Wilhelma: Nachwuchs bei Springtamarinen und Zwergseidenäffchen

Foto: Wilhelma Stuttgart / Inga Dauter

Seit knapp einem Jahr teilen sich die Springtamarine  mit den Zwergseidenäffchen eine Anlage im ehemaligen Menschenaffenhaus der Wilhelma in Stuttgart. Während die Springtamarine leichtfüßig von Ast zu Ast hüpfen, huschen die Zwergseidenäffchen pfeilschnell zwischen dunkelgrünen Blättern hindurch. Zum ersten Mal ziehen sie nun zur gleichen Zeit ihren Nachwuchs auf. Anfang September kam bei beiden Krallenaffen-Arten jeweils ein Jungtier zur Welt.

Erst bei genauerem Hinschauen erkennt man die glänzenden Knopfaugen, die aus dem tiefschwarzen Haarkleid von Springtamarin-Weibchen Brava hervorlugen. Der Sprössling klammert sich noch fest an seine Mutter und scheint mit ihrem dichten Rückenfell zu verschmelzen. Erst mit etwa acht Wochen startet es die ersten selbstständigen Kletterversuche. Im Allgemeinen werden bei den meisten Krallenaffen die Jungtiere bis dahin von ihren Familien durch die Baumkronen chauffiert. „Die Mutter hat ihren Nachwuchs typischerweise nur kurze Zeit bei sich“, erklärt Tierpfleger Thomas Rapp. „Sie gibt es erst an den Vater ab, später dürfen auch die Anderen aus der Gruppe das Kleine tragen. Dann wird sozusagen durchgewechselt. Bei den Springtamarinen dagegen kümmert sich in den ersten Wochen vor allem das Weibchen um den Nachwuchs. Mutter Brava behält ihren Schützling somit lieber noch bei sich.

Zwergseidenäffchen Ica allerdings konnte bereits nach einem Tag Nachwuchs und Verantwortung an ihren Partner abgeben. Auch die älteren Jungtiere betrachten den Zwerg schon mit Neugier. „Die größeren Geschwister bleiben etwa zwei Jahre in der Gruppe“, erläutert Rapp. „Es ist wichtig, dass sie sehen, wie ein neues Jungtier aufgezogen wird. Nur so können sie es später auch selbst.“ Dass die eine oder andere Übungsstunde tatsächlich noch notwendig ist, lässt sich nicht überhören: Ist der jüngste Spross unzufrieden, ruft er durch Geschrei seine Mutter auf den Plan. Wenn er sich nicht gerade lautstark bemerkbar macht, ist der Winzling allerdings nur mit Geduld zu entdecken. Die ausgewachsenen Zwergseidenäffchen erreichen maximal 15 Zentimeter Körperlänge und sind damit die kleinsten Affen. Nur 15 Gramm wiegt ein Jungtier bei seiner Geburt.

Vom Gezeter des Zwergseidenäffchens lassen sich die Springtamarine allerdings nicht stören. Die beiden Familien gehen sich lieber aus dem Weg. Vor allem die älteren Affen, die nicht gemeinsam aufgewachsen sind, suchen kaum den Kontakt zueinander. Bei den beiden Neuzugängen könnte das wiederum ganz anders aussehen. „Die Tiere, die in die gemischte Gruppe hineingeboren wurden, sind schon mutiger“, meint Thomas Rapp. „Sobald die Kleinen selbstständig unterwegs sind, werden sie sich sicherlich miteinander beschäftigen. Sie sind ja sozusagen auch Einzelkinder.“ Wenn sich die beiden sympathisch sind, jagen sie demnächst vielleicht gemeinsam durch die Wipfel. So schnell, dass man wiederum ein wenig genauer hinschauen muss.

Quelle: PM Wilhelma Stuttgart