Welt-Elefantentag 2016: Zoos sind dabei

Foto: Simon Pannock

Foto: Simon Pannock

In Afrika werden sie wegen ihres Elfenbeins bis an den Rand der Ausrottung gejagt, in asiatischen Ländern werden sie als Arbeitstiere eingesetzt und in Zoologischen Gärten gehören sie zu den Besucherlieblingen: Seit Jahrhunderten ist die Beziehung zwischen Elefanten und Menschen vielschichtig. Die Haltung zum Schutz der bedrohten Tiere in wissenschaftlich geführten Einrichtungen wie den Mitgliederzoos des Verbands der Zoologischen Gärten (VdZ) hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt – eine Bestandaufnahme anlässlich des Welt-Elefantentags.

Die grauen Riesen stellen Tierhalter vor große Herausforderungen. Besonders wichtig sei eine artgemäße Herdenstruktur, betont Dr. Stephan Hering-Hagenbeck, Zoologischer Direktor im Tierpark Hagenbeck und Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands des VdZ. „Elefanten leben in einer matriarchischen Gesellschaft, bestehend aus der Leitkuh, mehreren anderen meist verwandten Kühen unterschiedlichen Alters und Jungtieren. Elefantenbullen sind Einzelgänger, deshalb werden sie in Zoologischen Gärten in der Regel auch einzeln gehalten und kommen nur mit paarungsbereiten Kühen zusammen.“ Zu Beginn der Elefantenhaltung in Europa, Anfang des 20ten Jahrhunderts, wurde auf das Sozialgefüge der Tiere wenig Rücksicht genommen. Man wusste auch kaum etwas darüber. Damals stand die Präsentation individueller Vertreter einer Tierart im Vordergrund, denn unter einem Elefant konnte sich niemand etwas vorstellen. Dr. Hering-Hagenbeck dazu: „Anfang der 1920er Jahre wurde in unserem Tierpark eine wild zusammengewürfelte Elefanten„Herde“ bestehend aus Afrikanischen Savannenelefanten und sogar einem Afrikanischen Waldelefant gemeinsam mit Asiatischen Elefantenkühen gehalten. Heute wollen wir unseren Besuchern einen Ausschnitt aus dem Lebensraum der Tiere zeigen, ihre Lebensweise, insbesondere ihr Sozialverhalten näher bringen und gleichzeitig durch Bildungsarbeit ein Naturverständnis fördern, um in einer breiten Bevölkerung wieder eine Naturschutzkultur zu etablieren.“

Auch beim Zuchtmanagement ist die Natur Vorbild: Seit 2003 finden Elefantengeburten im Tierpark Hagenbeck nur noch im Herdenverband statt. 2016 wurde sogar die erste Nachzucht in zweiter Generation gefeiert. Nun leben bei Hagenbeck Großmutter, Mutter und Tochter in einer Herde.

Ziel der europaweit koordinierten Zucht in Zoologischen Gärten ist der Aufbau einer nachhaltigen Population zum Schutz und Erhalt der Elefanten. Bei Asiatischen Elefanten gelingt dies sehr gut, bei den afrikanischen Vertretern gibt es noch Schwierigkeiten, die natürliche Sterberate durch ausreichende Nachzuchten auszugleichen.

Insgesamt 13 VdZ Zoos haben in den letzten 10 Jahren ihre Elefantenanlagen um- und neugebaut. In Magdeburg und Basel sind die Baumaßnahmen in vollem Gang. Dr. Olivier Pagan, Direktor des Zoo Basel und Präsident des VdZ, fasst die Vorzüge des neuen Elefantenhaus zusammen: „Die Anlage wird flächenmäßig größer und den Tieren abwechslungsreiche Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.“ So sollen unter anderem über 80 unterschiedlich strukturierte Futterstellen die Elefanten motivieren, sich zu bewegen und Nahrung zu suchen. Verschiedene Bodenbelege wie Mergel und Sand, ein Wasserbecken und frisches Laub runden das Angebot an die Dickhäuter ab. „Die Anlage heißt „Tembea“, was in der ostafrikanischen Sprache „mobil sein, wandern“ bedeutet. Die Tiere werden viel mehr Möglichkeiten haben, Entscheidungen zu treffen, von der Auswahl der Futterstelle bis hin zum Baden in einer Sandkuhle,“ so Dr. Pagan.

Quelle: PM VdZ