Zoo Leipzig muss Haltung der Muntjaks aufgeben

Aufgenommen im Tierpark Hellabrunn 2012 – Foto:M.Schmid/zoogast.de

Der Zoo Leipzig muss die Haltung der Muntjaks aufgeben: Die EU hat eine Liste invasiver Arten definiert und per gesetzlich geltender Verordnung die Abgabe und Zucht von derzeit 37 Arten – inklusive der Chinesischen Muntjaks – untersagt. Die seit langem geplante Abgabe der Muntjaks ist somit nicht mehr gestattet. Ohne ein erlaubtes Zuchtmanagement ist jedoch auch die artgerechte Haltung der Muntjak-Gruppe nicht möglich, da die Fortpflanzung für einen gesunden Bestand, der nicht natürlich ausdünnt und ein einzelnes Tier übrig lässt, zwingend notwendig ist. Der Zoo befindet sich in einem Konflikt zwischen EU-Verordnung und dem Tierschutz, da sich beides gleichzeitig nicht umsetzen lässt.

Nach Prüfung aller Optionen unter Beachtung der gesetzlichen Bedingungen und unabhängig von den räumlichen Gegebenheiten ist die Entscheidung gefallen, die Haltung der Muntjaks aufzugeben. Zuchtfähige männliche Tiere sind bereits nicht mehr in der Gruppe enthalten. Die verbliebenen Tiere werden bis auf Weiteres im Zoo Leipzig gehalten und perspektivisch für die artgerechte Fütterung der Raubtiere geschlachtet. Die Verfütterung von geschlachteten Tieren ist grundsätzlich Bestandteil der artgemäßen Ernährung von Raubtieren. „Mit der getroffenen Entscheidung wird der EU-Verordnung und gleichermaßen dem Tierschutz entsprochen. Ich bedauere sehr, dass es keine andere Lösung gibt. Wir sind allerdings gezwungen, uns an geltendes Recht zu halten“, erklärt Zoodirektor Prof. Jörg Junhold.

Der Zoo Leipzig wird sich gemeinsam mit den betroffenen deutschen und internationalen Zooverbänden auch weiterhin intensiv dafür einsetzen, dass Zoos spezielle Genehmigungen erhalten, die es ihnen ermöglichen, sogenannte invasive Arten auch künftig artgerecht zu halten und den Besuchern nahezubringen. Die EU-Verordnung zu den invasiven Arten zum Schutz der heimischen Fauna und Flora im Freiland ist grundsätzlich sinnvoll, jedoch müssen Zoos in die Lage versetzt werden, weiterhin Artenvielfalt zu zeigen und damit ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen und ihrem Bildungs-, Artenschutz- und Forschungsauftrag zu entsprechen. Diesem Anliegen folgt auch ein Antrag der CDU- und SPD-Fraktionen im Sächsischen Landtag, der derzeit intensiv beraten wird.

Der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) betont, dass die EU-Verordnung zu Invasivarten alle Tierhalter in Europa – ob privat, Zoos oder Tierheime – vor große tierschutzrechtliche Herausforderungen stellt. Daher setzt sich der VdZ seit langem dafür ein, dass Zoos alle Tierarten weiterhin halten, züchten und transportieren dürfen, welche gemäß der EUVerordnung als gebietsfremde, invasive Tierarten gelistet werden.

Quelle: PM Zoo Leipzig

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