Zoo Osnabrück: Elefanten aus Emmen kommen nicht!

Foto: Zoo Emmen

Die vier Asiatischen Elefanten aus dem Tierpark Emmen werden doch nicht in den Zoo Osnabrück umziehen können. Grund dafür sind die letzten Ergebnisse von vorgeschriebenen Gesundheitstests. Asiatische Elefanten werden dennoch bald am Schölerberg leben.

„Wir mussten leider die Notbremse ziehen und die Transportvorbereitungen stoppen“, berichtet der Osnabrücker Zoodirektor Prof. Michael Böer bei der Pressekonferenz. „Bei den letzten vorgeschriebenen Gesundheitsuntersuchungen der Tiere wurde festgestellt, dass zwei der Elefanten Antikörper gegen Tuberkulose aufweisen. Sie sind zwar nicht akut krank, aber im Sinne unsererTiere sowie unserer Mitarbeiter mussten wir diese Entscheidung treffen“, so Prof. Böer. Da die vorgeschriebenen Gesundheitstests maximal vier Wochen alt sein dürfen, bevor der Transport stattfindet, konnte dieser Befund vorher nicht entdeckt werden. „Es gab auch keinerlei Anzeichen oder Historie bei den Dickhäutern, die einen möglichen Verdacht hätte wecken können. Der Befund ist sowohl für die Emmener Kollegen als auch für uns sehr überraschend und natürlich traurig“, bedauert Böer. Denn die Emmener Tiere benötigen dringend ein neues Zuhause und in Osnabrück hätte mit dem Elefantenbullen Luka aus dem spanischen Bernidorm eine Zuchtgruppe entstehen können. „Ob wir Elefanten aus Emmen zu einem späteren Zeitpunkt übernehmen werden, können wir im Moment noch nicht sagen.“

Alternativen werden bereits erarbeitet
Martin van Wees, Zuchtbuchkoordinator für Asiatische Elefanten aus dem Zoo Rotterdam, stimmt Prof. Böer zu: „Es ist richtig, dass der Zoo Osnabrück die Emmener Elefanten zu diesem Zeitpunkt nicht nimmt. Die Emmener Kollegen müssen zunächst den Befund bei ihren zwei Elefanten genauer überprüfen. Das kann Wochen oder Monate dauern.“ Deswegen arbeiten die Elefanten-Experten bereits an einem anderen Weg, am Osnabrücker Zoo eine Zuchtgruppe Asiatischer Elefanten aufzubauen: „Wir stehen mit allen Zoos, die Asiatische Elefanten halten, in Kontakt. Sobald passende Kühe ein neues Zuhause suchen, ist Osnabrück an erster Stelle. Bis dahin können wir hier sehr gut einigen Jungbullen ein Zuhause bieten. Auch für diese suchen wir regelmäßig neue Unterkünfte, wenn sie von ihrer Familie weg müssen“, so die Pläne des Zuchtbuchkoordinators. Die Entscheidung wird in den kommenden Wochen fallen. „Nach Ostern wissen wir mehr, wir werden über kurz oder lang hier eine Zuchtgruppe aufbauen“, ist Böer überzeugt.

Elefantenbulle Luka kommt
Sicher ist jedoch die Ankunft von Elefantenbulle Luka aus dem spanischen Benidorm. „Sobald wir alle Umbauarbeiten im Elefantenbullenstall und auf der Anlage abgeschlossen haben, wird Luka kommen. Spätestens im Mai sollte er eintreffen“, schätzt Prof. Böer. Bis Luka einzieht, können die Besucher den Afrikanischen Elefantenbullen Tutume beobachten. „Tutume bleibt bis dahin bei uns. Er ist zurzeit in einem Alter, in dem auch Elefantenbullen in freier Wildbahn alleine durch die Steppe ziehen. Er ist viel mit sich selbst beschäftigt und vermisst deswegen keine zusätzliche Gesellschaft“, berichtet Böer. Sobald sich die Ankunft von Luka abzeichne, reise Tutume in einen kanadischen Zoo: „Die Einreisegenehmigung wird voraussichtlich in zwei bis drei Wochen vorliegen.“ Hätten die Afrikanischen Elefantenkühe Sabi und Matibi dann doch am Schölerberg bleiben können? „Die mit dem Zuchtbuchkoordinator getroffene Entscheidung, Sabi und Matibi zu passenden Partnern nach Toulouse abzugeben, war richtig und wichtig. Hier können sie sich noch besser weiter entwickeln und Matibi hat die Chance Mutter zu werden“, ist Böer überzeugt. „Die Emmener Tiere benötigen zwar dringend ein neues Zuhause, aber auch ohne ihr Kommen wäre diese Entscheidung gemeinsam mit den Zuchtbuchkoordinatoren des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms so
getroffen worden.“

Aufsichtsrat begrüßt verantwortungsvolle Entscheidung
Im Namen des Zoovereins dankt Reinhard Sliwka, Aufsichtsratsvorsitzender der Zoo Osnabrück gGmbH und Präsidiumsmitglied der Zoogesellschaft Osnabrück e.V., Zoodirektor Böer für das Engagement bei der Elefantenhaltung: „Die Elefantenproblematik hier am Schölerberg zu lösen ist nicht einfach. Das Vereinspräsidium und der Aufsichtsrat sind froh, dass Professor Böer die ersten Schritte geschafft hat und ich bin sicher, dass wir bald einen guten Weg gefunden haben, um langfristig Elefanten bei uns züchten zu können.“ Karin Bruchhausen, zweite stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Tierärztin, stimmt Sliwka zu: „Die Entscheidung, den Elefantentransport jetzt zu stoppen, ist besonnen und tierärztlich verantwortungsvoll. Auch wenn die Emmener Tiere jetzt nicht krank sind, müssen erst weitere Tests durchgeführt werden.“

Mit dem Wechsel von Afrikanischen auf Asiatische Elefanten möchte der Zoo einen Beitrag zur Arterhaltung der stark gefährdeten Tierart leisten, denn in freier Wildbahn leben nur noch zwischen 25.000 und 35.000 Asiatische Elefanten. „In den Europäischen Zoos läuft die Zucht gut und es fehlen nur noch zwei Zoos, um eine genetisch stabile Population unabhängig von der ökologischen Entwicklung in Asien aufzubauen. Wir werden bald einer davon sein“, ist Böer überzeugt.

Quelle: PM Zoo Osnabrück