Zoo Halle: Tigerin bei Verpaarungsversuch tödlich verunglückt

Der Reilsberg – Heimatstatt des Zoo Halle - Foto: Bergzoo Halle

 Foto: Bergzoo Halle

Im Rahmen seiner Nachzuchtaufgabe zur Erhaltung bedrohter Tierarten hat der Zoo Halle am Dienstag (30.06.2015) einen Verpaarungsversuch zwischen der neuzugegangenen malaysischen Tigerkatze Momoe sowie seinem bereits vielfach bewährten malaysischen Zuchttigerkater Sompon gestartet. Leider kam es dabei trotz größtmöglicher Sicherheitsvorkehrungen sowie wochenlangen Vorbereitungen zu einem unerwarteten aggressivem Angriff von Sompon auf Momoe, wobei er die Tigerin schwer verletzte. Trotz der veterinärmedizinischen Notfallversorgung und einer anfänglichen Verbesserung des Zustands der Tigerkatze im Verlaufe des Tages und während der Nacht nach dem Angriff, erlag diese nun doch Ihren Verletzungen.

Nach einer mehrmonatigen Eingewöhnungszeit der Tigerin im Zoo Halle in unmittelbarer Nähe zum Tigerkater wurde in der letzten Woche aufgrund der deutlich feststellbaren Paarungsbereitschaft der Katze die Verträglichkeit zwischen den beiden Tigern durch ein sogenannte „Schnuppergitter“ mehrfach getestet. Alle Anzeichen während dieser Begegnungen deuteten darauf hin, dass zwischen den Tieren „Sympathie“ bestand. Tigerkater Sompon hatte zudem in der Vergangenheit mit sieben auf ihn zurückgehenden Würfen von verschiedenen Tigerkatzen große Verträglichkeit im Umgang mit den Tigerinnen und sogar mit seinem Nachwuchs bewiesen. Nachdem Tigerkatze Momoe am gestrigen Tage den Höhepunkt ihrer Paarungsbereitschaft signalisierte (sie „rollig“ war), entschlossen sich die in Aufzuchtfragen der malaysischen Tiger äußerst erfahrene Säugetierkuratorin Jutta Heuer sowie Zoodirektor und Veterinärmediziner Dr. Dennis Müller die Tiere zur Paarung zusammenzulassen.

Trotz der bisher erwiesenen Verträglichkeit des Tigerkaters im Umgang mit anderen Tigerkatzen wurden als reine Vorsichtsmaßnahme und im Sinne eines verantwortungsvollen Handelns umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Dazu gehörte die Überwachung des gesamten Vorganges durch ein Team von erfahrenen Tigerpflegern unter Leitung von Kuratorin und Zoodirektor sowie die Bereithaltung von Feuerwehrschläuchen, um die Tiger bei Bedarf schnell trennen zu können. Trotzdem kam der plötzliche und in keiner Weise durch eine Verhaltensauffälligkeit vorher ankündigte Angriff von Sompon auf Momoe überraschend. Der Kater biss der ebenso überraschten Tigerkatze in den Hals und würgte sie stark. Durch das schnelle Handeln des gesamten Teams wurden die Tiger innerhalb von einigen Augenblicken wieder voneinander getrennt. Die augenscheinlich angeschlagenen Tigerkatze Momoe wurde umgehend veterinärmedizinisch versorgt und unter ständige Überwachung gestellt. Bereits einige Stunden nach dem Angriff sowie im Verlaufe der letzten Nacht schien sich die Tigerin sichtlich zu erholen. Gegen Mittag des heutigen Tages begann sich ihr Zustand jedoch dramatisch zu verschlechtern und auch die unmittelbar erneut ergriffenen Maßnahmen konnten nicht verhindern, dass die Tigerin letztlich verstarb. Die genaue Todesursache ist zur Zeit nicht zu klären. Dazu wird der Körper der Tigerin noch heute für eine genaue pathologische Untersuchung in das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) nach Berlin gebracht. Zoodirektor Dr. Dennis Müller und sein Team sind über den Vorfall sehr betroffen und bedauern den Verlust des Tieres außerordentlich.

Der zoologische Garten Halle ist Europas führender Zuchtzoo für die akut vom Aussterben bedrohten malaysischen Tiger. Das Tierpfleger-Team und die verantwortliche Kuratorin verfügen über intensive Erfahrungen mit der Haltung und der Zucht dieser beeindruckenden Großkatzen. Trotzdem waren sich alle Beteiligten eines gewissen Risikos bei einem Verpaarungsversuch bewusst, das leider auch nicht vollständig ausschließbar ist. Leider gab es in der Vergangenheit unter vergleichbaren Bedingungen auch in anderen zoologischen Gärten Unfälle mit Todesfolge bei Verpaarungsversuchen mit Tigern. Wie bei vielen anderen Tierarten scheint auch hier, eine gewisse Zuneigung unter den Großkatzen für eine erfolgreiche Paarung von Bedeutung zu sein, die leider nicht hundertprozentig durch den Menschen einschätzbar ist.

Quelle: PM Bergzoo Halle