Wilhelma: Jungtiere bei Alpakas und Vikunjas

Alpaka und Vikunja - Foto: Wilhelma

Alpaka und Vikunja – Foto: Wilhelma

Zuwachs in der Südamerika-WG:
Wollige Kleinkamele in Schwarz-Weiß und Beige

Die Wohngemeinschaft der südamerikanischen Wilhelma-Tiere hat Zuwachs bekommen: ein Alpaka– und ein Vikunja-Fohlen. Verspielt wie alle Fohlen sind, bringen sie neuen Schwung in die WG und selbst die erwachsenen Tiere mitunter ganz schön auf Trab. Und bei beiden Arten ist in den nächsten Wochen mit je einem weiteren Nachkommen zu rechnen.

Normalerweise bewohnen die Vikunjas zwar ein eigenes Gehege. Da dieses aber saniert wird, leben die Stuten und ihr Nachwuchs derzeit noch in der großen „Südamerika-WG“ zusammen mit 15 Alpakas, zwei Nandus, drei Pampashasen und zwei Ameisenbären. Was wunderbar klappt, solange kein Hengst dabei ist. Bei den Alpakas ist das ohnehin selten der Fall: Hier verweilt kein Hengst dauerhaft bei der Herde, sondern der genetischen Vielfalt wegen sorgt jedes Jahr ein anderer für Nachwuchs. Letztes Jahr übernahm diesen Teilzeitjob Chulo, der einem Privathalter in Backnang gehört, und zeugte mit der Stute Susi unter anderem den im April geborenen, schwarz-weißen Rito. Bei den Vikunjas dagegen ist der Hengst Caspar normalerweise fester Teil der Herde. Als solcher ist er ebenso Vater des 2013 geborenen Stutfohlens Marie wie von Laras jüngstem Sohn Fidi, der Ende März zur Welt kam. Aktuell lebt Caspar in der Wilhelma-Außenstation Tennhof, wird aber voraussichtlich im Juli auf der frisch sanierten Vikunja-Anlage wieder mit seiner Herde vereint sein.

Sowohl Vikunjas als auch Alpakas gehören zu den Kleinkamelen und stammen aus dem südamerikanischen Andenhochland – wobei Vikunjas eine Wildform und die Alpakas als Haustierform quasi „die Schafe Südamerikas“ sind. Schon die Inkas züchteten sie vor mehreren tausend Jahren wegen ihrer weichen, warmen Wolle. Als die spanischen Eroberer echte Schafe ins Land brachten, wurde das Alpaka bald nur noch als Nutztier der armen indianischen Einwohner betrachtet und immer seltener. Erst das unabhängige Südamerika besann sich auf ihren Wert und belebte die Zucht neu. Heute gibt es mehrere Millionen Alpakas in Peru, Bolivien und Chile. Wie auch die Wilhelma-Herde anschaulich zeigt, liefern die Tiere Wolle in allen Farbvarianten und -kombinationen aus Weiß, Braun, Beige, Grau und Schwarz. Wie Schafe werden auch Alpakas einmal im Jahr geschoren und liefern bis zu sechs Kilo Wolle pro Tier und Schur. Im Fall der Wilhelma-Alpakas werden aber keine Pullover oder Mützen daraus gestrickt. Vielmehr profitieren die anderen Zootiere davon: In den Vogelrevieren dient es als Nistmaterial, bei den Raubkatzen zur Beschäftigung. Und falls etwas übrig bleibt, wird es in der Wilhelmaschule oder am Wilhelma-Tag mit Kindern „verbastelt“.

Noch wertvoller als die Wolle der Alpakas ist die der Vikunjas – sie gilt bis heute als die teuerste der Welt. Ein Alpakamantel symbolisierte schon bei den Inkas Wohlstand, aber die noch feinere Vikunja-Wolle war allein den Herrschern vorbehalten. Und fast wären die Vikunjas wegen der kostbaren Fasern ausgerottet worden. Denn während die Inkas die Tiere nur zu bestimmten Zeiten für die Schur zusammentrieben und lediglich überzählige Hengste töteten, gingen die spanischen Eroberer in der Gier nach Fell und zartem Fleisch sehr maßlos zu Werk. Heute streift die Art dank frühzeitiger strenger Schutzmaßnahmen wieder in den Anden bis in Höhenlagen bis 5500 Meter umher, doch ganz unterbinden lässt sich die illegale Jagd auf sie bis heute nicht.

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Quelle: PM Wilhelma