Zoo Heidelberg: Ein Paradies für Weißstörche

Foto: Zoo Heidelberg / Susanne Fischer

Ihr eifriges Klappern ist weithin zu hören und die Steilanflüge auf ihre Nester sind von beeindruckender Akrobatik – der Zoo Heidelberg entwickelt sich zur großen Freude seiner Mitarbeiter und Besucher immer mehr zu einem regelrechten Paradies für Weißstörche. Was viele nicht wissen: Lebensraumverlust, Strommasten und die Folgen des Klimawandels setzen den Beständen dieser attraktiven Vogelart stark zu. Deshalb freut sich der Zoo umso mehr, dass es in diesem Jahr im Zoo einen Storchenrekord gibt: Gezählt wurden bislang acht Nester sowie zwei weitere angefangene. Auf mehr als fünf Horsten wird sicher gebrütet, und auch im Umfeld des Zoos, auf dem Gelände des TSG 78, hat sich ein Storchenpaar niedergelassen. Weißstörche brüten bevorzugt auf Hausdächern, Türmen oder Bäumen. Gerne nehmen Sie auch künstliche Nestunterlagen wie Wagenräder an. Die Brutzeit beginnt im April und endet Anfang August. Das Gelege wird von beiden Partnern über 30 Tage lang bebrütet und nach zirka zwei Monaten verlassen die Jungvögel das Nest. Da ein Storchenpaar seinem Horst über Jahrzehnte treu bleibt und der Nestbau nie abgeschlossen wird, kann der Horst eine Höhe von mehreren Metern erreichen. Kein anderer europäischer Vogel betreibt einen derart großen Nestbau.
Dass der Weißstorch, auch als Meister Adebar und Klapperstorch bekannt, sich im Zoo Heidelberg sehr wohl fühlt, hat seine guten Gründe. Bereits Ende der 90er Jahre wurden mit Hilfe engagierter Naturschützer des NABU die ersten Nester im Zoo aufgestellt und von den Störchen begeistert angenommen. Seither werden die Tiere von Mitarbeitern des NABU regelmäßig gezählt und die Jungtiere beringt. Das Beringen ist nicht immer so einfach, wie Dr. Michael Preusch, Facharzt für Innere Medizin am Universitätsklinikum Heidelberg und ehrenamtlich für den NABU im Bereich Wanderfalkenschutz tätig, zu berichten weiß. An manche Nester gelangt man nur mit Hilfe eines Hubsteigers. Oben am Nest angekommen, wird der menschliche Eindringling von wilden Scheinangriffen der Eltern umflogen, während sich die Jungvögel tief in das Nest drücken. Das Beringen geht dann aber sehr schnell und hinterlässt bei den Tieren keinen bleibenden Eindruck. Nur mit Hilfe der Beringung ist zu erkennen, woher die Störche kommen – auf den Nestern des Zoos brüten mehrheitlich sogenannte Freiflieger, die direkt aus Afrika kommen, aber auch Störche aus dem Mannheimer Luisenpark sind gern gesehene Gäste. Daneben gibt es auch Störche, die ortständig sind und nicht mehr ziehen. Diese „Nichtzieher“ entstammen von Zuchtprogrammen; der Zugdrang bei Störchen entfällt bereits nach einem Jahr in Menschenobhut. Dann werden sie ortständig. Die Mehrheit der Störche, so Preusch, zieht über zwei Wege: Die „Westzieher“ fliegen bei Gibraltar über das Mittelmeer, um in Westafrika vom Senegal bis zum Tschadsee den Winter zu verbringen. Die „Ostzieher“ fliegen über den Bosporus, das Jordantal und die Sinaihalbinsel nach Afrika. Von dort aus geht der Zug weiter in Richtung Ostafrika.
Der Storch ist zweifelslos ein Sympathieträger, vielerorts gilt der Weißstorch auch als Glücksbringer. Und wie wir alle wissen, ist es der Klapperstorch, der die kleinen Kinder bringt. Michael Preusch hat dazu auch einen entsprechenden Vorschlag: „Es wäre einfach wunderbar, wenn wir auf der Heidelberger Frauenklinik eine Storchenplattform anbieten könnten“. Na, das würde doch wirklich passen.

Infokasten Weißstörche
Weißstörche sind 80 bis 100 cm lang und haben eine Flügelspannweite von etwa 200 bis 220 cm und haben trotz ihrer Größe ein Gewicht von gerade einmal etwa 2,5 bis 4,5 Kilogramm. Bis auf die schwarzen Schwungfedern ist das Federkleid blütenweiß. Schnabel und Beine sind rötlich. Die Stimme des Weißstorchs ist sehr schwach ausgeprägt. Er verständigt sich durch Klappern mit dem Schnabel. Das beeindruckende Balzritual etwa geht mit ausgiebigen, gemeinsamen Schnabelklappern einher, dabei wird der Hals weit nach hinten gebogen. Geklappert wird aber auch zur Begrüßung des Partners am Nest und zur Verteidigung gegen Nestkonkurrenten.

Quelle: PM Zoo Heidelberg