Wie der Zoo San Diego das Leben der Elefantendame Mila aus Neuseeland rettete – die tragische Odyssee eines Afrikanischen Elefanten

Elefantendame Mila - Foto: San Diego Zoo

Elefantendame Mila – Foto: San Diego Zoo

Es gibt Tiere, deren Schicksal so traurig ist, dass man glauben möchte es gebe keinen Platz auf dieser Welt für sie. Doch dann ist man froh zu erkennen, dass es Menschen gibt, die eine Lösung finden. So ein Fall ist die Geschichte der Afrikanischen Elefantendame Mila.

Milas Leben begann etwa 1974 im afrikanischen Namibia wie das Leben eines jeden Elefanten und die ersten Monate dürften für Elefantenverhältnisse sogar ganz gut gewesen sein.
Doch dann kamen die Jäger. Sie trennten das kleine Weibchen von seiner Herde, fingen sie ein und verschifften sie nach England, wo sie kurze Zeit im Londoner Zoo lebte. Bald darauf brachte man Mila in die Vereinigten Staaten nach Hawaii, wo sie im Zoo von Honolulu mit einem anderen Elefanten in einem kleinen Gehege wohnte. Doch die beiden Tiere verstanden sich nicht und deshalb gab es keinen Platz mehr für die junge Elefantendame.

Im Alter von etwa drei Jahren, verkaufte der hawaiische Zoo Mila an einen neuseeländischen Wanderzirkus, der für die nächsten 37 Jahre ihr Zuhause wurde. Über diese Zeit ist nicht viel bekannt, doch sicher ist dass Mila dort den Namen „Jumbo“ trug und während der gesamten Zeit der Auftritte und öffentlichen Vorführungen keinen Kontakt zu Artgenossen hatte. Es wurde aber anscheinend gut für sie gesorgt, da sie keine gesundheitlichen Schäden davon trug. Im Jahre 2009 hatte der Zirkus keine Verwendung mehr für Mila, die Elefantendame war in die Jahre gekommen und nicht mehr in der Lage ständig aufzutreten. Da ein alter Elefant aber immer noch Unmengen an Futter benötigt und auch sonst erhebliche Kosten verursacht, suchten die Betreiber des Wanderzirkuses eine neue Unterkunft für das Tier. Mila war aber zu dem Zeitpunkt der einzige Afrikanische Elefant in Neusseland, was die Suche sehr schwierig machte.

Doch dann meldete sich Dr.Helen Schofield. Schonfield war Tierärztin und Eigentümerin des Franklin Zoo in Auckland. Sie setzte sich mit allen Kräften dafür ein Mila zu sich zu holen und ihr einen Altersruhesitz zu bieten. Obwohl sie zuvor noch nie mit einem Elefanten gearbeitet hatte, eignete Dr. Schonfield ein profundes Wissen über die Dickhäuter an und konnte Mila schließlich auch übernehmen. In der Folgezeit arbeitete die Tierärztin mit der Elefantendame, die sich zwar als gutmütiges, liebes Tier zeigte, aber als Folge der jahrelangen Isolierung von anderen Artgenossen schwere Verhaltensstörungen aufwies. Als Helen Schonfield am 25.April 2012 bei Mila in ihrem Gehege war  nahm das Unheil seinen Lauf: Die mächtige Elefantendame machte einen Schritt zurück und berührte mit ihrem Hinterteil unerwartet den elektrischen Zaun, der ihr Areal abgrenzte. Erschrocken packte sie Schonfield mit ihrem Rüssel und warf sie quer durch das Gehege. Untersuchungen ergaben später, dass Mila ihre Pflegerin schützen wollte, indem sie sie so schnell wie möglich von der unbekannten Schmerzquelle weg brachte. Doch die Konsequenz war tragisch: Dr. Helen Schonfield starb noch vor den Augen der Besucher an den Folgen der Quetschung durch den kräftigen Rüssel. Bedingt durch den Tod von Dr.Schonfield, wurde beschlossen den Zoo zu schließen und die Tiere weiter zu vermitteln. Aber für Mila gab wieder keinen Platz in einem der neuseeländischen Zoos.

Als schließlich bereits über das Einschläfern von Mila gesprochen wurde, stellte Jenny Chung, die Schwester der verstorbenen Helen Schonfield einen Kontakt zum San Diego Zoo her. Dort wurden in einer Spendenaktion über 1,5 Millionen US-Dollar gesammelt um den Transport von Auckland nach Kalifornien zu finanzieren. Die Summe mag auf den ersten Blick sehr hoch erscheinen, aber ein 41-jähriger Afrikanischer Elefant mit über 3.600 Kilo Gewicht kann nicht per Pauschalreise nach Amerika gebracht werden. Zunächst musste Mila per Flugzeug reisen, denn der Stress einer mehrwöchigen Seereise wäre der betagte Elefantendame nicht mehr zuzumuten gewesen. Auch der passende Transportbehälter für die Reise musste erst noch gebaut werden und die behördlichen Papiere sind auch immer mit Kosten verbunden. Zudem musste man die Elefantendame mit einem Tieflader vom Flughafen zum Zoo fahren und zu guter letzt auch noch die Reisekosten für die 20-köpfige Pflegercrew stemmen, die Mila begeleitete. Um einen größeren Medienrummel zu vermeiden, wurde Milas Ankunft geheimgehalten. Sie hatte aufgrund des tödlichen Unfalls traurige Berühmtheit erlangt.
Nun beginnt für Mila die hoffentlich schönste Zeit ihres Lebens. Im San Diego Zoo wartet eine Herde von drei Afrikanischen und vier Asiatischen Elefanten auf einem 2,5 Hektar großen Gelände auf sie. Es sind für Mila nach über 37 Jahren die ersten Artgenossen denen sie begegnet. Zudem wird sie auch keinen Problemen mit Menschen mehr ausgesetzt sein, da man in San Diego, ebenso wie in fast allen amerikanischen Zoos einen „Geschützten Kontakt“ pflegt, das heißt, dass immer Gitterstäbe zwischen Mensch und Tier sind und sie nie in direkten Kontakt geraten. Also wird Mila zur ersten Mal seit ihrer Kindheit wieder das Leben eines Elefanten, mit Artgenossen und der Freiheit tun und lassen zu können was sie will, führen können.

Manchmal endet eben auch die tragischste Geschichte mit einem Happy End…

Michael Schmid/zoogast.de