Wilhelma: Bei den Vikunjas hat sich Nachwuchs eingestellt

Das Vikunja-Fohlen Calimero ist am 22. August 2016 in der Wilhelma zur Welt gekommen. Foto: Wilhelma Stuttgart

Das Vikunja-Fohlen Calimero ist am 22. August 2016 in der Wilhelma zur Welt gekommen. Foto: Wilhelma Stuttgart

In der Wilhelma gibt es ein neues kleines Kamel. Wer danach bei den großen Trampeltieren am Schaubauernhof sucht, geht fehl. Das Fohlen findet sich – für manche Besucher überraschend – auf der Südamerika-Anlage. Denn außer den imposanten „Wüstenschiffen“ gehören auch die grazilen Vikunjas als Neuweltkamele zu den Verwandten von Dromedar & Co. Eine Schulterhöhe von gerade einmal einem Meter erreichen sie. Entsprechend ist ihr Nachwuchs besonders zierlich. Vor drei Wochen, am Montag, 22. August, kam im Zoologisch-Botanischen Garten in Stuttgart ein männliches Fohlen zur Welt. Calimero ist das achte Jungtier der Stute Lara. Sie kam 2003 aus dem Zoobotánico Jerez in der Nähe der südspanischen Hafenstadt Cadiz in die Wilhelma. Hengst Casper, der Vater des Fohlens, zog 2004 aus dem Münchner Tierpark Hellbrunn an den Neckar.

Weltweit bekannt sind die Vikunjas wegen ihres außergewöhnlich feinen Fells. Für die Tiere ist es Segen und Fluch zugleich. Weit oben in ihrem natürlichen Lebensraum, dem Hochland der Anden, schützt sie in 3500 bis 5500 Metern Höhe das dichte Fell vor kalten Bergwinden. Doch weil ihr Haar noch edler ist als das der Kaschmirziege, wurden die Vikunjas für die teuerste Wolle der Welt bis an den Rand der Ausrottung gejagt. Inzwischen trägt ihr begehrtes Vlies jedoch auch zu ihrem Überleben bei. So haben seit 1975 Schutzprogramme sowie eine sorgsame und nachhaltige Nutzung den Bestand auf mittlerweile wieder rund 200.000 Tiere ansteigen lassen. Da das Haarkleid nur sehr langsam wächst, treiben die Andenbewohner in einigen Landstrichen hierfür die wildlebenden Vikunjaherden auf traditionelle Art lediglich alle zwei Jahre zusammen, um sie zu scheren und wieder freizulassen. Die Schur bringt pro Tier gerade einmal 150 Gramm Wolle. Bei einem Marktwert von um die 500 Euro pro Kilo Wolle lohnt der Aufwand dennoch. Der Verkaufserlös bleibt bei diesen Projekten größtenteils vor Ort und erhöht damit das Interesse der Bevölkerung, die Vikunjas zu schützen.

In der Wilhelma ist diese Wildform der Andenkamele neben den Alpakas zu sehen. Diese Haustiere sind in den vergangenen Jahrtausenden von Viehzüchtern aus den Vikunjas domestiziert worden, um den Ertrag an Wolle zu steigern. Die Schur der Alpakas ergibt ein Vielfaches: pro Jahr und Tier fünf Kilo Wolle. Sie ist ebenfalls hochwertig, wenn auch nicht so edel wie bei den Vikunjas. In den benachbarten Gehegen sind Wild- und Haustierform gut zu vergleichen. Während die Vikunjas alle gleich gefärbt sind, nämlich unten weiß und oben in einem milden Goldbraun, gibt es die Alpakas in vielen kräftigen Farben: von schwarz, weiß über grau und beige bis zu dunkelbraun.

Quelle: PM Wilhelma