Valentinstag nach Mandarinenten-Art

Foto: Wilhelma

Nein, es sind keine verkleideten Narren, die Aschermittwoch verpasst haben und nun das
Wilhelma-Gehege der Mandschurenkraniche unsicher machen. Vielmehr sind die farbenfrohen
Gesellen, die auf dem kleinen Teich ihre Pirouetten drehen, männliche Mandarinenten auf
Brautschau. Passend zum Valentinstag – dem Fest der Verliebten – haben sie ihr prächtiges
Federkleid angelegt und buhlen um die Gunst der unscheinbar gefärbten Weibchen.
Dass die Mandarinenten gerade in bester Balzstimmung sind, passt nicht nur gut zur Symbolik des
christlich geprägten Valentinstags. In ihrer fernöstlichen Heimat stehen die Vögel für ein ähnliches
Thema – für eheliche Treue. Doch wie das mit der Symbolik mitunter eben ist, so hinkt sie auch hier
ein wenig. Zwar halten sich Mandarinenten, einmal gefunden, zunächst die Treue, und die Männchen
verteidigen ihre Weibchen vehement gegen Nebenbuhler. Zur nächsten Paarungszeit jedoch ist es
mit der Treue meist wieder vorbei. Dann treten die Männchen erneut in Konkurrenz um die weibliche
Gunst. Nichtsdestotrotz war es bei chinesischen Hochzeiten lange Zeit Brauch, dem Brautpaar als
dezenten Hinweis auf das Treuegelöbnis ein zahmes Mandarinentenpaar zu schenken. Daneben
landeten die Vögel wegen ihres wohlschmeckenden Fleisches regelmäßig im Kochtopf – ob auch bei
Hochzeitsgesellschaften, ist nicht überliefert. Zu Zeiten der chinesischen Kaiserdynastien waren die
Mandarinenten überdies das Symbol für den siebten Rang der Zivilbeamten, der so genannten
„Mandarine“. Ihnen verdankt die Ente auch ihren Namen: Ihr farbenfrohes Federkleid erinnert an die
Gewänder dieser chinesischen Staatsdiener.
In der Wilhelma leben derzeit vier Männchen und zwei Weibchen dieser symbolträchtigen Entenart,
die längst auch in Europa als beliebtes Ziergeflügel gilt. Vor allem wegen des Aussehens wird sie von
manchen Züchtern gar als schönste Ente der Welt bezeichnet. Haben sich in der Wilhelma die
Pärchen zusammengefunden, sorgen sie jedes Jahr zuverlässig für Nachwuchs. Zum Brüten möchten
Mandarinenten am liebsten hoch hinaus. In der Wildbahn bevorzugen sie hohle Baumstämme, oft
mitten im Wald, als Nistplatz. Das Weibchen brütet ungefähr 30 Tage. Sobald die Küken geschlüpft
sind, verlassen sie das sichere Nest. Dabei springen sie aus teilweise über zehn Meter Höhe und
suchen sofort das nächste Gewässer auf. Ihr geringes Gewicht und die biegsamen Knochen schützen
sie vor Verletzungen bei dem Sturz aus luftiger Höhe.
Die wilden Bestände der Mandarinente sind in den letzten Jahrzehnten stark zurück gegangen. Wie
so oft, ist hieran vor allem der Verlust geeigneter Lebensräume Schuld. Dagegen ist die bereits 1745
in Großbritannien eingeführt Ente in Gefangenschaft sehr häufig zu finden. Verwilderte Parkvögel
haben in Europa außerdem recht stabile Populationen gegründet – und außer in der Wilhelma brüten
die auffälligen Entenvögel beispielsweise auch regelmäßig an den Stuttgarter Bärenseen.

Quelle: PM Wilhelma