Zoo Basel: Warum Zootiere auf die Waage müssen…

Tannenzapfenechse beim Wiegen – Foto: Zoo Basel

Sag mir, wieviel Du wiegst – Warum Zootiere auf die Waage müssen

Ob Giraffe, Nashorn, Katta oder Schildkröte, viele Tiere im Zoo werden regelmässig gewogen. Das Gewicht kann dem Tierarzt Hinweise auf Krankheiten geben und hilft ihm, die Dosis von Medikamenten zu berechnen. Bei einem Jungtier, wie dem Panzernashorn Kiran, zeigt das regelmässig ansteigende Gewicht, dass es gesund und munter ist. Eine Schildkröte kann der Tierarzt eigenhändig auf die Waage setzen, bei einem Vogel oder einem sehr grossen Tier wird das schon schwieriger, kommt hinzu, dass wilde Tiere ungern auf unbekannten Untergrund treten, deshalb ist bei der Gewichtskontrolle der Erfindungsgeist und die Geduld des Zoopersonals gefordert.

„Komm Xamburu, komm!“, ruft der Tierpfleger Alfred Dill. Giraffe Xamburu trottet gemächlich in den Raum und stupst die Nase an einen Stock (in der Fachsprache „Target“ genannt), den ihr Dill durch die Gitter entgegenstreckt. Dann zeigt Xamburu, was der Tierpfleger ihm in vielen Stunden geduldig beigebracht hat; er spaziert entspannt auf die Waage und Dill kann im Nebenraum die Anzeige ablesen: 736 Kilogramm!

Wildtiere sind skeptisch

Was so selbstverständlich aussieht, benötigt viel Fingerspitzengefühl, denn kein Wildtier geht anfangs gerne auf die Waage. Eine ungewohnte Bodenbeschaffenheit macht es misstrauisch, warum soll es auf Unbekanntes auch noch draufstehen? Dill nahm den Okapis und Giraffen im Antilopenhaus die Scheu mit einer auf der Außenanlage platzierten Gummimatte. Sie lernten schnell, dass eine Belohnung winkt, wenn sie auf das seltsame Ding treten. Als die Waage im Stall installiert war, kannten sie die positiven Folgen, die der Tritt auf unbekannte Flächen hat, bereits. Eine löchrige Kugel als Futterspender bei der Waage montiert überzeugte die Giraffen und Okapis schlussendlich vollends, dass Wägen eine gute Sache ist. Nur Giraffendame Kianga verweigert sich zwischendurch noch. Die Okapis benötigen heute nicht einmal ein „Target“, Tierpfleger Dill führt sie einfach zur Waage.

Schätzen ist gut, messen ist besser

Früher kannte man das Gewicht von vielen Tierarten nicht. Deshalb mussten für die Berechnung von Futterrationen oder Dosierung von Medikamenten Angaben aus der Literatur zu Rate gezogen werden. Auch erkannte man manchmal zu spät, wenn ein Tier an Gewicht verloren hatte. In vielen Fällen musste das Gewicht geschätzt werden. Das ist gar nicht so einfach. Bei einem grossen Tier wie einem Zebra, einem Schneeleopard mit dichtem Fell oder einem kleinen, wie ein Wellensittich, liegt man schnell ziemlich daneben. Verabreicht man aufgrund einer falschen Schätzung Medikamente, kann das für das Tier ungesund sein. Im Falle eines Narkosemittels kann es auch für den Tierarzt heikel werden, wenn ein gefährliches Tier zu früh erwacht. Das Schätzen des Gewichts wird von den Zootierärzten eigens trainiert, damit die Narkosedosis nicht zu knapp oder zu hoch berechnet wird. Dabei darf man nicht vergessen, dass bei sehr grossen Tieren die Dosierung allometrisch, nicht linear berechnet werden muss. So erhält ein Nashorn eine geringere Dosis pro Gramm Körpergewicht als ein Borstenhörnchen. Noch besser als eine Schätzung ist es natürlich, wenn man das Gewicht des Tieres, oder Durchschnittswerte der Tierart, kennt. Deshalb wird jedes Tier, dessen man im Zoo habhaft wird, sei es tot, schlafend oder in Narkose, gewogen und das Gewicht in der Krankengeschichte festgehalten. Darauf können die Zootierärzte bei Bedarf zurückgreifen.

Was Pfunde verraten

Das Gewicht verrät auch einiges über die Entwicklung von Jungtieren: Trinkt das kleine Nashorn auch genug oder hat die Mutter genügend Milch? Aus den gemessenen Werten berechnen die Tierärzte Vergleichskurven. Sollte man einmal Milch zufüttern müssen, wie geschehen beim Nashorn Batschii (im Jahr 2004), sind diese sehr hilfreich. Aus diesen Gründen werden junge Löwen, Brillenpinguin-Küken, Zwergotterwelpen oder auch Straussenküken gewogen. Rentierkälber überprüft man bereits am ersten Lebenstag, da in der Vergangenheit immer wieder zu leichte Jungtiere zur Welt kamen. Manche Gründe für die Gewichtskontrolle sind uns wohlbekannt: Sie zeigt an, ob die Diät, wie bei den etwas zu gut genährten Kattas, anschlägt. Bei anderen Tieren sind die plötzlich ansteigenden Pfunde das erste Anzeichen für eine Trächtigkeit. “Purzeln“ sie, kann dies ein Hinweis für eine chronische Krankheit sein. Okapis und Giraffen gehen wöchentlich auf die Waage, die Nashörner, Elefanten und Kattas einmal im Monat. Die Tiere im Kinderzoo inklusive der Lamas werden jährlich gewogen. Der Seelöwe Uranus musste ein spezielles Wägetraining für eine geplante Narkose durchlaufen.

Freundeverein spendet

Die Waage im Antilopenhaus konnte dank einer Spende des Freundevereins von 50‘000 Franken installiert werden. Bei neuen Anlagen ist eine Waage Standard. Um es den Tieren möglichst einfach zu machen, wird sie meist in einem Durchgang, zum Beispiel auf dem Weg vom Stall zur Aussenanlage, installiert. Bei alten Gebäuden muss sie je nach Tierart nachträglich eingebaut werden und die Tiere müssen mit einem speziellen Training zum Mitmachen überzeugt werden. Heute wissen wir, dass die Okapis ein Gewicht von 280 bis 290 Kilogramm haben und der Giraffenbulle schon über 730 Kilogramm wiegt. Die kleinste Giraffe Sophie wiegt knapp über 500 Kilogramm. Die Giraffen sind jung und werden noch wachsen. Dank der vom Freundeverein finanzierten Waage kann man nun genau verfolgen, ob sich die beiden gut entwickeln. Im Freundeverein verbinden sich seit 1919 Freundinnen und Freunde des Zoo Basel, um das Interesse am Zolli zu fördern. Die Beiträge und Spenden verwenden sie für jährliche Geschenke an den Zoo. Dafür erhalten die Mitglieder des Freundevereins besondere Informationen und Einblicke. Zurzeit hat der Freundeverein rund 3200 Mitglieder.

Gewicht von Zootieren

Brillenpinguin mit 6 Wochen: 3-4 kg
erwachsener Brillenpinguin: 3-4 kg
Elefant: 3270 kg (Rosy), 3155 kg (Maya), 3660 kg (Malayka), 3680 kg (Heri), 4635 kg (Yoga, kurz vor Abreise)
Giraffe: 736 kg (Xamburu), 519 kg (Sophie)
Katta: 2,2 – 3,6 kg (erwünscht wäre unter 3 kg)
erwachsener Löwe: 130 kg (Weibchen)
Löwenwelpen (letzte Messung vom 13.01.2014) 8-10 kg
erwachsenes Nashorn: 1950-2160 kg
Nashorn Kiran: 240 kg
Okapi: 274 kg (Imba), 283 kg (Hazina)
erwachsenes Rentier: 80 kg
Rentier neugeboren: erwünscht ist über 5 kg
Schneeleopard: 40 kg
Seelöwenbulle: 215 kg
erwachsener Strauss: 150 kg
Straussenküken (erste Messung nach Schlupf): 700 Gramm
Wellensittich: 65 Gramm
Zebra: 250 kg
erwachsener Zwergotter: 1 kg
Zwergotterwelpen mit 4 Wochen: 450 Gramm

In den letzten rund 15 Jahren wurde insgesamt 6000 Mal ein Tier gewogen.

Quelle: PM Zoo Basel