Zoo Basel: Gefährliche Liebschaften – Spinnenzucht hinter den Kulissen

Schwarze Witwe – Foto: Zoo Basel

Damit das Publikum im Zoo Basel Seidenspinnen und Schwarze Witwen bewundern kann, sorgen die Tierpfleger hinter den Kulissen regelmässig für Spinnennachwuchs. Dafür braucht es besonderes Fingerspitzengefühl, denn Spinnen haben, was ihr Liebesleben anbelangt, spezielle Vorlieben und ihre Babys sind bereits beim Schlüpfen giftig. Für den Menschen sind die jungen Spinnen aber harmlos, wie übrigens auch die meisten erwachsenen Spinnenarten, da sie nicht durch die Haut beißen können. Bei den sehr giftigen, erwachsenen Schwarzen Witwen im Zoo Basel müssen aber strenge Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden.

Gefährliche Jugend
Spinnenweibchen legen in der Regel viele Eier in einem Kokon. Jungspinnen sind nicht wählerisch und fressen auch mal ein Geschwister, wenn es nichts anderes gibt. Der Tierpfleger füttert deshalb bereits ganz junge Spinnchen ausgiebig. Bei den Schwarzen Witwen muss er die Geschwister früh trennen, da sonst zu wenige überleben. Bei den Seidenspinnen bleiben die Kleinen länger zusammen. Sie sind zu schwach, um allein Beute zu fangen und benötigen dazu das gemeinsame Netz.

Bei Liebe Lebensgefahr
Spinnenmännchen sind nach wenigen Monaten geschlechtsreif, bei den meist viel grösseren Weibchen dauert es etwas länger. Der Größenunterschied macht das Liebesleben eines Spinnenmannes gefährlich. Keinesfalls sollte er mit leckerer Beute verwechselt werden. Dabei hilft ‚Gitarre spielen‘. Er zupft an den ‚Saiten‘ des Netzes, auf dem das Weibchen sitzt. Sie erkennt an den Vibrationen, dass sich nicht ein Beutetier verfangen hat, sondern sich ein Männchen nähert. Die Paarung geschieht unter Lebensgefahr.
Das Männchen deponiert mit den vorne verdickten Pedipalpen (eine Art Fühler bei Spinnen) das vorbereitete Spermapaket. Spinnenmännchen erkennt man relativ gut an diesen ‚Boxhandschuhen‘. Bei der australischen Rotrückenspinne (eine Schwarze Witwe, die im Zoo Basel gezüchtet wird) endet die Paarung damit, dass das Männchen sich vor die Mundwerkzeuge des Weibchens platziert und sich als Futter anbietet. Auch bei anderen Spinnenarten werden die Männchen immer wieder gefressen, dies ist dann aber meist ein Unfall.

Vom Winde verweht
Jungspinnen werden regelrecht ‚flügge‘. Sie haben zwar keine Flügel, benutzen aber einen langen, feinen Spinnfaden als Segel im Wind. So lassen sie sich bis zu mehrere Kilometer weit transportieren und überqueren Berge, Meere und Wüsten. Deshalb findet man verwandte Spinnenarten auch fast überall auf der Welt. Die Schwarzen Witwen beispielsweise kommen auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor. Der zweite große Überlebensvorteil, den Spinnen haben, ist, dass sie sehr lange ohne Nahrung auskommen.

Quelle: PM Zoo Basel