Wilhelma: Geburt von sieben Zicklein bei Steinböcken und Schraubenziegen

Zoonews NewsKaum zu glauben, dass sie erst einige Tage alt sind: Die drei Steinbock-Zicklein in der Wilhelma tollen bereits über Stock und Stein. Mit dem Wagemut der Jugend setzen sie zu kühnen Sprüngen an. Noch fehlt dem am 10. und 19. Juni 2016 geborenen Trio die letzte Trittsicherheit. Doch zeigt es bereits großes artistisches Geschick und balanciert auf oft nur fingerdicken Vorsprüngen. Stürze, die nicht ausbleiben, federn die dünnen Beinchen gekonnt ab. „Das ist nur der Anfang“, sagt Revierleiter Jürgen Deisenhofer. „Wenn die Kleinen etwas älter werden, scheint die Physik keine Grenzen mehr zu haben. In ein paar Wochen klettert der Nachwuchs praktisch die glatte Wand hoch und runter.“ Dabei helfen ihnen gespaltene Hufe, deren beiden Zehen sich einzeln bewegen. So passt sich der Huf jeder Unebenheit an. Scharfe verhornte Schalenränder geben ihm Festigkeit, gummiartige Innenballen sorgen für Bodenhaftung.

Geboren wurden die Zicklein von drei verschiedenen Müttern. Die quicklebendige Rasselbande betreut aber immer nur eine Geiß. „Das funktioniert wie ein Kindergarten“, erklärt Deisenhofer. „Eine Geiß passt auf, während die anderen Zeit zum Fressen haben. Das klappt in der Natur bei bis zu zehn Jungtieren. Dabei muss die Geiß dort den Nachwuchs auch noch vor Adlern schützen.“ Von Zeit zu Zeit nehmen Tiere aus dem Zoologisch-Botanischen Garten in Stuttgart an einem Wiederansiedlungsprojekt teil. In den Alpen waren die Steinböcke Anfang des 19. Jahrhunderts bis auf zirka 100 Tiere ausgerottet. Durch die Nachzucht in Zoos und die Auswilderung gelang dank strenger Schutzmaßnahmen, dass heute in den Alpen wieder 30.000 bis 40.000 Steinböcke leben. In der Wilhelma wurden seit 1964 mehr als 110 Tiere geboren. Manches dieser Böckchen und Geißlein wurde in den Alpen ausgewildert.

Sehenswert ist auch der „Kinderhort“ nebenan: Gleich vier Zicklein machen ihre Kletterversuche bei den Markhoren. Auch diese Verwandten der Steinböcke leben in felsigen Höhen bis zu 3600 Metern. Ihre Heimat zieht sich von Afghanistan bis Indien in den Hochgebirgen von Hindukusch, Karakorum und Himalaya. Sie werden auch Schraubenziegen genannt wegen ihrer gewundenen Hörner. Diese können bei Böcken eine imposante Länge von 1,60 Metern erreichen. Markhore sind so geschickt, dass die Kleineren und Leichteren unter ihnen sogar im Geäst von Sträuchern und niederen Bäumen klettern, um an deren Laub zu kommen. Die Jagd und die Zerstörung ihres Lebensraums haben die Schraubenziegen inzwischen an den Rand der Ausrottung gebracht wie einst die Steinböcke in den Alpen. Deshalb setzt die Wilhelma die Nachzucht der Markhore fort.

Quelle: PM Wilhelma