Wilhelma: Neuer Zuchterfolg bei den seltenen Okapis

Foto: Wilhelma

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Erneute Freude im Giraffenhaus der Wilhelma: Wie bei der viel beachteten öffentlichen Geburt der Netzgiraffe Dschibuto Ende Januar kam jetzt auch eine kleine Waldgiraffe am späten Samstagnachmittag im Beisein der Tierpfleger auf die Welt. Damit Okapi-Kuh Ibina und ihr Kälbchen in Ruhe eine gute Bindung aufbauen können, ist das Haus seither geschlossen. Morgen am Mittwoch, 24. Juni, wird das Giraffenhaus für die Besucher wieder geöffnet werden. Sollten Mutter oder Kind unruhig werden, wird das Haus stundenweise geschlossen.

Es ist nicht garantiert, dass sich das Jungtier den Besuchern gleich zeigt. Denn Okapi-Kälber sind so genannte Ablieger. Sie folgen ihrer Mutter nicht auf Schritt und Tritt. Die ersten Wochen kauern sie sich an einem geschützten Ort auf den Boden und verhalten sich still, um nicht von Fressfeinden entdeckt zu werden. Die Mutter kommt nur zweimal am Tag zum Versteck, um das Kalb zu säugen. Das Jungtier hat in der Wilhelma die Wahl zwischen drei Boxen, von denen eine für die Besucher einsehbar ist. An welcher Stelle das Jungtier sich endgültig ablegen wird, entscheidet sich in den nächsten Tagen.

Die scheuen Okapis stammen aus dem Kongo, wo sie anders als Netzgiraffen nicht in der offenen Savanne leben, sondern im Schutz des tropischen Waldes. Obwohl sie zu den Giraffen zählen, haben sie keinen besonders langen Hals. Da sie sich ausschließlich von Laub ernähren, haben sie aber genau wie die Langhalsgiraffen die typische bewegliche Greifzunge. Damit zieht das Okapi Äste heran und streift das Laub ab. Die bläuliche Zunge wird bis zu 40 Zentimeter lang und ist auch nützlich bei der Fellpflege. Okapis erreichen damit fast jede Stelle ihres Körpers und können sich mit der Zunge sogar ihre eigenen Augenlider putzen.
Der Bestand in der freien Wildbahn wird auf 20.000 bis 30.000 Okapis geschätzt. Er geht stark zurück. In ihrem Hauptverbreitungsgebiet, dem Ituri-Wald im krisengeschüttelten Zentralafrika, hat sich der Bestand von früher etwa 10.000 in den vergangenen 15 Jahren schätzungsweise halbiert. In europäischen Zoos leben derzeit rund 50 Okapis.

Für die 2001 in Berlin geborene Ibina ist der Nachwuchs das vierte Kalb. Vor drei Jahren sorgte sie für Aufsehen: Nach dem plötzlichen Tod von Kabinda, die zwei Wochen zuvor Mutter geworden war, „adoptierte“ und säugte sie deren kleines Kälbchen Nyota. Die Wilhelma züchtet Okapis seit 1989. Seither wuchsen hier zwölf Kälber auf. Dieser Zuchterfolg leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Europäischen Erhaltungszuchtprogramm der höchst seltenen Tierart. Aktuell leben im Stuttgarter zoologisch-botanischen Garten sechs Okapis.

Das Geschlecht des Neugeborenen ist noch nicht ermittelt. Erst wenn bekannt ist, ob es ein Junge oder Mädchen ist, suchen die Tierpfleger einen afrikanischen Name für das Jungtier aus.

Quelle: PM Wilhelma