Wilhelma: Okapijungtier während Beinoperation verstorben

Freud und Leid liegen auch in der Wilhelma manchmal dicht beieinander: Erst in der vergangenen Woche konnte der Zoologisch-Botanische Garten in Stuttgart die Geburt eines kleinen Okapibullen bekannt geben, der am Mittwoch, 3. Oktober, zur Welt kam. Nun verstarb das knapp drei Wochen alte Jungtier jedoch am Dienstag, 23. Oktober, während einer notwendig gewordenen Operation des rechten Vorderlaufes. Während der Narkose erlitt es einen Kreislaufzusammenbruch.

Für Okapiweibchen Nyota war es der erste Nachwuchs. Sie kümmerte sich zwar liebevoll um ihren Sohn, ließ ihn allerdings nicht an ihrem Euter trinken. Auch die extrem wichtige Erstlingsmilch, die Neugeborene direkt nach der Geburt mit Antikörpern zum Aufbau des Immunsystems versorgt, hat Nyota ihrem Kalb verweigert. Der kleine Bulle wurde darum ersatzweise mit Erstlingsmilch einer Kuh gefüttert. Anschließend zogen die Tierpfleger das Jungtier mit der Flasche groß. Am Ende der ersten Lebenswoche bemerkten die Wilhelma-Mitarbeiter jedoch ein leichtes Hinken in Kombination mit einer Fehlstellung der Vorderbeine. Als Ursache kommt beispielsweise ein nächtlicher Tritt durch die Mutter in Frage. Im Lauf der folgenden Tage verschlechterte sich die Lahmheit zusehends: Das Kalb schonte den rechten Vorderlauf immer stärker und spreizte ihn schließlich ab. Auch die Fehlstellung nahm zu. Die Hoffnung, dass sich diese im Laufe der Zeit von alleine verwächst, bestand nicht. Um die Entwicklung des Okapikalbs nicht zu gefährden, entschied der Wilhelma-Tierarzt Dr. Tobias Knauf-Witzens in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Spezialisten, den Eingriff am Dienstag durchzuführen.

„Alle Schritte waren auch unter Einbindung der Pfleger gut vorbereitet, die Operation verlief nach Plan“, erklärt Knauf-Witzens. „Der Kreislaufkollaps zum Ende der OP kam überraschend. Erste Erkenntnisse aus der Sektion deuten auf eine unterschwellige Blutvergiftung hin, die im Vorfeld nicht festgestellt werden konnte. Vermutlich hatte das Jungtier aufgrund der fehlenden Erstmilch zu wenig Abwehrkräfte und ein geschwächtes Immunsystem. Diese Faktoren erhöhen das Risiko bei einer Narkose.“

Der Tod des kleinen Okapis ist nicht nur für die Wilhelma, sondern auch für die europäische Erhaltungszucht ein großer Verlust. Denn die im Kongo beheimateten Waldgiraffen sind stark gefährdet. Okapiweibchen Nyota ist mit ihren sechs Jahren aber noch sehr jung und wird nach reichlich Erholungszeit wieder Mutter werden können. Die Wilhelma hält noch zwei weitere Okapikühe sowie zwei Bullen, die im wieder geöffneten Giraffenhaus und auf den Außenanlagen zu sehen sind.

Quelle: PM Wilhelma Stuttgart

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