Zoo Basel: Gefährliche Liebschaften bei den Seidenspinnen

Radnetzspinne – Foto: Zoo Basel

Gefährliche Liebschaften bei den Seidenspinnen

Spinnen gehören nicht zu den Publikumslieblingen im Zoo. Wer sich jedoch einmal die Zeit nimmt, sie in Ruhe zu betrachten, entdeckt Überraschendes. Im Etoscha-Haus leben – zusammen mit den zwei Hornvipern – drei erwachsene Seidenspinnen. Sie sitzen auf kunstvollen Netzen, die in der Natur einen Durchmesser von bis zu drei Metern erreichen. Seit Neustem sind die grossen Spinnen im Zoo Basel richtig in Fortpflanzungslaune.

Die Seidenspinne ist ein Riese unter den meist kleinen Spinnentieren. Ihre Beine sind 20 Zentimeter lang und ihr Körper misst rund sechs Zentimeter. Die Spinnseide wird von einer Drüse am Hinterleib der Spinne produziert. Wer genau hinschaut, kann den aus der Spinndrüse austretenden Faden mit eigenen Augen sehen. Für den Bau des Netzes braucht die Spinne rund zwei Stunden und setzt sich dann kopfüber in seine Mitte. Sie verlässt es nur selten und repariert es wenn nötig.

Beute wird eingewickelt

Spinnfäden müssen extrem reißfest und gleichzeitig flexibel sein. Ein ins Netz fliegendes Insekt soll nicht einfach abprallen, sondern hängen bleiben. An den Erschütterungen im Netz erkennt die Spinne, an welcher Stelle die Beute hängengeblieben ist. Sofort eilt sie herbei, umwickelt sie mit Fäden und tötet sie mit einem Giftbiss. Mit dem Gift werden Verdauungssäfte in den Beutekörper gespritzt. Da Spinnen keinen Kauapparat besitzen, können sie ihre Beute nicht auffressen, sondern saugen sie mit ihrem Saugmagen auf. Landen viele Insekten im Netz, legt die Spinne die Beutepakete als Vorrat an.

Männer zum Anbeissen

Bei Spinnen sind die weiblichen Tiere in der Regel sehr viel grösser. Das zehnmal kleinere Männchen der Seidenspinnen könnte man glatt mit einem Jungtier verwechseln. Nach der Befruchtung des Weibchens stirbt es schnell. In letzter Zeit sind die Seidenspinnen im Zoo Basel in Fortpflanzungs-Stimmung. Für das Männchen heisst das vor allem eins: gut aufpassen! Vor der Begattung muss es dem Weibchen mit bestimmten Bewegungen mitteilen, dass es sich bei ihm um einen Artgenossen und nicht um ein Beutetier handelt. Das Weibchen würde ihn sonst sofort angreifen. Anders als bei Säugetieren, Vögeln, Reptilien oder Amphibien begattet das Männchen das Weibchen mit Pedipalpen; dies sind spezielle Mundwerkzeuge, mit denen es den Samen einführt. Ist das Männchen erfolgreich, verlässt es eilig das Netz.

Kokon als Kinderstube

Ein bis drei Wochen nach der Paarung spinnt das Weibchen einen Kokon und befestigt ihn an einem Ast oder an einer Baumrinde. Die bis zu 1200 Eier, die in einem einzigen Kokon Platz finden, kann man von Auge erkennen. Nach ein bis drei Monaten – die Entwicklung der Jungen ist temperaturabhängig – schlüpfen die Jungen. In den ersten Tagen bleiben sie noch alle zusammen, was aussieht wie eine Spinnenwolke. Nach der ersten Häutung verlassen die Jungen das Netz der Mutter und werden selbstständig.

Quelle: PM Zoo Basel