Tod von Giraffe Marius im Zoo Kopenhagen: Alle Fakten – alles was Sie wissen müssen

Foto: M.Schimd/zoogast.de – Kenia 2010

Was ist geschehen?
Der Zoo Kopenhagen hat den gesunden Giraffenbullen Marius vor den Augen der Öffentlichkeit getötet und ihn anschließend obduziert, zerteilt und an die Raubtiere verfüttert.

Warum musste die Giraffe sterben?
Marius wurde im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtproramms (EEP) in Kopenhagen geboren. Das EEP sorgt dafür, dass sich eine genetisch gesunde und zahlreiche Zoo-Population entwickelt oder erhält. Da Marius in der Kopenhagener Giraffengruppe keine passende Partnerin hätte finden können, bestand die Gefahr von Inzest, das bedeutet die Nachwuchs bei blutsverwandten Tieren.

Warum gab man Marius nicht an einen anderen Zoo ab?
Kein Zoo der sich am EEP beteiligt war in der Lage den Giraffenbullen aufzunehmen. Gründe hierfür sind u.a. Platzmangel, ein bereits ansässiger Bulle oder die Gefahr von Inzest da bereits verwandte Weibchen des Bullen gehalten werden.

Warum gab man den Bullen nicht an einen Zoo ab, der sich nicht am EEP beteiligt?
Möchte ein Zoo ein Tier aus dem EEP übernehmen, muss er für das Tier zahlen. Z.B. werden in den USA beim Handel zwischen den Zoos hohe Summen bezahlt. So kostet in Übersee z.B. ein Stachelschwein 5.000 US-Dollar oder ein Springtamarin 15.000 US-Dollar. Eine Gratisabgabe kommt in der Regel bei Zoo die sich am EEP beteiligen und Zoos die das nicht tun beiderseitig nicht in Frage. Aussagen von Zoos die bis zu 500.000 Euro geboten hätten, sind mit Vorsicht zu genießen, da auch Zoos im EEP auf Geld angewiesen sind und keinen Grund hätten ein solches Angebot auszuschlagen. Leider wird eine solchen Plattform auch oft für PR genutzt.

Warum gibt oder gab es bei den Giraffenweibchen keine Empfängnisverhütung?
Mittel zur Empfängnisverhütung können für Tiere sehr gefährlich sein. Es wurde bereits erhöhte Tumorbildung und eine hohe Krankheitsanfälligkeit nachgewiesen. Deshalb wurde weder die Geburt von Marius verhindert, noch sollten die ansässigen Giraffen unter diesen Umständen vor einer Schwangerschaft von dem Bullen geschützt werden.

Wieso wurden Tötung und Schlachtung öffentlich und auch vor Kindern durchgeführt?
Man mag davon halten was man will, aber es entspricht dem dänischen Kulturkreis Tötungen und Schlachtungen von Tieren gelegentlich öffentlich durch zu führen. Man sagt, dass den Menschen immer wieder vor Augen geführt werden muss, dass der Fleischverzehr von Menschen und Tieren immer auch Opfer fordert. Diese Ansicht ist der über das Sezieren von Fröschen in der amerikanischen Highschool ähnlich.

Warum wurde der Kadaver an die Raubtiere verfüttert?
Wenn man ein gesundes Tier, das im Zoo geboren und aufgewachsen ist getötet wird, verfüttert man es auch in allen anderen Zoos an die Raubtiere, da es sich bei diesem Fleisch um hochwertiges Biofleisch handelt. Zudem wäre es grotesk den Kadaver anderweitig zu entsorgen und dafür Zuchttiere wie Schweine oder Rinder zu verfüttern.

Kommen solche Fälle öfter vor?
Ja. In den meisten Zoos werden überzählige Tiere die sich nicht zur weiteren Zucht eignen (z.B. Damhirsche, Rinder, Schweine oder Ziegen) werden oftmals getötet und an die Raubtiere verfüttert.

Was sagen die anderen Zoos?
Die meisten Zoos, vor allem diejenigen die Mitglied der Vereinigung der europäischen Zoos und Aquarien (EAZA) sind stehen hinter der Entscheidung des Kopenhagener Zoos. Jedoch distanzieren sich die meisten von der Praxis die Tötung und Schlachtung in der Öffentlichkeit durch zu führen. So teilte Theo Pagel, Präsident des Verbandes Deutscher Zoodirektoren (VDZ) und Direktor des Kölner Zoos in einer Stellungnahme mit:

„… Die Tötung der Giraffe lief unseren Kenntnissen nach vorschriftsgemäß ab. Auch wenn in Kopenhagen rechtlich und ethisch alles in Ordnung war, sollte aus unserer Sicht die Schlachtung eines Tieres nicht so öffentlich zur Schau gestellt werden. …“

Auch das schweizer Kompetenzteam zur Wildtierhaltung erklärt in einer Stellungnahme:

„… Verantwortungsbewusstes Handeln gegenüber dem Tier umfasst nicht nur dessen
tiergerechte Pflege, Fütterung und Unterbringung, sondern eben auch den
Entscheid über Euthanasie oder Schlachtung wenn die Haltungsbedingungen nicht
tiergemäss sein können. Dies ist des modernen Menschen würdig und vernünftig,
nicht die moralinsauren Shit‐Storms gegen einzelne, die sich leicht für die eigene,
bedeutungsschwere Darstellung in den Medien instrumentalisieren lassen. …“

M.Schmid/zoogast.de