Zoo Dortmund: Flaschenkind erobert die Außenanlage

Foto: SP

Am Morgen des 8. Dezember 2013 saß das kleine Riesenkänguru-Baby plötzlich im Stall, benommen und zitterte vor Kälte. Irgendetwas muss in der Nacht vorgefallen sein, das zum frühzeitigen Verlassen des mütterlichen Beutels führte. Die Mutter jedenfalls, schien kein Interesse mehr an ihrem Nachwuchs gehabt zu haben, und hat ihn nicht mehr zurück in die warme Bauchtasche geholt.
Der kleine Kalle, wie er später von seinen menschlichen Zieheltern getauft wurde, war glücklicherweise bereits so weit entwickelt, dass eine Handaufzucht mit der Flasche erfolgversprechend schien. Gesagt getan: sein persönliches „Pflegepersonal“ teilte sich in Schichtdienste auf, um eine Fütterung alle zwei Stunden, vom frühen Morgen bis zum späten Abend, zu gewährleisten.
Mittlerweile ist er ordentlich herangewachsen und wohl aus dem Gröbsten heraus. Heute knabbert Kalle auch schon an fester Nahrung und macht erste Bekanntschaften mit seinen Familienmitgliedern auf der Außenanlage.

Beutelsäuger, zu denen auch die australischen Roten Riesenkängurus gehören, weisen eine sehr spezielle Fortpflanzungbiologie auf. Nach einer relativ kurzen Trächtigkeit, krabbelt ein winziges und noch nicht sehr entwickeltes Jungtier aus dem Geburtskanal in den Beutel der Mutter, einer speziellen Hautfalte in der sich auch die Zitzen befinden.
Hier reift das Jungtier geborgen und im Warmen heran, bis es nach etwa sechs Monaten die ersten Male den Beutel verlässt, um Erkundungstouren zu unternehmen. Immer wieder sucht es den Beutel der Mutter auf, um dort Milch zu trinken, Schutz und Wärme zu finden oder um sich einfach herumtragen zu lassen, bevor es sich endgültig eigenständig versorgt.