Tiger tötet Pfleger im Allwetterzoo Münster

Foto: Simon Pannock/zoogast.de

24 Stunden nach dem tragischen Unfall steht der Allwetterzoo Münster immer noch unter Schock. Man hat sich zwar entschlossen den Zoo geöffnet zu lassen, lediglich die Tierfütterungen wurden abgesagt, aber die schrecklichen Ereignisse wirken immer noch nach.

Am Donnerstag gegen 16 Uhr hatte der Sibirische Tiger „Rasputin“ seinen 56-jährigen Tierpfleger mit einem Genickbiss getötet. Der langjährige Mitarbeiter hatte die beiden Tiger Rasputin und Nely aus dem Außengehege locken wollen um sicher die Anlage betreten zu können. Dabei war ihm, nach jetzigen Erkenntnissen, ein verhängnisvoller Fehler unterlaufen. Offenbar hatte der Verstorbene dabei vergessen eine Luke zu schließen, die es dem Tigermännchen ermöglichte in den Außenbereich zurück zu kehren. Dann muss alles ganz schnell gegangen sein. Der erfahrene Tierpfleger hatte keine Chance als ihn das mehrere hundert Kilo schwere Tier von hinten anfiel und mit einem Biss in das Genick sofort tötete. Besucher hatten den Unfall beobachtet und gleich Alarm geschlagen. Anderen Angestellten des Allwetterzoos gelang es den Tiger von seinem Opfer weg zu locken und einzusperren, so dass die Sanitäter das Gehege betreten konnten. Es war ihnen aber nur noch möglich den Tod des Mannes festzustellen.

Die 90 Mitarbeiter des Allwetterzoos Münster werden von einem Kriseninterventionsteam betreut. Zudem hat man eine Kondolenzstelle eingerichtet. Man sei nun mit den Gedanken bei den Angehörigen des alleinstehenden Mannes, teilte man von Seiten des Zoos mit. Der Allwetterzoo habe ebenfalls ein Familienmitglied verloren.

Der Tiger hätte lediglich versucht sein Revier zu verteidigen und müsse nicht mit Konsequenzen rechnen, teilte die Zooleitung mit. Es sei ein natürlicher Trieb, dass das Tier einen Eindringling angreifen würde und da er sich von seinem Opfer weglocken hatte lassen, blieb ihm das Schicksal seines Artgenossen aus dem Kölner Zoo erspart. Der dortige Direktor hatte im August 2012 den Tiger „Altai“ erschießen müssen, als der eine Pflegerin angegriffen hatte. (zoogast.de berichtete Bericht)

Der TÜV hat nach vorläufigen Untersuchungen festgestellt, dass die Schließanlage ohne Beanstandungen funktioniert und mit ziemlicher Sicherheit von menschlichem Versagen auszugehen ist. So sieht es anscheinend auch Oberstaatsanwalt Heribert Beck, der laut einem Sprecher ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet hat, von einer Obduktion allerdings absieht.

Zoodirektor Jörg Adler besteht darauf, dass den Tigern keine Mitschuld an dem Unfall gegeben werden kann und stellt klar, dass die Tiere in Münster bleiben und unter keinen Umständen getötet werden. Es werde nicht einmal Beschränkungen geben, da das ja einer Strafe gleich käme. Diverse Tierschutzorganisationen hatten bereits wieder Stellung bezogen und gegen Tigerhaltung in Zoos im Allgemeinen plädiert.

Ab Morgen soll alles wieder seinen gewohnten Gang gehen, gab Adler an. Man sei es den Besuchern schuldig. Tiger Rasputin zieht derweil seine Kreise in seinem Revier, ohne dass ihm bewusst ist was er da gestern eigentlich angerichtet hat…

M.Schmid/zoogast.de

1 reply to this post
  1. Ich bin kein Gegner von Tierhaltung in Zoos. Allerdings häufen sich in letzter Zeit die Vorfälle mit Angriffen von wilden Tieren in Zoos. In gewisser Weise ist es der Preis den Menschen für das Aufrechterhalten der Zoohaltung zahlen. Ich wünsche auf jeden Fall den den Angehörigen des Opfers meinen tiefsten Beileid.