Zoo Basel: Nachwuchs bei Somali-Wildeseln und Zwergziegen

Somalie-Wildeseljungtier - Foto: Zoo Basel

Somalie-Wildeseljungtier – Foto: Zoo Basel

Nachwuchs bei Somali-Wildeseln und Zwergziegen
Alles rund um Geburten im Zoo, oder warum Wildtiere meist problemlos gebären und der Tierarzt fast nur bei Haustieren eingreifen muss.

Im Zoo Basel ist ein Somali-Wildesel geboren worden und im Kinderzoo meckern die Zicklein um die Wette. Die Geburt ging bei allen schnell und alle Jungen sind ausgesprochen munter. Zu Problemen bei der Geburt kommt es im Zoo ohnehin sehr selten. Gerade Wildtiermütter kennen fast keine Komplikationen. Muss der Tierarzt doch einmal eingreifen, dann meistens bei den Haustieren im Kinderzoo.

Das Somali-Wildesel-Fohlen Lakisha ist am 27. März, wie es bei Wildtieren die Regel ist, schnell und unkompliziert zur Welt gekommen. Es ist das 41. Somali-Wildesel-Fohlen, das im Zoo Basel aufwächst. Sein Vater Gigolo (5) lebt seit November letzten Jahres im Zoo Stuttgart. Mutter Djara (8) hat ihr Fohlen mitten am Tag geboren. Kopf und Vorderbeine voran plumpste Lakisha ins Stroh und war bereits eine halbe Stunde später auf den Beinen. Eine weitere halbe Stunde dauerte es, bis das Stutfohlen zum ersten Mal bei seiner Mutter trank. Bei der Geburt war niemand dabei und Djara konnte in Ruhe eine Bindung zu Lakisha aufbauen.

Zicklein meckern um die Wette

In der Nähe der Somali-Wildesel meckern die Zicklein im Kinderzoo. Zwischen dem 17. März und dem 2. April sind sechs Zwergziegen und eine Pfauenziege gesund geboren worden. Jetzt hört man Meckern in allen Tonlagen. Ziegenmütter rufen nach ihrem Nachwuchs und verirrte Zicklein antworten aus den Ecken des Geheges. Zurzeit kann man die Kleinen bei ihren übermütigen Sprüngen beobachten. Manch ein Zicklein versucht die Gunst einer fremden Mutter zu ergattern. Ziegenmütter lassen sich von den Annäherungsversuchen aber nicht erweichen. Fremde Junge boxen sie kurzerhand auf Distanz. Sie wissen ganz genau, wer eigener Nachwuchs ist und wer nicht: Jedes Ziegenkind meckert für Mutters Ohren unverwechselbar. Zwei Mütter hatten eine schwere Geburt und ihre Jungen überlebten nicht. Eine von ihnen, eine alte Ziege von 14 Jahren, benötigte Hilfe bei der Geburt von Zwillingen. Das erste Zicklein war zu schwach und das zweite steckte im Geburtskanal fest und musste vom Tierarzt gedreht werden, ehe es den Geburtskanal passieren konnte. Leider war es vermutlich wegen der Verzögerung bereits im Mutterleib gestorben. Die Mutter erholte sich glücklicherweise gut von der Schwergeburt.

Haustiere haben schwerere Geburten als Wildtiere

Dass es gerade bei den Zwergziegen zu Geburtskomplikationen gekommen ist, ist kein Zufall. Zwergziegen sind Haustiere. Bei diesen ist als Folge der Zucht durch den Menschen das Junge im Verhältnis zum Becken der Mutter sehr groß. Gerade bei Rindern, die zur Fleischproduktion gezüchtet worden sind, kennt man dieses Problem. Eine weitere häufige Komplikation sind Stoffwechselprobleme, die wiederum zu Wehenschwäche führen können. Haustiere, die auf Leistung gezüchtet sind, macht der hormonelle Wechsel im Zeitraum der Geburt dafür empfänglich. Wildtiere gebären oft über Nacht oder in den frühen Morgenstunden. Sie sind darauf bedacht, möglichst keine Spuren zu hinterlassen und die Geburt sollte möglichst schnell gehen, in der Natur könnten sonst Raubtiere angelockt werden. Haustiere tolerieren die Nähe des Menschen eher als Wildtiere, im Zoo fühlen sich aber auch viele Wildtiere durch die Anwesenheit vertrauter Menschen nicht gestört und gebären immer wieder auch tagsüber.

Wenn es nach der Geburt Probleme gibt

Bei Haustiermüttern gelingt es manchmal, ein fremdes Junges unterzuschieben. Dies wurde vor zwei Jahren im Kinderzoo nötig, als die Mutter einer zwei Tage alten Pfauenziege starb. Dasselbe kann man versuchen, wenn eine Mutter ihr Junges nicht annimmt, was selten und vor allem bei erstgebärenden Müttern vorkommt. Bei Wildtieren können in einem solchen Fall leider auch die Tierärzte oft nicht mehr helfen. Wenn die Mutter ihr Junges nicht trinken lässt, muss man es, wie kürzlich im Fall einer Giraffe oder eines Mufflons, erlösen. Auch bei Kängurus und Zebras kam dies in den letzten Jahren vor. Anders liegt der Fall, wenn die Mutter zu wenig Milch hat, das Junge aber betreut. In Einzelfällen ist es möglich, geschehen vor 10 Jahren beim Nashorn Batschii, Milch zuzufüttern. Eine alleinige Aufzucht durch Menschen schliesst der Zoo Basel im Allgemeinen aus. Die Erfahrung zeigt, dass solche Jungtiere auf den Menschen statt auf Artgenossen geprägt sind und später grosse Probleme im Sozialverband haben können. Beim Übergang zum Erwachsenenalter werden sie nicht selten eine Gefahr für den Menschen und ihre Artgenossen.

Seltene Komplikationen, allzeit bereite Tierärzte

Zum Glück sind im Zoo Komplikationen bei Wildtieren genauso selten wie im Freileben und die Tierärzte im Zoo Basel werden wohl auch dieses Jahr nicht oft zu einem Notfall gerufen. Sollte es doch einmal der Fall sein, sind sie gerüstet. Der sogenannte „Geburtenkoffer“ mit den wichtigsten Utensilien für die Geburtshilfe ist immer griffbereit. Im Koffer finden sich die wichtigsten Medikamente zur Unterstützung der Geburt, wie Wehenmittel, Schmerzmittel und Gleitmittel. Alles, was für die Erstversorgung des Jungtiers nötig ist, ist ebenfalls vorhanden: zum Beispiel Mittel zur Nabelpflege oder Medikamente zur Unterstützung der Atmung. Muss doch einmal manuell geholfen werden, gibt es Haltestricke als Zughilfe und andere Utensilien. Der Tierarzt kennt die Position, in der eine Ziege oder ein Somali-Wildesel normalerweise zur Welt kommt, weiss, welches die häufigsten Gründe für ein Feststecken im Geburtskanal sind, und kann deshalb schnell handeln.

Quelle: PM Zoo Basel