Zoo Heidelberg: Sumatratiger „Asim“ ist nicht mehr alleine

Foto: Zoo Heidelberg / Bianca Weißbarth, Tierpflegerin im Robben- und Raubtierrevier.

Mit der Ankunft des gut einjährigen Tigerweibchens „Tila“ aus dem britischen Zoo Chester lebt nun wieder ein junges Sumatratiger-Paar am Neckar.
Tila traf am Samstag, 24. November wohlbehalten im Zoo Heidelberg ein. „Sie hat ihr neues Gehege ohne jede Aufregung betreten, gleich am ersten Tag gefressen und sich dann für die Nacht in ihre Schlafbox zur Ruhe gelegt“, berichtet Jörg Kubacki, Revierleiter bei den Raubtieren im Zoo Heidelberg.
Ebenso wie Tigerkater Asim, der im Sommer vom Zoo Frankfurt an den Neckar zog, steht auch Tila in der Anfangszeit ganztägig ein abgetrenntes Innengehege und eine gemütliche Schlafbox zur Verfügung, um ihr zu jeder Zeit einen sicheren Rückzugsort zu bieten. Das ist wichtig, betont Kubacki, „denn das junge Tigerweibchen braucht Zeit, um die vielen neuen Eindrücke, Geräusche und Gerüche in Ruhe zu verdauen.“ Für Besucher ist sie bislang nur ab und an zu sehen, da sie sich zum Schlafen noch in die Schlafbox zurückzieht. Dort ist eine Kamera installiert, so dass Besucher die meist auf dem Rücken liegende und sich wohlig räkelnde Tila auf dem Bildschirm beobachten können.

In den Wochen vor ihrer ersten direkten Begegnung können Asim und Tila sich sehen, hören und riechen und haben Kontakt durch das so genannte „Schmusegitter“, das die beiden Innengehege voneinander trennt. Dieser Kontakt geschieht vor allem in Form von „Pruscheln“, ein für Tiger typisches und erstaunlich zart vorgetragenes Begrüßungsschnauben, das sie ausschließlich an Artgenossen richten, die sie mögen. „Asim und Tila haben sofort sehr positiv aufeinander reagiert“, freut sich Kubacki, „das ist ein ausgesprochen gutes Zeichen für die kommende Zusammenführung“. Das Verhalten der beiden wird von ihren Pflegern nun intensiv studiert und wenn man die jungen Tiger so beim „Pruscheln“, das von leisem Maunzen begleitet wird, beobachtet, sind das schon recht bewegende Momente. Dass man die beiden dennoch nicht sofort zusammen lässt, hat gute Gründe. Tiger sind gewöhnlich Einzelgänger und leben in einem mit Urin, Kot oder Kratzspuren markiertem Revier. Ein erstmaliges Zusammentreffen ohne vorhergehende Eingewöhnung in ein neues Gehege und damit in ein neues Revier kann in bösen Kämpfen enden, selbst bei Männchen und Weibchen.
Wann es soweit ist, dass beide zum ersten Mal gemeinsam auf der großzügigen Außenanlage zu sehen sind, hängt ganz vom Verhalten der Tiger ab. Jörg Kubacki ist ein erfahrener Raubtierpfleger und entscheidet mit seinen Reviermitarbeitern, wann erstmalig der Schieber zum Außengehege geöffnet wird. „So schnell und entspannt wie Tila sich eingewöhnt und so liebevoll, wie Asim seine Mitbewohnerin begrüßt, kann das schon in zwei bis drei Wochen sein“, erklärt Kubacki. Zunächst darf Tila in wenigen Tagen alleine das sogenannte „Spielzimmer“ auf der Außenanlage erkunden, während Kater Asim sich derweil im abtrennbaren Dschungelgehege aufhält.
Mit Asim und Tila möchte der Zoo Heidelberg dazu beitragen, diese schönen und seltenen Tiere zu erhalten. Die beiden sind für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm wertvolle Tiere, da der Sumatratiger – die kleinste noch lebende Unterart des Tigers – in seiner Heimat stark von der Ausrottung bedroht ist. Hauptgründe sind der Lebensraumverlust, der Rückgang ihrer Beutetiere sowie leider nach wie vor die Wilderei. Der Bestand dieser eleganten Tiere wird in ihrem natürlichen Lebensraum nur noch auf 400 Tiere geschätzt. In europäischen Zoos leben etwa 100 Sumatra-Tiger, die alle in einem Zuchtbuch des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms zentral geführt werden. Auf diesem Weg wird Nachzucht und der Austausch zwischen den einzelnen Zoos organisiert.

Quelle: PM Zoo Heidelberg