Wilhelma: Das Giraffenmädchen Anna ist da

Foto: Wilhelma

Nach dreijähriger Babypause kam bei den Netzgiraffen am frühen Morgen des 17. Februar
wieder ein Jungtier zur Welt – ein Mädchen, das die Pfleger „Anna“ tauften. Seine Mutter
ist die elfjährige Kitale, sein Vater der 13-jährige Wilhelma-Zuchtbulle Hanck.
Morgens kurz nach 6.45 Uhr waren erstmals ihre Vorderfüße und die Nase zu sehen – und schon
rund eine halbe Stunde später, um 7.20 Uhr, war Anna auf der Welt. Im halbstündigen Takt machte
sie von nun an Fortschritte: Um 8.00 Uhr stand sie erstmals auf allen Vieren, um 8.35 Uhr trank sie
die ersten Schlucke aus Mamas Milchquelle, um 9.00 Uhr stakste Klein Anna bereits munter umher.
Um 9.40 Uhr schließlich – so verrät der Geburtsbericht der Tierpfleger weiter – wird der kleine
Neuankömmling von der übrigen Herde begutachtet und „begrüßt“. Der Rest der ersten Lebenswoche
verlief dann ruhig, unspektakulär – und unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Damit Kitale und ihr
Nachwuchs ungestört ihre Mutter-Kind-Bindung festigen können, blieb das Giraffenhaus einige Tage
geschlossen. Doch inzwischen ist die hübsche Anna auch für die Besucher zu sehen.
In seiner ersten Lebenswoche hat sich das Giraffenmädchen prächtig entwickelt. Nicht nur ihrem
Namen, der „anmutig“ bedeutet, macht Anna alle Ehre. Sondern sie ist auch äußerst aufgeweckt,
neugierig und wenig schüchtern: Aus einer für ihr zartes Alter beachtlichen Höhe von 1,70 Metern
blickt sie in die Welt und findet sie offenbar ziemlich spannend – selbst dem fremden Fotografen
näherte sie sich unerschrocken und versuchte, die Kamera abzuschlecken. Die nötige
Selbstsicherheit vermittelt ihr in allen Lebenslagen natürlich Mama Kitale, die wie alle Giraffenmütter
gewissenhaft über ihren Nachwuchs wacht. Kommt man ihrer Kleinen zu nahe, schnaubt sie warnend.
Hilft das nichts, schreitet sie entschlossen auf den Störenfried zu – und bei fast viereinhalb Metern
Gesamthöhe kann man durchaus von einer beeindruckenden Drohkulisse sprechen. In der Wildbahn
ist dieser ausgeprägte Beschützerinstinkt dringend nötig. Sobald die Kälber aus zwei Metern Höhe ins
Leben geplumpst sind – denn ihre Mütter gebären stehend – droht höchste Gefahr. Den Sturzflug und
die Landung selbst überstehen die Jungtiere zwar stets schadlos. Doch müssen sie schnellstmöglich
auf die Beine kommen, damit Jäger wie Löwen, Hyänen und Co. ihre hilflose Lage nicht schamlos
ausnutzen und sich den Leckerbissen unter die Kralle reißen. Allerdings sollten sich sogar diese
Räuber vor den kräftigen Hufen einer wütenden Giraffenkuh in Acht nehmen. Selbst im Zoo bleiben
Giraffenmütter immer auf der Hut – auch Kitale. Doch lässt sie es bei ihrem vierten Jungtier schon
deutlich entspannter angehen. Vermutlich spürt sie, dass die Überlebenschancen ihrer Tochter hier
viel besser sind als in der Wildbahn: Dort erreichen 50 bis 75 Prozent der Giraffenkinder nicht einmal
ihr erstes Lebensjahr. Das einzige Mittel, um möglichst schnell dem „Leichte-Beute-Schema“ der
Raubtiere zu entwachsen: rasch an Höhe gewinnen. Rund 0,3 Zentimeter legt ein Giraffenkind daher
pro Tag zu, einen Meter im ersten Jahr. Damit jede Kalorie ins Wachstum investiert werden kann, sind
Giraffen relativ ruhige Kinder, die wenig umhertollen. Und selbst die aufgeweckte Anna gönnt sich
somit immer wieder eine schöne lange Siesta …

Quelle: PM Wilhelma