Wilhelma: Jungtier bei den Klammeraffen

Foto: Wilhelma Stuttgart / Inga Dauter

Früh übt sich, wer ein Meister im Klettern und Schwingen werden will. Für den kleinen Klammeraffen der Wilhelma in Stuttgart bedeutet das in seinen ersten Lebenswochen vor allem eines: kräftig festhalten. Tolga heißt das Jungtier, das am 1. Februar zur Welt kam. Aufgrund der meist frostigen Temperaturen war es bisher nur selten zu sehen. Mit dem Einzug des Frühlings in den Zoologisch-Botanischen Garten genießt die Klammeraffen-Familie nun gemeinsam die wärmende Sonne in ihrem Klettergarten.

Der jüngste Spross zeigt sich dabei noch anhänglich. Fest klammert sich Tolga an den Bauch seiner Mutter Siesta, während sie sich geschickt von Seil zu Seil hangelt. Mit ihren schlanken Körpern und sehnigen Gliedmaßen sind die Goldstirn-Klammeraffen perfekt an ein Leben in luftiger Höhe angepasst. Ihre Heimat liegt in den tropischen Regenwäldern Kolumbiens und Venezuelas, wo sich die Primaten elegant durch die Baumkronen schwingen. Der Daumen, der beim Hangeln eher stört als nützt, ist bei den Klammeraffen stark zurückgebildet. Als Balancierstange und Anker dient ihnen ihr langer, sensibler Schwanz. Dessen unbehaarte Unterseite ist mit einer empfindsamen Tasthaut ausgestattet und kann somit wie eine zusätzliche Hand beim Klettern und Greifen eingesetzt werden. Das kann man sogar schon bei dem kleinen Tolga beobachten. „Das Jungtier wickelt seinen Klammerschwanz als Absturzsicherung immer um den Schwanz seiner Mutter“, erklärt Tierpflegerin Thali Bauer. „Auch die Mütter selbst lassen sich häufig nur am Schwanz von Ästen baumeln. So haben sie die Hände frei, können sich um ihr Jungtier kümmern und gleichzeitig fressen.“ Darin hat die 28-jährige Siesta reichlich Übung, immerhin ist es für sie bereits der zwölfte Nachwuchs. „Siesta ist eine erfahrene Mutter und hat auch auf ihre alten Tage wirklich sehr viel Freude mit dem kleinen Tolga“, erzählt Bauer. „Auch dem Vater Beppo mit seinen 35 Jahren tut der Kleine noch einmal gut, denn die männlichen Tiere bilden häufig enge Freundschaften.“ Während sich der weibliche Nachwuchs nach spätestens fünf Jahren in der Regel anderen Artgenossen anschließt, bleiben die Männchen meist ihr ganzes Leben lang Teil ihrer Geburtsgruppe.

In den ersten Monaten trägt allerdings zunächst Siesta die Verantwortung für das Jungtier, unterstützt von Weibchen Fudge, die ebenfalls zur der kleinen Familie gehört. Etwa ein Jahrlang wird der Nachwuchs gesäugt, nach zwei Jahren ist er selbstständig. Aus dem Schutz seiner Mutter wird sich Tolga erst in einigen Monaten begeben, wenn er beginnt, seine artistischen Fähigkeiten auf eigene Faust zu erproben. Bis dahin muss man noch ein wenig genauer hinschauen, um den Zwerg zu entdecken. Mit seinem silbergrauen Haarkleid ist er an Siestas Bauch perfekt getarnt. Das kleine Klammeräffchen ist daher meist nur an seinem hellblauen Augenpaar zu erkennen, das neugierig zwischen den mütterlichen Armen hervorspäht.

Quelle: PM Wilhelma Stuttgart