Zoo Frankfurt steuert globales Zuchtprogramm für im Freiland ausgestorbene Taubenart

Socorrotaubel – Foto. Marlies Thieme/Zoo Frankfurt

Socorrotaube nach 40 Jahren zurück in Mexiko
Am 5. September fand im Africam Safari Zoo im mexikanischen Bundesstaat Puebla eine Feier zur Rückkehr der im Freiland ausgestorbenen Socorrotaube in ihr Heimatland statt. Mit der Kooperation von vielen Zoos in Europa, den USA und Mexiko sowie den Aktivitäten vor Ort ist ein Naturschutz-Projekt auf gutem Wege, das letztlich nicht nur das Überleben einer einzigen Vogelart im Blick hat. Der Frankfurter Zoo steuert das globale Zuchtprogramm für die Socorrotaube und ist dadurch maßgeblich an dem Naturschutzprojekt beteiligt.
„Noch ist es nicht soweit, aber die ersten Schritte hin zu einer Auswilderung sind getan“, sagt Zoodirektor Prof. Dr. Manfred Niekisch: „Die unscheinbare braune Taube ist in ihr Heimatland Mexiko zurückgekehrt, zunächst in einen mexikanischen Zoo.“
Die Socorrotaube stammt von der im Ostpazifik gelegenen und zu Mexiko gehörenden Vulkaninsel Socorro. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts entdeckt und 1871 wissenschaftlich beschrieben, verschwand die Art innerhalb weniger Jahre von ihrer Heimatinsel, nachdem auf der ehemals unbewohnten Insel Socorro im Jahr 1957 eine Station der mexikanischen Marine errichtet worden war. Als wissenschaftliche Expeditionen der kalifornischen Akademie der Wissenschaften in den 1980er Jahren keine wildlebenden Socorrotauben mehr nachweisen konnten, wurde das Projekt Socorrotaube (PS) gestartet. Das Projekt besteht im Wesentlichen aus zwei Säulen: einem international angelegten Erhaltungszuchtprogramm sowie Bemühungen um die Wiederherstellung der Lebensgrundlagen für die Art auf ihrer Heimatinsel.
Denn glücklicherweise hatten Wissenschaftler der kalifornischen Akademie der Wissenschaften bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebende Socorrotauben nach Kalifornien gebracht, und wenig später wurden die ersten Nachzuchttiere auch an englische Wildtaubenzüchter weitergegeben. Da die auf dem nordamerikanischen Kontinent gehaltenen Socorrotauben – in Unkenntnis der Bedeutung dieses Vorgehens – vielfach mit der nah verwandten Trauertaube gekreuzt worden waren, können für die Erhaltungszucht- und Wiederauswilderungsbemühungen nur die in Europa gehaltenen Tiere verwendet werden. „Im Jahr 1995 bekam der Zoo Frankfurt vom europäischen Zooverband EAZA die Verantwortung für das Europäische Erhaltungszucht-Programm EEP für die Art übertragen, das seitdem von unserem Vogelkurator Dr. Stefan Stadler geführt wird“, erläutert Niekisch: „Mittlerweile ist es uns gelungen, 23 Zoologische Gärten und Vogelparks in über zehn Ländern Europas zur Teilnahme an diesem EEP zu gewinnen.“
Die in der Mitte des vergangenen Jahrzehnts in Europa aufgetretene Vogelgrippe verhinderte jedoch eine Rückführung von Socorrotauben nach Mexiko. Nun konnten endlich drei Paare die Reise in ihr Heimatland Mexiko antreten.
„Zoos können nur Arche für im Freiland ausgestorbene Tierarten sein, wenn der Lebensraum dieser Tiere geschützt, erhalten oder wiederhergestellt wird“, sagt Niekisch: „Deswegen ist es uns so wichtig, auch die Lebensräume im Blick zu haben, nicht nur die Tierart.“ Unter der Federführung der Island Endemics Foundation wurden intensive Bemühungen um die Wiederherstellung der Lebensgrundlagen für die Art auf ihrer Heimatinsel Socorro unternommen. Durch diese intensive Kooperation auch mit der für die Insel Socorro verantwortlichen mexikanischen Marine konnte schon etliche Maßnahmen umgesetzt werden. Ziel ist die Wiederherstellung des Habitats, die Verhinderung von Erosion und die Entfernung eingeschleppter Arten, um den gesamten Lebensraum zu schützen. In diesem Sinn spielt die Socorrotaube eine herausragende Rolle als Flaggschiffart, deren Rettung das Überleben auch für viele andere, zumeist kleinere und wenig beachtete Tier- und Pflanzenarten bedeutet.
„Der Zoo Frankfurt ist stolz, an diesem Projekt an maßgeblicher Stelle beteiligt zu sein und freut sich über den mit der Rückführung der Socorrotaube in ihr Heimatland Mexiko erreichten Meilenstein“, sagt Niekisch.

Quelle: PM Zoo Frankfurt