Wilhelma: Affennachwuchs im Miniformat

Zwergseidenäffchen-Papa Chico trägt seine zwei Kinder huckepack durchs Geäst. Dank gleicher Fellfarbe sind die beiden Affenbabys gut getarnt. – Foto: Wilhelma / Hörner

Wie fast jedes Jahr haben die Zwergseidenäffchen der Wilhelma rechtzeitig vor Weihnachten wieder zwei kleine Geschenke beschert: Am 8. November kamen Zwillinge zur Welt. Da bereits die Eltern Chico und Ica echte Zwerge sind – schließlich gilt die Art als die kleinste unter den echten Affen – muss man die anfangs daumengroßen Zwergenkinder beinahe mit der Lupe suchen. Zu finden sind die tagaktiven Krallenäffchen aus Südamerika im Jungtieraufzuchthaus zwischen Amazonien- und Menschenaffenhaus.
Vier Tiere zählt der unbedarfte Betrachter auf den ersten Blick im Zwergseidenäffchen-Gehege. Aber was ist das? Eines der Äffchen sieht etwas unförmig aus, irgendwie – ausgebeult. Doch plötzlich bewegt sich eine der kleinen „Beulen“, bekommt Beine und einen Schwanz und schließlich taucht aus dem beige-gelb-grünlichen Fell ein winziges, zerknautschtes Gesicht auf. Jetzt erkennt man auch den zweiten kleinen Wicht im seidigen Fellkragen von Papa Chico. Denn er ist es, der seine beiden Jüngsten huckepack – eins vorn rechts, eins hinten links – spazieren trägt. Bei Zwergseidenäffchen ist Babysitting nämlich keinesfalls reine Frauensache. Immer nur das ranghöchste Weibchen pro Gruppe bekommt Nachwuchs, meist zweieiige Zwillinge, und bis auf das Säugen kümmert sich anschließend die ganze Familie um die Nesthäkchen. Oft reichen die Mütter die kleinen „Bälger“ sogar unmittelbar nach der Geburt an Papa und Co. weiter. Nicht so Ica, die seit 2011 die neue Frau an Chicos Seite ist: Sie zaudert immer ein wenig, bevor sie ihre Babys anderen anvertraut. Doch inzwischen scheint sie sich auf ihren erfahrenen Partner Chico voll und ganz zu verlassen. Der lebt seit 2001 in der Wilhelma und hat hier immerhin schon 22 Äffchen gezeugt, die letzten vier mit Ica. Ihre beiden Erstgeborenen, Emma und Emilia, sind inzwischen fast ein Jahr alt und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch sie als Babysitter einspringen. Bislang haben die beiden damit aber noch wenig am Hut. Lieber turnen sie kopfüber und kopfunter durchs Geäst, naschen Mehlwürmer und geben sich der gegenseitigen Fellpflege, dem „Grooming“, hin.
Dass sich bei Zwergseidenäffchen immer mehrere Verwandte um den Nachwuchs kümmern, das hat Mutter Natur schlau eingefädelt, denn dadurch steigen die Überlebenschancen der Kleinen. Gut behütet wachsen sie heran, bis sie ein Gewicht von etwa 140 Gramm und eine Körperlänge von rund 15 Zentimeter erreicht haben, der Schwanz misst bis zu 23 Zentimeter. Nach drei Monaten sind die Jungtiere entwöhnt, weitere drei Monate später kommen oft schon die nächsten Geschwister. Nach wenigen Wochen futtern die Kleinen bereits dasselbe wie die Eltern: In der Natur sind es Blüten, Früchte, Insekten und Spinnen, vor allem aber Baumsäfte. Um an diese heranzukommen, bohren die Äffchen mithilfe ihrer spitzen unteren Eckzähne Zapflöcher in die Rinde. In der Wilhelma ist ihr Menü ebenfalls abwechslungsreich: Süßer Akaziensaft, Heuschrecken und Mehlwürmer, Süßobst, Paprika, Tomaten und Sellerie stehen auf der Speisekarte. Serviert wird mehrmals täglich: Denn je kleiner das Tier, desto höher ist in der Regel der Energiebedarf pro Kilogramm Körpergewicht.

Quelle: PM Wilhelma