Wilde Zeiten: Der Mesopotamische Damhirsch im Opel Zoo

Foto: Archiv Opel Zoo

Foto: Archiv Opel Zoo

„Die größte zoologische Kostbarkeit des Opel-Zoos wirkt im Vergleich zur Attraktivität der Elefanten auf die Besucher eher unspektakulär: die Mesopotamischen Damhirsche“, so liest man im Buch „Der Zoo im Taunus“. Weiter heißt es, dass diese „unspektakuläre Tierart“ bereits ausgestorben wäre, wenn nicht der Zoogründer durch Expeditionen in den Iran Tiere nach Kronberg gebracht hätte. Seit 1966 züchtet die Tiergruppe regelmäßig im Freigehege und rund 250 Nachzuchten wurden seitdem geboren, im Iran wieder ausgewildert und an Israel, Neuseeland, Österreich, Frankreich, USA und zahlreiche deutsche Zoos abgegeben. Es ist wahrscheinlich, dass es heute mehr Tiere in Menschenobhut gibt als in der freien Natur. Alle heute in Zoos lebenden Mesopotamischen Damhirsche stammen von den drei ursprünglich vom Zoogründer, Dr. Georg von Opel, gesuchten und importierten Tiere ab, und so wird die Erhaltung dieser Tierart stets mit dem Opel-Zoo und seinem Gründer verbunden sein.

Jedes Jahr im Zeitraum von August bis September findet bei den Mesos, wie die Mesopotamischen Damhirsche liebevoll im Opel-Zoo genannt werden, die Brunft statt. Und dabei gibt es Interessantes zu beobachten: Die Männchen beanspruchen ein kleines Areal, auf dem sie sich Konkurrenten und den Weibchen gegenüber präsentieren. Mit ihrem Geweih bohren sie in den Erdboden, schlagen fast wütend mit den Vorderhufen und ihr Gesicht und der Unterbauch färben sich sichtbar dunkler. In ritualisierten Verhaltensweisen versuchen sie das direkte Kräftemessen mit ihren Konkurrenten und damit Verletzungen durch den Geweiheinsatz zu vermeiden. Sie laufen parallel nebeneinander her und versuchen den Widersacher durch möglichst imposantes Auftreten einzuschüchtern. Man hört die arttypischen, rülpsend klingenden Brunftlaute und kann beobachten, wie die Männchen durch Flehmen den Urin der Weibchen prüfen, um etwas über deren Zyklus zu erfahren. Aber bei allem Imponiergehabe der männlichen Hirsche: Es gilt Damenwahl, denn die Weibchen wählen den Geschlechtspartner.

Nach rund 229 Tagen Tragzeit bringen sie dann im April oder Mai ihr Kalb zur Welt, das dann den Fortbestand dieser seltenen, nach wir vor zu den seltensten Landsäugetieren dieser Größe zählenden Hirschart weiter zu sichern imstande ist. Seit 1987 wird die Haltung des Mesopotamischen Damhirschs im Rahmen eines EEP (Europäisches Erhaltungszuchtprogramm) koordiniert. Dieses Zuchtbuch übernahm im Jahre 2013 die von Opel Hessische Zoostiftung als Träger des Opel-Zoo vom Tierpark Berlin-Friedrichsfelde.

Quelle: PM Opel Zoo