Tierpark Bochum stoppt den Bau des Großprojekts „Zoologischer Bewegungsspielplatz“

Foto: Tierpark Bochum

Foto: Tierpark Bochum

Erst am vergangenen Freitag gab der Tierpark + Fossilium Bochum in einer offiziellen Pressekonferenz den Baubeginn des 650.000 Euro schweren Spielplatz-Projekts bekannt. Jetzt ruft Zoodirektor Ralf Slabik den sofortigen Baustopp aus! Der Grund: Kea-Weibchen „Elpheba“ hat zum ersten Mal ein Ei gelegt!

„Uns ist bewusst, dass wir durch den Baustopp eine eventuelle Verzögerung des Eröffnungstermins riskieren. Für uns als zoologische Einrichtung, die sich den Zielen der Welt-Zoo-Naturschutzstrategie verschrieben hat, stehen jedoch der Artenschutz, das Wohlergehen unserer Tiere und damit der Tierschutz an erster Stelle“, betont Zoodirektor Ralf Slabik und ergänzt: „Der Tierpark + Fossilium Bochum beteiligt sich am Europäischen Zuchtbuch (ESB) für Keas, daher freuen wir uns sehr, dass wir in diesem Jahr zum ersten Mal eine Eiablage unserer Nestorpapageien verkünden können. Auch wenn beim Erstgelege wahrscheinlich nicht mit einem Bruterfolg zu rechnen ist, da viele Papageienpaare mehrere Anläufe bzw. Übungsgelege benötigen, bis es zum Schlupf von Jungvögeln kommt, wollen wir unseren Keas keinen unnötigen Stress durch einen Umzug zumuten. Das Projekt ‚Europäisches Zuchtbuch für Keas‘ im Tierpark + Fossilium Bochum ist ein langfristig und nachhaltig Geplantes. Wir wollen unseren Tieren bei ihrem Erstgelege auf jeden Fall die Gelegenheit geben, Erfahrungen beim Brutgeschäft zu sammeln, damit zukünftig viele weitere Gelege folgen, die für Nachwuchs in der Kea-Kinderstube sorgen. Insofern ist diese Premiere für die Tiere und deren zukünftiges Brutverhalten enorm wichtig und sicher richtungsweisend für spätere Nachzuchterfolge, mit denen der Tierpark einen bedeutenden Beitrag zum Artenschutz leisten möchte.“ Das jetzige Zuhause der Keas bleibt daher vorerst unangetastet. Im benachbarten Umfeld soll jedoch vorsichtig mit den ersten Arbeiten begonnen werden.

Am vergangenen Samstag entdeckten die Tierpfleger bei der täglichen Fütterung ein Ei in der Bruthöhle der Keas. Eine Besonderheit, wie der Abteilungsleiter der Zoologie Jens Stirnberg erklärt: „Noch immer ist die Zucht der Keas in Menschenhand keine Selbstverständlichkeit. Die Tiere sind sehr kompliziert in ihrem Brutverhalten, denn sie akzeptieren keineswegs jeden Partner. Die geringe Nachkommenzahl sowie die extrem lange Jungenaufzuchtzeit sorgen dafür, dass sich die Tiere nur sehr langsam vermehren.“ Keas stehen auf der Roten Liste und gelten seit dem Jahr 2000 als gefährdet. Aktuell wir ihr Bestand auf weltweit 1.000 bis 15.000 Individuen geschätzt. Keas sind die weltweit einzige alpine Papageienart und sehr intelligent. Dank ihrer Neugier und ihres nomadischen Verhaltens, finden sie immer wieder neue Futterquellen und sind somit optimal an die rauen Begebenheiten ihres kargen Lebensraums in den Bergen Neuseelands angepasst. In ihrer Heimat wurde der Bestand der Vögel Anfang des 20. Jahrhunderts im Rahmen einer von der Regierung geförderten Kampagne stark dezimiert. Noch immer sind sie bei der Bevölkerung eher unbeliebt, da sie für Diebstähle, Sachbeschädigung und vor allem für Angriffe auf Schafherden verantwortlich gemacht werden. Obwohl Keas heute unter Artenschutz stehen, kommt es immer wieder zu illegalen Tötungen der Tiere.

Die Keas „Elpheba“ und „Pierro“ leben seit fünf Jahren im Tierpark Bochum. Die beiden kamen als Jungtiere in den Ruhrgebietszoo und beschäftigten sich über viele Jahre damit, Kea-typisch viel Unsinn anzustellen, zahlreiche Spielzeuge zu untersuchen und kunstgerecht zu zerlegen und die Besucher des Tierparks mit ihren schrillen Rufen und lustigen Possen zu unterhalten. Keas werden erst zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr geschlechtsreif. Da sie am Boden nisten, befindet sich in der Voliere eine eigens für die Keas gebaute, langgezogene Bruthöhle. In diese können sie zwischen zwei und vier Eier legen. Keas werden mit etwa 13 Wochen flügge und bleiben dann noch weitere fünf bis sechs Wochen an ihrem Geburtsort, bevor sie selbstständig werden. Manche Jungtiere lassen sich noch mit acht Monaten von ihren Eltern füttern.

Ein Highlight des neuen zoologischen Bewegungsspielplatzes im Tierpark + Fossilium Bochum ist eine Iglu-förmige Entdeckerhöhle, die inmitten der neuen Kea-Voliere liegen und den Besuchern einen einmaligen Blick auf die Vögel bieten soll. Interaktive Lernstationen im Innenraum der Höhle werden spannende Fakten zu den intelligenten und verspielten Papageien sowie zu vielen weiteren beeindruckenden Vertretern der neuseeländischen Tierwelt vermitteln. Als vorbereitende Maßnahme, sollten die Keas im Laufe der Woche vorübergehend in die Anlage der Gelbbrustaras umziehen, um das jetzige Areal für die zukünftige Spielfläche zu räumen. Dieser Schritt muss nun vertagt werden. Ralf Slabik: „Es ist wichtig, dass wir nun mit Bedacht und Ruhe vorgehen. Daher werden sich die ersten Baumaßnahmen vorerst auf die umliegenden Flächen, wie dem ‚Turtlepfad‘ auf der Anlage der Seychellen-Riesenschildkröte oder der ‚Wüstenbaustelle‘, konzentrieren“. Die Anlieferung der vorgefertigten Spielgeräte wird wie geplant nach Ostern erfolgen und die einzelnen Elemente werden bedarfsgerecht zwischengelagert.

Quelle: PM Tierpark Bochum