Wilhelma: Eisbärin Corinna mit 28 Jahren gestorben

Corinna, die betagte Eisbärin der Wilhelma in Stuttgart, ist am Samstagmorgen gestorben. Unerwartet kam nicht ihr Tod, jedoch der Zeitpunkt. Unter Artgenossen zählen ihre 28 Jahre bereits als hohes Seniorenalter. Zuletzt hatte der Publikumsliebling vermehrt Anzeichen von Altersgebrechen gezeigt, wie einen teilweisen Muskelabbau. „Ihr Lebensabend hatte sich schon abgezeichnet“, sagte Dr. Ulrike Rademacher, die Raubtier-Kuratorin der Wilhelma. „Trotzdem ist es traurig, wenn ein Tier, das wir lange begleitet haben, letztlich doch so plötzlich stirbt.“ Nach ersten Ergebnissen der Obduktion erlag die Eisbärin einem Lebertumor. Nähere Laborbefunde werden in den kommenden Wochen erwartet.

Corinna steht für fast drei Jahrzehnte Wilhelma-Geschichte. Sie war 1989 im Zoo Kopenhagen geboren worden und 1990 in die Wilhelma gekommen. Sie bildete ein harmonisches Paar mit dem Eisbären Anton, mit dem sie bis zu dessen Tod 2014 zusammenlebte. Am 10. Dezember 2007 brachte sie Wilbär zur Welt. Ein Jahr nach dem Medienwirbel um Eisbär Knut, der im Zoo Berlin von Hand aufgezogen werden musste, stand Wilbär genauso wie das gleichaltrige Eisbär-Mädchen Flocke im Tiergarten Nürnberg im Blickpunkt bundesweiter Aufmerksamkeit und trug zu einem Besucherrekord im Zoologisch-Botanischen Garten in Stuttgart bei. Corinnas einziger Nachwuchs lebt heute im Orsa-Raubtierpark im schwedischen Dalarna. Nach dem Tod ihres Partners Anton stellte die Wilhelma der Eisbärdame 2014 und 2015 jeweils einen „Sommergast“ zur Seite: Yoghi aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn beziehungsweise Felix aus dem Tiergarten Nürnberg. In ihren Heimatzoos hatten sie damals Nachwuchs gezeugt und waren für eine Saison in die Sommerfrische geschickt worden, um den Müttern und Jungtieren Ruhe zu verschaffen. Corinna zeigte in ihrem fortgeschrittenen Alter jedoch kein Interesse mehr an den paarungswilligen Eisbärmännern. Aus diesem Grund hatte sich die Wilhelma danach entschlossen, für sie keine weiteren Partner nach Stuttgart zu holen, sondern sie ihren „Ruhestand“ in Abgeschiedenheit verbringen zu lassen. Das ist für Eisbären, die von Natur aus Einzelgänger sind und sich nur zur Paarung treffen, keine Einschränkung, sondern artgemäß.

Wohin der letzte Weg für Corinna führt, steht noch nicht fest. „Wir prüfen, ob Universitäten, Museen oder unsere Zooschule Verwendung für den Kadaver haben“, sagte Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin. „Wir versuchen immer, zumindest einen Nutzen für die Wissenschaft, Lehre oder Bildung zu erreichen, wenn der Verlust eines markanten Tieres zu verzeichnen ist.“ Zudem steht die Wilhelma im Kontakt mit dem Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für Eisbären, um die weiteren Perspektiven zu besprechen.

Quelle: PM Wilhelma Stuttgart