Tigertausch im Zoo Heidelberg

Zoonews NewsJede Katze hat ihren eigenen Charakter. Das ist bei den Großkatzen nicht anders. Bei der Vergesellschaftung mit Artgenossen gilt es daher, mit viel Sorgfalt den passenden Partner auszuwählen. Der Zoo Heidelberg stellt sich dieser Aufgabe im Rahmen unterschiedlicher Zuchtprogramme zum Erhalt bedrohter Tierarten und hat bereits zahlreiche Erfolge zu verzeichnen.

Speziell bei den Sumatratigern zeigte sich nun, dass trotz passender genetischer Voraussetzungen die Chemie zwischen den Großkatzen stimmen muss. Die anfänglich gute Beziehung zwischen Tigerkater Asim und der sechs Monate jüngeren Tigerin Tila war nur von kurzer Dauer. Die junge Tigerkatze war häufig in Spiellaune und forderte Asim heraus. Nachdem der Kater ihr mehrmals deutlich zeigte, dass er dazu nicht bereit sei, entwickelte Tila eine entsprechende Scheu vor ihm und Asim erkannte sie nicht als ebenbürtige Partnerin.

„Mit der Entscheidung, beide endgültig voneinander zu trennen, taten wir uns nicht leicht.“ berichtet Sandra Reichler, Kuratorin im Zoo Heidelberg. „Allerdings hatten wir die Befürchtung, dass es bei weiteren Auseinandersetzungen zu Verletzungen kommen könnte. Die beiden harmonierten einfach nicht optimal miteinander.“ Letztlich wurde auf Empfehlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) entschieden, den Kater mit einem anderen Zoo zu tauschen.

In Ebeltoft wartete eine Tigerdame ebenfalls auf einen geeigneten Partner und Asim wurde als passendes Pendant ausgewählt. Nach ersten Rückmeldungen aus Dänemark war es Liebe auf den ersten Blick, sodass man die beiden schon nach kurzer Zeit zusammen ließ und es bereits zu einer ersten Paarung kam.

Als neuer Partner für Tila in Heidelberg wurde der sechsjährige Tebo, ein stattlicher Sumatratiger mit ausgeprägtem Backenbart, aus dem Zoo in Wroclaw/Polen ausgewählt. So ergab es sich, dass bereits 10 Tage nach dem Auszug von Asim der Neue ins Raubtierrevier einzog.

Am letzten Wochenende konnte der 2009 im Naturzoo Rheine geborene Sumatratiger zunächst den Innenbereich der Tigeranlage in Ruhe in Augenschein nehmen. Dazu war das Raubtierhaus vorübergehend für Besucher geschlossen. Sobald sich Tebo mit der Anlage und vor allem mit den Tierpflegern vertraut gemacht hat, wird er auch in der Außenanlage zu sehen sein.

Obwohl Tila beim ersten Blick auf den Kater mit Fauchen reagierte, zeigte sie sich neugierig auf den neuen Mitbewohner. Im Rahmen der Annäherung werden die beiden in den getrennten Gehegebereichen zunächst die Möglichkeit haben, sich durch das sogenannte „Kontaktgitter“ zu beschnuppern. Sobald erkennbar ist, dass beide Interesse aneinander zeigen, steht eine erste Zusammenführung an.

„Wir werden beiden ausreichend Zeit geben, sich aus der Ferne zu beobachten und hoffen, dass sich eine fruchtbare Beziehung zwischen beiden entwickelt.“ so Reichler. Die Kuratorin verweist darauf, dass die Tiere in der Wildnis typische Einzelgänger sind, die sich häufig nur zur Paarungszeit treffen und daher die Vergesellschaftung besonders behutsam erfolgen muss. „Natürlich wünschen wir uns gemeinsam mit dem EEP gesunden Nachwuchs und freuen uns, wenn der Funke überspringt.“
Bleibt nur zu hoffen, dass der aktuelle Barttrend auch bei der Tigerdame Tila gut ankommt.

Quelle: PM Zoo Heidelberg