Wilhelma: Nachwuchs bei den Goldstirnklammeraffen

Foto: Wilhelma

Zwei kleine Klammeraffen vergrößern die Affenbande auf der Affeninsel gegenüber des alten Menschenaffenhauses: ein Junge namens Itsch und ein Mädchen namens Paru. Der bereits Ende Januar vom Affenweibchen Siesta geborene Itsch ist dabei inzwischen groß und aktiv genug, um von den Besuchern sofort entdeckt zu werden. Die erst einen Monat alte Paru dagegen klammert sich nach Art aller kleiner Klammeraffen noch fest an den Bauch ihrer Mutter Sophie und ist daher leichter zu übersehen.
Meister im Klammern – das müssen kleine Klammeraffen schon von ihrer Geburt an sein. Für sie ist sie überlebenswichtig, denn Abstürze können fatal enden, vor allem wenn sie aus den Wipfeln hoher Urwaldriesen erfolgen. Zudem sind die Baumakrobaten mit dem langen Greifschwanz oft sehr schwungvoll unterwegs – ob in ihrer Heimat, dem südamerikanischen Dschungel, oder in ihrem Kletterparcours in der Wilhelma. Der Schwanz mit der haarlosen, lederartigen Innenfläche an der Spitze ist dabei ihre fünfte Hand: Diese leistet beim Ausbalancieren größerer Sprünge ebenso gute Dienste wie als Greifwerkzeug und Sicherheitsleine, die sich schnell und fest um jeden Ast wickeln lässt. Selbst die Kleinsten setzen den Schwanz schon eifrig ein, um in jeder Lage fest mit Mama verbunden zu bleiben: Dazu winden sie ihn als zusätzlichen Klammerhaken hinten um den mütterlichen Schwanzansatz. Während die kleine Paru diese Technik noch intensiv anwendet und sich auf ihre Rolle als Klette konzentriert, ist Itsch schon weiter: Er löst sich auch schon mal aus der Umklammerung, wechselt die Position und reitet bei Mama auf dem Rücken. Einige Lebensmonate und Trainingseinheiten später werden aber sicher beide mit den anderen Artisten auf der Anlage mithalten können: Neben den Müttern Sophie und Siesta leben hier Vater Beppo, die Weibchen Fudge und Speedy sowie ältere Geschwister und Halbgeschwister von Itsch und Paru – elf Tiere gehören derzeit zur Goldstirnklammeraffenbande.
Im Englischen heißen Klammeraffen wegen ihrer langen, sehnigen Gliedmaßen – wobei die Arme deutlich länger sind als die Beine – übrigens „Spinnenaffe“. Die indigenen Ureinwohner dagegen nennen die Tiere wegen ihrer langen Hände und der, bis auf den weit zurückgebildeten Daumen, extrem langen Finger „Maquisapa“, was „Langhandaffe“ bedeutet. Den Namenszusatz „Goldstirn“ verdankt die in der Wilhelma lebende Unterart wiederum dem hellen Dreieck auf der Stirn, das bei jedem Tier anders aussehen oder ganz fehlen kann. Bei Jungtieren wie Itsch und Paru sucht man den Fleck ohnehin noch vergeblich. Rund ein Jahr werden sie gesäugt, mit rund zwei Jahren sind sie selbstständig. Im Zoo werden Klammeraffen bis zu 35 Jahre alt, in der Natur verhindern Raubtiere und Menschen ein so hohes Alter. Da obendrein ihr Lebensraum, der Regenwald Venezuelas, Kolumbiens, Ecuadors, Perus und Brasiliens, zunehmend den Motorsägen zum Opfer fällt, ist ihr Bestand gefährdet.

Quelle: PM Wilhelma, Stuttgart