Tierpark Bochum: Neue „Kinderstube“ gewährt Einblicke in die Jungtieraufzucht

Foto: Tierpark Bochum

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Der Tierpark + Fossilium Bochum eröffnet als neueste Attraktion des Aquarien- und Terrarienhauses eine „Kinderstube“, in der Besucher ab sofort die heranwachsenden, Tierpark eigenen Nachzuchten beobachten können. Dadurch sollen Begeisterung für die Artenvielfalt sowie Verständnis für die Aufgaben der Zoos stärker vermittelt werden. Passend dazu präsentiert der Ruhrgebietszoo stolz den dreifachen Nachwuchs seiner Mertens-Wasserwarane (Varanus mertensi) (wir berichteten) sowie ein Jungtier der Nashornleguane (Cyclura cornuta).

„Wir haben uns der Welt-Zoo-Naturschutzstrategie verschrieben. Zu unseren wichtigsten Aufgaben gehören der Erhalt der biologischen Vielfalt, Artenschutz, Forschung und die Bildung einer breiten Öffentlichkeit. Mithilfe der ‚Kinderstube‘ wollen wir unseren Besuchern diese Ziele näher bringen und einen unmittelbaren Einblick in unsere Arbeit gewähren“, erläutert Zoodirektor Ralf Slabik die Idee hinter der neuen Aufzuchtstation und fährt fort: „Wir stehen für Transparenz und Besuchernähe. Unsere ganzjährig einsehbaren Tierhäuser, der verglaste Technikraum der Nordseewelten oder auch die Schaufutterküche, die wir in diesem Frühjahr als erste ihrer Art in NRW eröffnet haben, sind Beispiele dafür, dass wir unseren Besuchern stets eine ungehinderte Beobachtung der tierpflegerischen Arbeiten ermöglichen. Unsere ‚Kinderstube‘ gliedert sich perfekt in dieses Gesamtkonzept ein.“

In der vergangenen Woche gab der Bochumer Tierpark die erfolgreiche Erstnachzucht seiner Mertens-Wasserwarane bekannt. Die kleinen Warane wurden bisher ebenso wie das Nashornleguanjungtier im Quarantänebereich des Terrarienhauses aufgezogen, bevor sie ihren Umzug in die „Kinderstube“ antreten konnten. „Für eine risikofreie Aufzucht der Jungtiere sind kontrollierbare Bedingungen in den ersten Lebenswochen essentiell“, erklärt der zuständige Revierleiter Dominik Töller die Maßnahme. Die neueingerichtete „Kinderstube“ ist optimal an die zoologischen Ansprüche der Reptilien in ihrem aktuellen Entwicklungsstadium angepasst. „Damit wir unsere Zöglinge so selten wie möglich durch tierpflegerische Arbeit stören müssen, haben wir nur pflegeleichte Materialien für die Einrichtung der Terrarien gewählt. Für einen gesunden Stoffwechsel brauchen unsere Nachzuchten eine höhere Umgebungstemperatur als adulte Tiere. So misst die Anlage unter einem extra Wärmespot ca. 33 °C, in den ‚kühleren‘ Bereichen um die 26 °C. Ausreichend Versteckmöglichkeiten, wie Blattwerk und Steine, die für uns Tierpfleger dennoch gut einsehbar sind, sind ebenso wichtig“, so der Reptilienexperte. Besucher finden die Aufzuchtstation zwischen dem großen Aquarium der Schwarzspitzen-Riffhaie und der Biotop-Anlage des Zieglers Bindenwarans. Aufgeteilt auf zwei Etagen, bieten die Terrarien eine kindgerechte Einsicht, damit vor allem kleine Besucher die jungen Echsen gut beobachten können.

Das erste der drei Wasserwaran-Jungtiere schlüpfte am 21. April 2016 nach 263 Tagen Brutzeit im Tierpark + Fossilium Bochum. Der zweite Waran folgte nur wenige Tage später am 26. April, der dritte ließ etwas länger auf sich warten und pellte sich erst am 11. Juni aus dem Ei. Die aquatische Waranart, welche in nur drei weiteren deutschen Zoos gehalten wird, ist in Australien heimisch und dort unter anderem durch die für Fressfeinde giftige Agakqröte potentiell gefährdet.

Das Jungtier der Nashornleguane ist Ende 2015 geschlüpft. Die ausgewachsenen Elterntiere teilen sich im Tierpark eine Anlage mit einer weiteren Reptilienart, den Ameiven. Ihren Namen hat die bedrohte Echsenart drei kleinen Hörnern auf der Schnauze zu verdanken. Mit einem Gewicht von etwa zehn Kilogramm und einer Länge von rund eineinhalb Metern gehört der Nashornleguan zu den größten lebenden Echsenarten. Der natürliche Lebensraum der großen Echse beschränkt sich überwiegend auf die karibischen Inseln. In ihrer Heimat werden die Leguane stark bejagt, da sie der Bevölkerung als wichtige Fleischlieferanten dienen. Zum Schutz dieser Reptilien beteiligt sich der Tierpark am Europäischen Zuchtbuch (ESB) für Nashornleguane. Im Rahmen seines Tier- und Artenschutzauftrages ist die gezielte Nachzucht bedrohter Tierarten ein wichtiger Bestandteil der zoologischen Arbeit. Durch die Beteiligung an verschiedenen Zuchtprogrammen, die zoo-übergreifend laufen, werden Reservebestände geschaffen, die den langfristigen Erhalt der Biodiversität sichern sollen. Die bedeutsame Arbeit der Zoos wird offiziell von der Weltnaturschutzunion IUCN anerkannt.

Quelle: PM Tierpark Bochum