Was tun, wenn das Okapi hustet? Das neue Buch des Zoo Basel gibt Aufschluss

Foto: Zoo Basel

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Der Elefant hat Zahnschmerzen, der Geigenrochen muss zur Röntgenuntersuchung, das Känguru hat Haarausfall. Im soeben erschienenen, reich bebilderten Buch „Das Okapi hat Husten – Geschichten aus dem Alltag eines Zootierarztes“ erzählen die Tierärzte des Zoo Basel, wie der Elefant von seinen Zahnschmerzen geheilt und ein blinder Hornrabe wieder sehend wurde.

Ein Zootierarzt sieht sich täglich vor neue Herausforderungen gestellt, die seine Erfindungskunst und ärztlichen Fähigkeiten auf die Probe stellen. Zur Publikation des Buches „Das Okapi hat Husten“ stellten Christian Wenker und Stefan Hoby, beide Tierärzte im Zoo Basel, den Medienschaffenden ihre kniffligsten Fälle vor. Sie erklärten, dass man einen Tukan mithilfe einer PET-Flasche narkotisieren kann, weil sein riesiger Schnabel unter keine der handelsüblichen Narkosemasken passt, und erzählten, warum der Karton einer WC-Rolle zum Einfangen eines Graumulls unerlässlich ist.

Das im Christoph Merian Verlag erschienene Buch „Das Okapi hat Husten“ enthält über 50 solcher überraschender Geschichten, die in neun jeweils mit einer Einführung versehenen Kapiteln zusammengefasst sind. Der Lesende erfährt hier die Hintergründe für die manchmal recht abenteuerlichen Tierarzt-Einsätze. Die Autoren Christian Wenker, Stefan Hoby und Tanja Dietrich machen schnell klar, dass Tiere ganz ähnliche Gesundheitsprobleme haben wie wir Menschen: Wir sind eben auch nur Tiere.

Patienten mit speziellen Eigenschaften

Mancher Patient ist nicht ganz ungefährlich. „Über 120 Stacheln steckten in meinen Unterarmen, im Bauch und in den Oberschenkeln, das Blut tropfte nur so!“, schildert Tierarzt Christian Wenker die schmerzhaften Folgen seiner Begegnung mit einem zu früh aus der Narkose erwachten Stachelschwein. Nicht als wirklich gefährlich, aber als ziemlich bissig erwies sich der König der Zuchtgruppe der Graumulle – dies sind in unterirdischen Gängen lebende Säugetiere. Der Pickel an seiner Zehe entpuppte sich als Abszess und musste aufgeschnitten werden. „Der Verlust des neunjährigen Königs wäre ein herber Rückschlag für den Graumullstaat gewesen“, sagt Stefan Hoby. Damit er das Tierchen einfangen konnte, ohne gebissen zu werden, überlegte er sich eine List: „Ich bugsierte den König in den für die tönnchenförmige Gestalt eines Graumulls passgenauen Karton einer WC-Rolle und legte den jetzt Wehrlosen in die Narkosebox.“ Die Operation glückte, und dem König der Unterwelt stand für die weitere Herrschaft nichts mehr im Wege. Unvergesslich auch der Löwe, der sich während der Zahnoperation anschickte, frühzeitig aus der Narkose zu erwachen. Wie es ausging, lässt sich im Buch nachlesen.

Zootiere sollen gesund bleiben

Die mit neugierig machenden Titeln versehenen Geschichten sind mit über 250 farbigen Fotos von Torben Weber illustriert. Dabei stehen nicht einfach tierärztliche Behandlungen im Zentrum, sondern auch viele Bilder von gesunden Tieren. Dies illustriert einen weiteren Punkt, den die Autoren herausstreichen möchten: Tiere im Zoo sollten eigentlich gar nicht erst krank werden. Hierin sehen die Zootierärzte ihre eigentliche Hauptaufgabe. Das liebevoll gestaltete Buch zeigt daher nicht nur auf, wie die Tiere gepflegt, umsorgt und geheilt werden, sondern vor allem auch, was alles unternommen wird, damit Zootiere gesund bleiben. So erfährt man, warum bei einem neugeborenen Rentier der „Kinderarzt“ vorbeikommt und wie man ein misslauniges Zwergflusspferd dazu bringt, schlussendlich brav zur Ultraschallstunde anzutreten.

Die Kosten für die Produktion des 232 Seiten starken Buches „Das Okapi hat Husten“ hat der Verein der Freunde des Zoo Basel übernommen. Es ist im Buchhandel und im Zooladen erhältlich und kann für 29 Franken bestellt werden.

Quelle: PM Zoo Basel