Tierpark Nordhorn: Forschungsstudie zum Hörvermögen von Seehunden

Seehund-Hörtest - Foto: Tierpark Nordhorn/Franz Frieling

Seehund-Hörtest – Foto: Tierpark Nordhorn/Franz Frieling

Wie hören Seehunde?
Forschungsstudie zum Hörvermögen von Seehunden im Tierpark Nordhorn

Dieser interessanten Frage ist der Tierpark Nordhorn zusammen mit anderen Wissenschaftlern in der letzten Zeit nachgegangen.

Wissenschaftler aus den Niederlanden und Schottland beschäftigen sich seit 2012 mit einer Studie zum Hörvermögen von Seehunden. Dabei geht es zum einen um die Frage wie gut und in welchen Frequenzbereichen Seehunde Töne wahrnehmen können. Zum anderen darum in wie weit sie laute Geräusche als störend empfinden würden.

Hintergrund dieses Forschungsansatzes ist die zunehmende Lärmbelästigung im Meer, insbesondere in der Nordsee.
Hier sind die Meeressäuger mit den großen runden Augen weit verbreitet, während sie in der Ostsee eine extreme Seltenheit darstellen. Generell findet man Seehunde auf der gesamten Nordhalbkugel, sowohl im Atlantik, als auch im Pazifik. Sie bevorzugen die Küstenstreifen oder trocken gefallene Sandbänke, die gerade in der Nordsee zahlreich vorhanden sind. Daher ist sie ein idealer Lebensraum für Seehunde, wäre da nicht die zunehmende Lärmbelästigung.
„Wieso Lärm? An der Küste ist es doch immer schön ruhig – abgesehen vom Wind“ denkt vielleicht manch einer. An der Küste vielleicht schon, aber unter Wasser sieht das ganz anders aus. Der Schiffsverkehr, Bauarbeiten und Sprengungen im Meer in Zusammenhang mit dem Aufbau von Windkraftanlagen, Ölplattformen oder Verlegungen von Kabeln, Leitungen usw. sind neben Schallkanonen, mit denen nach Erdöl gesucht wird Hauptursachen für eine Lärmbelastung der Meere. Hinzu kommt noch der Einsatz von Sonargeräten.

Um mögliche Auswirkungen dieses Unterwasserlärmes auf die Tiere beurteilen zu können, benötigen Wissenschaftler exakte Daten über deren Hörvermögen.

Dazu wurden bereits 2012 an den Küsten Großbritanniens 18 wildlebende Seehunde gefangen und untersucht. Als Vergleich sollten Tiere aus zoologischen Einrichtungen herangezogen werden, da diese nicht dem starken Lärm unter Wasser ausgesetzt sind. Die große Seehundgruppe im Tierpark Nordhorn bot sich für diese Studie an, zumal diese Untersuchung mit der anstehenden Routineuntersuchung verbunden werden konnte. Ein gemeinsamer Termin wurde abgesprochen und zwei Tage lang standen im Nordhorner Tierpark die Seehunde im Fokus der internationalen Wissenschaftler, des Tierpflegerteams und der Zootierärztin Dr. Heike Weber.

Seehund - Foto: Tierpark Nordhorn

Seehund – Foto: Tierpark Nordhorn

Seehunde (Phoca vitulina), gehören zur Familie der Hundsrobben und damit übergeordnet zu den hundeartigen Raubtieren. Statt des typischen Raubtiergebisses haben sie ein gleichförmigeres Fischfressergebiss. Mit diesem packen sie Fische und halten sie fest, bevor diese unzerkaut heruntergeschluckt werden.

Die Seehunde bekamen während dieser Untersuchung Kopfhörer aufgesetzt, über die ihnen verschiedene Tonfrequenzen vorgespielt wurden. Per Hautelektroden – ähnlich wie bei einem EKG (Elektro-Kardiogramm zur Herzaktivitätsmessung) – konnten die Wissenschaftler dann die Reaktionen der Tiere auf die Töne messen.

Nebenbei wurden von Dr. Heike Weber Blutproben gezogen, eine Allgemeinuntersuchung samt Zahninspektion sowie spezielle Augenuntersuchungen durchgeführt. Alle Seehunde überstanden die schmerzlosen Prozeduren problemlos.
„In Bezug auf den Hörsinn haben wir herausgefunden, dass sowohl die wildlebenden als auch die Zoo-Seehunde ungefähr im Bereich der gleichen Frequenzen Töne wahrnehmen können“ so Klaus Lucke von IMARES, Uni Wageningen, NL. Eine wichtige Erkenntnis für die weitere Forschung zur Auswirkung des Meereslärms.

Zwei sehr alte Zoo-Seehunde (33 und 40 Jahre alt) konnten nur noch höhere Frequenzen wahrnehmen. Ihr Hörsinn war deutlich eingeschränkt, was sicher mit der zunehmenden „Alterstaubheit“ anderer Tierarten oder auch des Menschen vergleichbar ist.

„Leider beziehen sich all diese Hörversuche nur auf den Hörsinn über Wasser, also an der Luft“, gibt Vincent M. Janink, Sea Mammal Research Unit St. Andrews, U.K., zu bedenken. „Aussagekräftiger und viel spannender wäre es natürlich, den Hörsinn der Tiere unter Wasser zu erforschen! An Methoden dazu arbeiten wir noch“ lächelt er verschmitzt.

Die Vergleichsstudie an einigen Seehunden aus dem Freiland zu Tieren aus dem Zoo stellte den ersten Schritt für Folgeprojekte dar. „Als regionales Arten- und Naturschutzzentrum freuen wir uns besonders Forschungen an einer einheimischen Tierart, die quasi vor unserer Haustür lebt, unterstützen zu können“, so Tierparkleiter Nils Kramer. „Wir hoffen, auch in Zukunft wichtige Erkenntnisse beitragen zu können!“

Mehr Infos zum Tierpark Nordhorn: ZOO- UND TIERPARKLISTE

Quelle: PM Tierpark Nordhorn