Zoo Basel: Tiertraining durch positive Verstärkung

Target-Training bei den Elefanten – Foto: Zoo Basel

Training für Gorilla, Elefant und Co. – Tiertraining durch positive Verstärkung

Dieser Tage weilt die Tiertrainerin Gail Laule im Zoo Basel. Sie schult die Tierpflegerinnen und Tierpfleger im „Training durch positive Verstärkung“. Mit dieser Methode trainiert sie Gorillas, Elefanten und anderen Tiere. Dank der positiven Verstärkung lernt das Tierpflegepersonal gemeinsam mit den Tieren, schwierige Situationen stressfrei zu meistern. Folglich können Tierärzte kleinere Untersuchungen zum Beispiel ohne Narkose durchführen. Für Zootiere ist das Training ein Gewinn und eine willkommene Abwechslung. Die Methode funktioniert nur, wenn die Tiere freiwillig mitmachen und es scheint ihnen tatsächlich Spass zu machen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Gail Laule im Zoo Basel zu Besuch ist. Deshalb macht sie sich zuerst ein Bild davon, was ihre Schüler seit dem letzten Mal gelernt haben. Bei jedem Gorilla und jedem Elefanten überprüft sie den Trainingsstand und versucht dann, neue Übungen einzuführen. Dazu braucht es grosse Geduld, Konzentration und eine gute Beobachtungsgabe. Die Tierpfleger lernen bei Gail Laule, die Handlungen des Tieres quasi vorherzusehen, diese dann von ihm zu „verlangen“ und das Tier anschliessend dafür zu belohnen.

Freiwilligkeit ist oberstes Gebot

Das Tiertraining erleichtert in der modernen Zootierhaltung tierärztliche Untersuchungen wie Ultraschall oder Blutentnahme. Tierpflegerinnen und Tierpfleger können dank der Methode bei den Elefanten die Füsse pflegen, bei den Gorillas einen Gesundheits-Check durchführen, ihnen in den Mund schauen oder die Zähne prüfen. Im täglichen Training simuliert das Tierpflegepersonal solche Manipulationen, damit sie diese im Ernstfall in entspannter Atmosphäre, gemeinsam mit dem Tier, bewältigen können. „Wichtig ist, dass die Tiere gerne mitmachen und das Training völlig frei von Zwang ist“, sagt Gail Laule, „dann sind mit der Zeit sogar kleinere medizinische Eingriffe wie das Geben einer Spritze und die Pflege von Wunden völlig stressfrei und ohne Narkose möglich“.

„Gutes“ Verhalten wird belohnt

Mit dem Training wird nicht nur der Umgang mit den Tieren einfacher und entspannter, es ist auch eine willkommene Bereicherung im Zooalltag. Bei der Methode der positiven Verstärkung, wird aus menschlicher Sicht positives Verhalten belohnt und unerwünschtes Verhalten ignoriert. In der Wissenschaft nennt man diesen Grundsatz „operante Konditionierung“. Diese bewirkt, dass Tiere ein Verhalten freiwillig wiederholen, wenn diesem eine angenehme Konsequenz folgt. Hingegen vermeiden sie ein Verhalten, wenn dieses ignoriert wird. „Für die Tiere und die Tierpfleger ist das Training vor allem am Anfang recht anstrengend, denn es erfordert volle Konzentration auf beiden Seiten“, sagt Kurator Stefan Hoby.

Interessierte Schüler

Seit Beginn der Trainingseinheiten im Sommer 2012 haben die Elefanten die Grundsätze der operanten Konditionierung gelernt und arbeiten gerne in der neuen Trainingsform. Bereits können Zähne und Füsse kontrolliert und die Körperoberflächen befühlt werden. Bei den Gorillas haben die Tierpfleger im August 2013 mit den Trainingseinheiten begonnen. Die Gorillas waren sehr interessiert und haben die Grundsätze schnell erlernt. Die Gorillas lassen sich mittlerweile von den Tierpflegern an einem gewünschten Ort platzieren und sitzen dort entspannt und ruhig. Dies ist meist der erste Schritt, den die Tiere beim Training erlernen. In der nächsten Phase üben die Gorillas, ihre Hände, Füsse, das Gebiss und weitere Körperteile für Untersuchungen zu präsentieren.

Die Methode funktioniert mit fast allen Tieren

Das Training der Elefanten und Gorillas erfolgt im „geschützten Kontakt“ (Protected Contact). Dies bedeutet, dass zwischen Mensch und Tier stets eine Barriere besteht. So ist garantiert, dass ein Elefant oder ein Gorilla das Tierpflegepersonal nicht verletzt und die Intimsphäre von Mensch und Tier gewahrt wird. Die amerikanische Tiertrainerin Gail Laule hat langjährige Erfahrung in der Methode der „Positiven Verstärkung“ – beinahe jede Tierart lässt sich nach diesem Prinzip trainieren. Im Zoo Basel werden auch andere Tiere mit gutem Erfolg trainiert – unter anderem Okapis, Giraffen, Zwergflusspferde, Krokodile, Seelöwen und Panzernashörner.

Quelle: PM Zoo Basel