Wilhelma: Florierende Poitouesel-Zucht auf dem Schaubauernhof

Foto: Wilhlema

Die Zucht der bedrohten Poitouesel hat in der Wilhelma mittlerweile Tradition. Seit 1993 gibt es
diese Riesenesel mit dem kastanienbraunen, zotteligen Fell auf dem Schaubauernhof zu
bewundern. Regelmäßig sorgen sie für Nachwuchs und leisten damit einen wichtigen Beitrag
zum Erhalt ihrer Rasse. So kam in diesem Jahr, ausgerechnet am 1. April, das Hengstfohlen
Dominique zur Welt. Er ist aber nicht der einzige Neuzugang bei den aus Frankreich
stammenden Eseln. Die erstklassige Zuchtstute mit dem adelig klingenden Namen „Aleboune
du Genet“ bringt frischen Wind und vor allem frisches Blut in die Herde der Wilhelma.
Wie alle Eselfohlen, so verzaubert auch der kleine Dominique mit seinen großen Ohren, den
zierlichen Beinen und der weißen Schnauze derzeit Besucher und Tierpfleger. Er ist das 21. Fohlen,
das in der Wilhelma geboren wurde, seine Mutter ist die mittlerweile 18-jährige Stute Hamrah.
Insgesamt umfasst die Herde derzeit sechs Tiere. Dominiques Vater Nepomuk steht dabei meistens
abseits und abgetrennt von den Stuten und beobachtet seine kleine Herde aufmerksam. Bis
Dominique die stattliche Größe seines Vaters erreicht, wird noch etwas Zeit vergehen. Poitouesel
werden nicht umsonst mitunter auch als „Riesenesel“ bezeichnet. Sie können eine Schulterhöhe von
bis zu 1,5 Meter erreichen und bis zu 450 Kilogramm schwer werden.
Seit dem 10. Jahrhundert ist diese Eselrasse aus dem Westen Frankreichs bekannt. Sie wurde
ausschließlich zur Zucht von Maultieren gebraucht. Aus ihrer Kreuzung mit großen Kaltblutpferden
gingen kräftige und widerstandsfähige Maultiere hervor, die in der Landwirtschaft und als
Transporttiere beim Militär eingesetzt wurden. Der Bedarf an Maultieren ging mit dem Aufkommen
von Maschinen in der Landwirtschaft allerdings drastisch zurück und damit auch der Bestand der
Poitouesel. Bis auf 44 Tiere war er in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts gesunken. Heute gibt
es wieder über 450 Tiere, die im Zuchtbuch in Frankreich erfasst sind. Als in ihrem Bestand gesichert
kann die Rasse trotzdem noch nicht gelten. Zudem gab es erstklassige „Baudet du Poitou“, wie die
Rasse offiziell heißt, bisher fast ausschließlich in Frankreich. Um erstklassig zu sein, sprich zum so
genannten „Livre A“ zu gehören, muss ein Poitouesel einen einwandfreien Stammbaum haben, der
sich bis mindestens zur siebten Generation zurückverfolgen lässt. Dank der langen und guten
Zusammenarbeit mit dem französischen Zuchtverband ist es nun der Wilhelma gelungen, eines dieser
hochklassigen Tiere nach Stuttgart zu holen: die von den Pflegern kurz „Allie“ genannte Stute. Ihr
offizieller Zuchtbuch-Name lautet „Aleboune du Genet“, wobei „Aleboune“ im Altfranzösischen „sie ist
gut“ bedeutet. Bleibt also zu hoffen, dass ihr Name Programm ist, sie der Wilhelma-Zucht der
bedrohten Haustierrasse Auftrieb verleiht und Dominique bald viele weitere Fohlen folgen werden.

Quelle: PM Wilhelma