Wasserwarane aus meiner Haltung nun indirekt zu diesem Zuchterfolg beitragen konnte“, so der Hobby-Herpetologe. Die in Australien beheimateten Reptilien leben im Aquarien- und Terrarienhaus des Tierparks in einer naturnah gestalteten Anlage mit großzügigen Land- und Wasserbereichen sowie zahlreichen Kletter- und Liegeästen. Das 1.000 Liter fassende Wasserbecken bietet den Tieren inmitten eines bunten Fischbesatzes ausreichend Platz zum Schwimmen. Luftfeuchtigkeit und Temperatur können so reguliert werden, dass ein natürlicher, tages- und jahreszeitlicher Zyklus simuliert wird. Somit wurden optimale Bedingungen geschaffen, welche die Warane zur Paarung und das Weibchen schließlich zur Eiablage motivieren konnten.

Insgesamt hatte das Weibchen vier Eier gelegt, die in einem Inkubator ausgebrütet wurden. Revierleiter Dominik Töller erklärt die Maßnahme: „Aufgrund der langen Brutzeit und der Sensibilität der Tiere, kann es bei Nachzuchten von Mertens-Wasserwaranen schnell zu Komplikationen kommen. Es war uns wichtig, eine risikofreie Entwicklung der Jungtiere bei gleichbleibenden klimatischen Bedingungen zu gewährleisten und dadurch wichtige Erfahrungen und Informationen sammeln zu können.“ In den folgenden Monaten wurden die Eier bei konstanten 28 – 29 °C bebrütet und vom Tierpflegerteam nicht aus den Augen gelassen. Mit Erfolg! Mit einer Kopfrumpflänge von rund 14 cm sind die jungen Warane bereits nach dem Schlupf kleine Abbilder ihrer Eltern, nur ihre Färbung ist intensiver. Bereits nach einer Woche nahmen die Jungtiere das erste Mal selbstständig feste Nahrung auf. Erst zwei weitere deutsche Zoos – die Wilhelma in Stuttgart im Jahr 1965 und das Zoo-Aquarium in Berlin im Jahr 2010 – konnten ebenfalls Nachzuchterfolge bei Mertens-Wasserwaranen verzeichnen.

Quelle: PM Tierpark Bochum