Wilhelma: Bonobo-Oma adoptiert Enkel

Foto: Wilhelma Stuttgart

Oma wird’s richten: Durch das Zusammentreffen mit seiner Großmutter Kombote in der Wilhelma hat ein kleiner Bonobo aus dem Zoo Frankfurt möglicherweise das große Los gezogen. Im Zoologisch-Botanischen Garten in Stuttgart bekommt Xhosa eine zweite Chance, unter seinesgleichen aufzuwachsen. Die ersten Schritte waren so vielversprechend, dass er ab jetzt auch für die Besucher zu sehen ist.

In den ersten acht Monaten seines Lebens hatte Xhosa viel Pech. Denn seine Mutter Kamiti, eine Tochter von Kombote, hatte zwar ihr vorheriges Kind problemlos angenommen, wollte aber ihren jüngsten Sohn partout nicht aufziehen. Nach sechs Tagen mussten die Frankfurter Tierpfleger den immer schwächer werdenden Säugling zu sich nehmen und mit der Flasche aufpäppeln. Sie haben alles versucht, ihn wieder seiner Mutter zurückzugeben, aber es hat nicht geklappt. In der großen Bonobo-Gruppe der Wilhelma besteht nun die Hoffnung, dass eines der Weibchen den Kleinen adoptiert. Aus diesem Grund empfahl das Europäische Erhaltungszuchtprogramm den Transfer nach Stuttgart.

Zum Beispiel wäre Haiba, die 2001 selbst im Zoo Frankfurt geboren wurde, eine gute Kandidatin. Für den ersten Kontakt setzten die Pfleger noch Kombote hinzu, die als Chefin in der Menschenaffen-Sippe das Sagen hat und für die Gruppendynamik entscheidend ist. Denn bei den Bonobos herrscht das Matriarchat. „Überraschenderweise war es dann aber die über 50 Jahre alte Kombote selbst, die das größere Interesse an Xhosa zeigte“, sagt Kuratorin Marianne Holtkötter. Dabei hat Kombote bereits Ururenkel und ist eigentlich längst von Mutterpflichten frei. Ganz behutsam nahm sie Kontakt mit Xhosa auf: Während er sich vorsichtig zurückhielt, erfand sie – statt ihn sofort anzufassen – einfühlsam verschiedene Arten, ihn zum Spielen aufzufordern. Revierleiterin Bea Jarczewski berichtet: „Kombote ist wirklich schon eine Seniorin, hier hat sie sich aber wie ein Kind verhalten. Sie ist mit dem Kopf nach unten auf Xhosa zugegangen, hat ihn mit einem Ball zum Spielen animiert oder sich auch mal ein Tuch über den Kopf gezogen, um ihn neugierig zu machen. Das Eis war gebrochen, als sie ihn geschickt mit einer Decke auf ihren Bauch zog, ihn hochhob und in der Luft strampeln ließ. Er schüttelte sich buchstäblich vor Lachen und ist seither in ständigem Körperkontakt zu seiner Oma.“

Die Kuratorin freut diese Entwicklung sehr. „Xhosa hätte nichts Besseres passieren können“, sagt Holtkötter. „Wenn ihn die Matriarchin in ihre Obhut nimmt, hat er einen guten Schutz in der Gruppe.“ Männchen haben bei den Bonobos einen schweren Stand und männliche Jungtiere ohne ihre Mutter in der Gruppe nichts zu melden. Für die Zukunft junger Affen, die aus der Handaufzucht kommen, ist es entscheidend, so früh wie möglich in eine Gruppe aufgenommen zu werden. Sonst lernen sie das arttypische Verhalten nicht und haben später Probleme, unter Artgenossen zurecht zu kommen. Daher beschränken die Pfleger den menschlichen Kontakt auf das Nötigste: Weil Kombote ihren Enkel nicht stillen kann, bringt sie Xhosa, wenn er Hunger hat, an den Gehegerand. Dort geben ihm die Pfleger das Fläschchen durch das Gitter. Ansonsten kann Xhosa jetzt ganz Bonobo unter Bonobos sein.

Quelle: PM Wilhelma Stuttgart