Wilhelma: Zwei Kleine Kudus geboren

Foto: Wilhelma

Zwei Kälber kamen dieses Frühjahr bei den Kleinen Kudus zur Welt – das weibliche Tier nannten die Tierpfleger „Naska“, das Böckchen „Kiti“. Wer nun aber nicht weiß, dass Kudus schöne, schlanke Antilopen aus Ostafrika sind und es sie auch in der Wilhelma gibt, dem sei beim nächsten Besuch ein genauer Blick ins Giraffengehege empfohlen. Denn hier streifen die Kleinen Kudus zeitweilig als WG-Mitglieder umher, sofern sie sich nicht gerade in ihr „Privatgehege“ direkt dahinter zurückgezogen haben. Die besten Chancen, die grazilen Tiere zu Gesicht zu bekommen: am frühen Vormittag, am frühen Abend – oder auch zwischendurch, je nach Geduld, Aufmerksamkeit und scharfem Auge des Betrachters.
Schon seit 1983 leben Kleine Kudus in der Wilhelma im Gehege unmittelbar hinter den Giraffen, und mit dem jüngsten Nachwuchs Naska und Kiti wurden bereits 70 Jungtiere hier geboren. Doch während die erwachsenen Tiere über eigens eingerichtete Durchgänge immer mal wieder im Giraffengehege nebenan auftauchen – mit Vorliebe etwa, um bei den großen Nachbarn von deren Luzerne und Laub zu naschen – bleiben die Kälber in den ersten Lebenswochen für die Besucher unsichtbar. Denn in der Natur wie im Zoo warten die Nestablieger anfangs in ein Versteck geduckt auf die Rückkehr ihrer Mütter samt nächster Milchmahlzeit. Erst, wenn sie kräftig genug sind, um bei einer mutmaßlich nötigen Flucht mit der Herde mitzuhalten, werden sie in die Kudu-Gemeinschaft eingeführt. Auch Naska und Kiti haben mittlerweile die Reifeprüfung bestanden und dürfen die Herde begleiten. Damit können die Besucher die Kälber nun ebenfalls zeitweilig mit ihren Müttern Nala und Maya sowie der Kuh Chiara – alle drei selbst gebürtige Stuttgarterinnen – im und hinter dem Giraffengehege umherziehen sehen. Zur Kudu-Population der Wilhelma gehört überdies der Bock Samurai, zwei Weibchen aus anderen Zoos sollen im Laufe des Jahres die Herde verstärken.
Die ursprüngliche Heimat der schlanken Antilopen sind die Dornbuschsavannen und Akazienwälder Ostafrikas. Auch hier ziehen sich die vorwiegend nacht- und dämmerungsaktiven Tiere tagsüber meist ins schützende Dickicht zurück und suchen offene Flächen nur zur Futtersuche auf – Laub, Gras, Kräuter und Früchte stehen auf dem Speisezettel. Dabei bleiben die Kleinen Kudus stets wachsam, fangen mit ihren großen, beweglichen Ohren wie mit Parabolantennen selbst das leiseste Geräusch ein und sind allzeit bereit, ihr Heil in der Flucht zu suchen. Zumal es an Feinden in ihrer Umgebung nicht mangelt: Neben Raubkatzen, Hyänen, Pavianen gehören natürlich auch menschliche Jäger dazu. Auf der Flucht vollbringen die Tiere wahre Höchstleistungen: Bis zu acht Meter weite und zwei Meter hohe Sätze sind nicht selten. Dabei zeigen sie die weiße Unterseite ihres Schwanzes – ein weithin sichtbares Warnsignal für Artgenossen. Zu einer Herde gehören meist vor allem Mütter und ihr Nachwuchs, erwachsene Böcke stoßen in der Regel nur zur Paarungszeit zu ihnen. Sie sind deutlich größer als die Weibchen, werden bis zu 100 Kilo schwer und tragen lange, geschraubte Hörner, die Weibchen sind hornlos. Im Gegensatz zu den verwandten Großen Kudus ist bei den Kleinen Kudus auch das Verbreitungsgebiet klein: Es beschränkt sich auf Tansania, Kenia, Somalia, Äthiopien und den Jemen, die Art ist zudem als schutzbedürftig eingestuft.

Quelle: PM Wilhelma