Wildschweinnachwuchs in der Wilhelma

Foto: Wilhelma

Im Schweinsgalopp durchs Gehege sausen, rempeln, schnüffeln, suhlen und auch sonst ordentlich die Sau rauslassen: Für die sechs Ende Februar geborenen Frischlinge auf dem Schaubauernhof ist das Leben ein saumäßiges Vergnügen, ihre Koppel ein einziges Tollhaus. Ihre Wildschwein-Eltern Tristan und Isolde nehmen es gelassen: Schließlich ist der aktuelle bereits ihr zwölfter gemeinsamer Wurf in der Wilhelma.
Für die Tragzeit gibt es bei Wild- und anderen Schweinen eine Art Faustformel: Danach kommen die Jungen genau nach drei Monaten, drei Wochen und drei Tagen zur Welt – in Mitteleuropa meist in der Zeit von März bis Mai. In der Natur geht die Bache mit ihrem Nachwuchs eigene Wege, bis die Frischlinge groß genug sind, um mit der umherziehenden Rotte mitzuhalten. Die Keiler streifen außerhalb der Paarungszeit ohnehin als Einzelgänger umher. Bei Isolde und Tristan sieht es ein wenig anders aus. Die beiden leben in der Wilhelma seit 2004 in fester Dauerehe, Tristan nimmt durchgängig am Familienleben teil und lässt sich vom gemeinsamen Nachwuchs fast schon auf der Nase herumtanzen. Nur wenn es die kleinen Wilden gar zu toll treiben, setzt es auch mal einen Rüffel.
In der Wilhelma bringt Isolde die Frischlinge im geschützten Stall zur Welt. In den Wäldern dagegen wählt eine Bache vor der Geburt sorgfältig den richtigen Platz für ihre Kinderstube aus – am liebsten in Südlage, damit die Sonne das Nest gut beheizt. Den Wurfkessel polstert die werdende Wildschweinmutter mit Gras aus und sogar eine Art Dach baut sie. Denn während der ersten Lebenstage reagieren die Kleinen sehr empfindlich auf Kälte und Nässe, sie können ihre Körperwärme noch nicht selbst regulieren. Also wird nach der Geburt zunächst einmal ein bis drei Wochen zu Hause im warmen Nest geblieben und dieses erst verlassen, wenn das Wetter mitspielt. In dieser Zeit ist mit der Bache nicht zu spaßen, ihre Jungen verteidigt sie notfalls mit Hauern und Klauen. Auch Menschen sind dann vor Angriffen keineswegs sicher, falls sie der Wildsau und ihrem Wurf zu nahe kommen. Trotz des ausgeprägten mütterlichen Schutzes ist die Sterblichkeit unter Frischlingen sehr hoch: Neben Kälteeinbrüchen in den ersten drei Lebenswochen drohen in einigen natürlichen Lebensräumen noch Gefahren durch Fressfeinde wie Wölfe, Bären und Luchse. Wo diese mit den Wildschweinen das Revier teilen, überleben daher nur 30 Prozent, in raubtierfreien Gebieten durchschnittlich 75 Prozent der Jungen.
In der Wilhelma hat nur eines von sieben Jungen aus Isoldes jüngstem Wurf nicht überlebt, die restlichen sechs sind springlebendig und quietschvergnügt. Etwa drei bis fünf Monate lang werden sie ihren hübsch gestreiften Tarnanzug noch tragen, bevor sie ihn gegen ein braunes Jugendfell und später gegen die struppigen „Schwarzkittel“ der erwachsenen Tiere tauschen.

Quelle: PM Wilhelma Stuttgart