Viel Nachwuchs im Zoo Basel

Foto: Zoo Basel

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Sakis, Störche, Zebras, Ziegen und viele andere Tiere im Zoo Basel haben zurzeit Nachwuchs. Die landläufige Meinung, dass Jungtiere immer im Frühling zur Welt kommen, ist aber falsch. Meist hängt die Zeit der Geburt vom Futterangebot in der Natur ab, im Zoo können ungeahnte andere Faktoren einen Einfluss ha-ben.

Am 21. April 2015 ist im Zoo Basel Zebrahengst Meru zur Welt gekommen, wenige Tage später am 26. April 2015 gebar Sakimutter Mop ein Junges. Im Kinderzoo machen sieben Ziegen Bocksprünge, ein kleines Zebu inspiziert die Anlage und bei den Störchen werden in den nächsten Wochen dutzende Küken schlüpfen. Ist die Frühlingszeit also die Zeit der Jungtiere im Tierreich? Dies gilt nur bedingt. In der Natur kommen die Jungen meist saison-abhängig in Zeiten mit einem grossen Futterangebot zur Welt, aber auch andere Umweltfaktoren können einen Einfluss haben. Viele Tiere aus warmen Gegenden der Erde können sogar das ganze Jahr über Nachwuchs haben.

Nachwuchs, wenn der Tisch am reichsten gedeckt ist
Die optimale Zeit für Nachwuchs ist, wenn für Mutter und Kind genügend Nahrung vorhanden ist. Für unsere einheimischen Wild-tiere ist im Frühling der Tisch am reichsten gedeckt: es gibt Insekten für Küken, Gras und Wasser für Huftiermütter und somit viel Milch für die Jungen. Letztere sind wiederum willkommene Beute für Raubtiere. In anderen Gebieten der Erde, beispiels-weise in Afrika, ist häufig das Ende der Regenzeit die optimale Zeit für die Aufzucht der Jungen. Weitere Faktoren bewirken, dass die Jungen nicht einfach das ganze Jahr über verteilt zur Welt kommen: Braunbären bekommen ihren Nachwuchs während der Winterruhe und legen die Energie, die sie für das Säugen der Jungen benötigen, als Fettreserven an. Hornvögel brüten in der Mauserzeit. Das Männchen mauert das Weibchen in der schwierigen Zeit in die Bruthöhle ein, in der ihm neue Federn wachsen. Ge-rade in den warmen Gebieten der Erde gibt es Tierarten, die beim Geburtstermin gar keine Saisonalität zeigen. Zu ihnen ge-hören die Sakis und die Zebras.

Im Zoo gelten andere Regeln
Die Trächtigkeit dauert bei Zebras zwölf Monate. Zebramütter können deshalb in der Natur theoretisch ein Junges pro Jahr be-kommen. Dies wäre für die Mutter jedoch eine grosse Belastung, deshalb haben sie meist nur alle zwei Jahre Nachwuchs, unabhän-gig von der Saison. Die zehn letzten Zebrageburten im Zoo Basel erfolgten zwischen Oktober und Juni, mit einer Häufung im Früh-ling. Der einzige Grund für die Frühlingsgeburten ist aber, dass neue Zebras meist im Herbst in den Zoo kommen. Dann müssen sich die Tiere erst kennenlernen, bevor es zu einer Paarung und zwölf Monate später zu einer Geburt kommt.
Auch Sakis kennen in der Natur keine Nachwuchs-Saison. Lokal häufen sich die Geburten in der Trockenzeit, denn Sakis fressen Samen und finden dann am meisten zu fressen. Im Zoo kommen die Jungen unabhängig von der Jahreszeit zur Welt. Da im Zoo Basel nur ein Zuchtpaar lebt, welches einmal pro Jahr ein Junges hat, haben die beiden eine Art „eigene Nachwuchs-Saison“ von Januar bis Juli. Es kommt immer nur ein Junges zur Welt, die älteren Geschwister bleiben beim Elternpaar und helfen, die Geschwister grosszuziehen.

Enger Terminplan bei den Störchen
Extrem ausgeprägt ist die Saisonalität bei den Störchen. Wenn sie pünktlich im März für die Jungenaufzucht aus den Winterfe-rien im Süden zurückkommen, ist Eile angesagt. Schnell muss der Partner gefunden, ein Nest gebaut und das Gelege betreut wer-den. Rund 30 Tage später, im Mai, schlüpfen die Küken zur opti-malen Zeit: alles wächst und grünt, der Boden ist locker und weich und viele Regenwürmer und Insekten sind für die Fütterung der Jungen vorhanden. Die Küken wachsen enorm schnell. Sie sind bereits im Juli flügge, verlassen nach nur zwei Monaten das Nest und sind sofort selbstständig. Dann futtern sie sich erstmal Speck für die lange Reise an. Im August geht es schon wieder los nach Süden, wo auch im Winter ein reiches Futteran-gebot lockt. Die Altvögel fliegen im September los. Im Zoo Ba-sel sind zurzeit 26 Horste besetzt. Auf fast allen wird gebrü-tet, die ersten Jungvögel sind bereits geschlüpft. Wegen des vielen Regens gab es leider bereits Verluste an Nestlingen.
Saisonales Verhalten ist bei einheimischen Vögeln üblich. Sie nutzen die Zeit, in der es sehr viele Insekten gibt, zur Auf-zucht der Jungen. Nur mit tierischem Eiweiss können Küken wach-sen. Selbst Vögel, die sonst nur Sämereien fressen, benötigen für die erfolgreiche Aufzucht ihrer Jungvögel Insekten. Damit für Jungvögel zu jeder Jahreszeit genügend Futter bereit steht, hat der Zoo Basel eigens eine Insektenzucht eingerichtet.

Haus- und Nutztiere – hier bestimmt der Mensch
Ein regelrechter Jungtiersegen ist zurzeit im Kinderzoo auszu-machen. Fünf Zwergziegen (geboren zwischen 15. bis .20.4), zwei Pfauenziegen (geboren am 24.4. und 30.4.) und ein Zwergzebu (geboren am 30.4) sind in den letzten Wochen zur Welt gekommen.
Sogar unter den Hausziegenrassen gibt es Unterschiede in der Saisonalität. In unseren Breiten werden die Zicklein in den letzten Wintermonaten bis im Frühjahr geboren. Die Brunstzeit beginnt im Herbst, wenn die Tage kürzer werden. Zu diesen „sai-sonalen Ziegen“ gehören die Pfauenziegen im Zoo Basel. Die Zwergziegen, welche ursprünglich von West- bis Zentralafrika verbreitet sind, gebären nicht saisonal, ausser es wird, wie im Zolli, nur im Oktober oder November ein Bock zu den Geissen ge-lassen. Auch Zwergzebus können das ganze Jahr über Nachwuchs haben. Der kleine Stier Milaku ist am 30. April mitten am Tag vor den Augen der staunenden Zoobesuchenden zur Welt gekommen. Dass es im Frühling war, ist reiner Zufall.

Quelle: PM Zoo Basel