Wilhelma: Nachwuchs bei den Haubenlanguren

Foto: Wilhelma

Die Zucht der in der Natur bedrohten Haubenlanguren ist eine echte Erfolgsgeschichte in der Wilhelma. Mit der jüngsten Geburt im Dezember hat sich ihre Zahl von fünf auf zehn Tiere in nur zwei Jahren verdoppelt. Doch zählen sie eher zu den stillen Stars im Zoologisch-Botanischen Garten in Stuttgart. Manch ein Besucher hat gar keine Vorstellung von ihnen, wenn er ihren Namen hört. Still zudem, weil die Akrobatik der Gibbons im Außengehege des gemeinsamen Schwingaffenhauses viele Blicke auf sich zieht, aber deutlich weniger Zuschauer in das Gebäude auch hineingehen.

Doch drinnen geht es äußerst lebhaft zu. Die indonesischen Schlankaffen selbst sind alles andere als still – gerade mit ihrer Krabbelgruppe, die auf nun fünf Jungtiere, die maximal zwei Jahre alt sind, angewachsen ist. Eigentlich müsste es Kletter- und Hüpfgruppe heißen, denn die Kleinen hangeln und springen, baumeln und schaukeln, was das Zeug hält: also was die Bretter, Seile, Stangen und Tücher des vielseitigen Mobiliars aushalten. Nur der Säugling Thumbi ist mit seinen drei Wochen noch zaghafter. Ihre Schwester Malana, die am 23. Dezember vor zwei Jahren den Babyreigen begonnen hatte, hilft beim Tragen des Babys, wenn Mutter Kandra einmal fressen muss. Bei Haubenlanguren, die den Namen wegen ihrer ulkigen „Punkfrisur“ tragen, ist es üblich, dass andere Weibchen der Sippe sich an der Aufzucht beteiligen. Dies klappt hier gut, seit sie praktisch parallel Nachwuchs haben: Amoli brachte im Februar 2016 Tochter Jaree und im März 2017 Sohn Nibori zur Welt. Anuk gebar im Oktober 2016 Sohn Akito. Die jungen Mütter sind acht bis zehn Jahre alte Halbschwestern. Geesa, die Mutter von Anuk und Oma von Akito, ist mit 21 Jahren eine reifere Affendame.

Thumbi ist in dem ganzen Trubel leicht auszumachen. Sie hat wie alle Neugeborenen dieser Art von Primaten anfangs ein Fell in strahlendem Goldorange. Später entwickelt sich daraus entweder ein rotes oder schwarzes Haarkleid. Dass bei Haubenlanguren beide Geschlechter in diesen unterschiedlichen Färbungen auftreten, macht sie zu etwas Besonderem. An der Schwanzspitze ist zuerst abzulesen, welche Variante es letztlich sein wird. So wissen die Pfleger schon, dass Goldköpfchen Thumbi nicht wie Schwester Malana als Rotschopf nach ihrer Mutter Kandra schlägt, sondern auf ihren schwarzhaarigen Vater Miyagi kommt. Er ist der männliche Hauptdarsteller der Erfolgstory. Sein Vorgänger Subash stammte aus Singapur und hatte als Vater von Kandra, Amoli und Anuk wertvolle Gene in die Zucht eingebracht. Deren Fortbestand sichert nun der 2014 aus dem Tierpark Port Lympne bei Dover (England) in die Wilhelma gewechselte Miyagi, der sich für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm erfreulicherweise mit inzwischen fünf Jungtieren als sehr fruchtbar erweist.

In ihrem ursprünglichen Lebensraum, dem östlichen Java, haben sich die Haubenlanguren sehr stark auf das Laub der Mangroven- und Küstenwälder als Nahrungsquelle eingestellt. Der Rückgang der Wälder bedroht daher ihr Überleben ernsthaft. Auch in Zoos sind sie selten. In Deutschland kann man diese originellen Affen außer in Stuttgart nur in den Zoos von Köln und Berlin sehen.

Quelle: PM Wilhelma