Wilhelma: Braun-Weißes Hinterwälder Kalb geboren

Foto: Wilhelma

Pünktlich zum Jahreswechsel 2013/2014 – am Sonntag, dem 29. Dezember 2013 – wurde in der Wilhelma ein weibliches Hinterwälder Rind geboren. Die Mutter Dori ist eine von derzeit vier Kühen dieser alten, wertvollen Nutztierrasse, die auf dem Schaubauernhof leben, und brachte ihr Kalb problemlos allein, aber unter den wachsamen Augen der Tierpfleger zur Welt.
Nicht nur Wildtiere sind vom Aussterben bedroht, sondern auch viele alte Nutztierrassen, darunter das Hinterwälder Rind. Denn gegen die Hochleistungsrinder der modernen Landwirtschaft hatte die mit einer Schulterhöhe von etwa 120 Zentimetern kleinste Rinderrasse Mitteleuropas kaum eine Chance. Anders als die im gesamten Schwarzwald weit verbreiteten Vorderwälder Rinder, waren Hinterwälder zudem seit jeher nur in einem kleinen Gebiet zwischen Feldberg und Belchen im Südschwarzwald zu finden. Für ein Leben in dieser bergigen Gegend sind die leichten Rinder jedoch wie geschaffen. Selbst steilste Berghänge sind für die Kletterkünstler kein Hindernis und mit der kargen Nahrung der Schwarzwälder Bergwiesen kommen sie ebenfalls problemlos zurecht.
Neben ihrer geringen Größe und ihrer Widerstandsfähigkeit zeichnen sich Hinterwälder Rinder durch eine recht hohe Lebenserwartung von 15 bis 18 Jahren aus. In der Regel bekommen die Kühe jedes Jahr ein Kalb. In der Wilhelma findet deren Zeugung allerdings ohne das aktive Zutun eines Bullen statt, die Kühe werden vom Tierarzt mit Tiefkühlsperma künstlich besamt – im Fall des jüngsten Kalbes stammte der Samen von einem Zuchtbullen namens „Flimmer“. Als „Personalausweise“ erhalten alle Hinterwälder Kälber, auch die der Wilhelma, kurz nach der Geburt die gelben Ohrmarken der Rinderunion Baden-Württemberg. Rund sechs Monate bleiben die Kälber bei ihren Müttern, bevor sie an einen anderen Züchter abgegeben werden.
Mit der Haltung bedrohter Nutztierrassen wie dem Hinterwälder Rind, aber auch dem Limpurger Rind und dem Schwäbisch Hällischen Schwein, hilft die Wilhelma zu verhindern, dass diese Arten von der Erde verschwinden. Im Jahr 2010 bekam sie dafür von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) den Titel „Arche-Park“ verliehen. Besonders im vergangenen Jahrhundert war die einstige Vielfalt regionaler Rassen stark zurückgegangen. Beim Hinterwälder Rind verläuft die Nachzucht jedoch glücklicherweise sehr erfolgreich, rund 4500 Vertreter gibt es heute wieder in Deutschland und in der Schweiz. Vermutlich auch deshalb, weil das Fleisch dieser Rasse bei Gourmets mittlerweile sehr beliebt ist und sich aus der Milch hervorragender Käse herstellen lässt.

Quelle: PM Wilhelma