Zoo Osnabrück: Elefanten reisen nach Italien

Miry und Betty auf Reise: Ganz selbstverständlich gehen Betty (links) und Miry (rechts) schnurstracks in den Transport-LKW, der sie ins süditalienische Fasano bringt. – Foto: Zoo Osnabrück / Lisa Josef

Die Elefantenkühe Miry und Betty, die im Februar 2011 in den Zoo Osnabrück kamen, machten sich heute auf den Weg nach Fasano in Süditalien – bequem, warm und sicher in einem großen Transporter.

Aufregung gepaart mit Wehmut herrschte am Freitagmorgen im Elefantenrevier des Osnabrücker Zoos: Die beiden ehemaligen Zirkuselefanten Miry (31 J.) und Betty (28 J.) sollten in ihr neues Zuhause in den Tierpark Zoosafari in Fasano (Italien) reisen. Der große Transportlader, der den beiden Kühen von
ihren vielen Reisen in ihrem früheren Zirkusleben bekannt war, stand um 8 Uhr bereit. Ein Weg aus Sand führte über die mit Schnee bedeckte Elefantenanlage, um den Tieren den Gang vom Elefantenhaus in den Transporter so einfach wie möglich zu machen.

Der Abschied fällt schwer
Nachdem Amtstierärztin Dr. Jutta Breuer vorher bestätigt hatte, dass Miry und Betty gesundheitlich transportfähig sind und der Laster den beiden genügend Platz bietet, kam um viertel vor zehn das Startzeichen: „Komm Miry, komm Betty“, rief der ehemalige Halter und Zirkusdirektor Francois Meise
über die Osnabrücker Elefantenanlage seinen früheren Schützlingen zu. Meise war extra gekommen, um die Tiere auf ihrer Reise zu begleiten. Und worauf alle Zoomitarbeiter gehofft hatten, geschah dann auch: „Die beiden Kühe folgten dem Ruf und stiegen wie selbstverständlich in den Transporter. Sie kennen das natürlich von früher und verbinden damit auch nichts Negatives“, erklärt Revierleiter und langjähriger Elefantenpfleger Detlef Niebler. Im warmen Transporter erwartete die beiden eine große Ladung Heu und zwei
leckere Brötchen zur Belohung. Zehn Minuten später rollte der Transporter schon aus dem Zootor gen Italien heraus, während die Tierpfleger zwar erleichtert nach dem guten Verlauf aber dennoch ein wenig traurig hinterher schauten.

Auch Elefanten können Kommunikationsprobleme haben
Der Zoo Osnabrück hatte sich schweren Herzens dazu entschlossen, für die beiden ehemaligen Zirkuselefanten ein neues Zuhause zu finden, wie Niebler erklärt: „Wir hatten gehofft, dass sich die beiden neuen Elefanten und unsere drei alteingesessenen Osnabrücker Dickhäuter Sabi, Matibi und Tutume
zu einer Familie zusammenschließen. Die älteren Kühe sollten, wie in freier Wildbahn üblich, die Tanten der jungen Kuh Matibi werden und bei einer späteren Jungenaufzucht helfen.“

Doch ähnlich wie in Menschenfamilien kann es auch bei Elefanten Kommunikationsprobleme geben: „Betty und Miry kannten keine anderen Elefanten und sind sehr stark auf Menschen fixiert. Sie können mit den
anderen Elefanten nicht kommunizieren und kommen immer sehr forsch und schnurstraks auf die anderen zu. Matibi, die jeden um den Finger wickeln kann, kommt damit klar. Sabi und Tutume jedoch nicht.“

Und so sei es immer wieder zu Missverständnissen und Reibereien zwischen den beiden Gruppen gekommen, weswegen der Zoo sie habe getrennt halten müssen. „In Italien haben die beiden nun nicht nur ein milderes Klima für ihren Ruhestand, sondern auch eine schöne große Anlage, wo sie unter sich bleiben können“, so Niebler.

Zoo arbeitet weiter an Elefantenhaltung
Sabi, Matibi und Tutume müssen zwar weiter dem norddeutschen Winter trotzen, dafür kann Jungbulle Tutume nun wieder in seinen Junggesellenbereich einziehen, den die Damen beschlagnahmt hatten: „Tutume braucht als junger Bulle mehr Rückzugsmöglichkeiten von den Kühen. Auch in freier Wildbahn sind die männlichen Elefanten Einzelgänger. Diesem natürlichen Verhalten müssen wir auch hier im Zoo gerecht werden“, erläutert Zoodirektor Prof. Michael Böer.

Deswegen überlege der Zoo auch, wie es in Zukunft mit der Elefantenhaltung weiter geht – zum Wohle der Elefanten sowie passend zur gesamten Masterplanung im Zoo. „Wir wollen den Zootieren ermöglichen, sich
fortzupflanzen, da es für sie wichtige Erfahrungen sind. Gleichzeitig leisten wir damit einen Beitrag zum Artenschutz. Die 13jährige Matibi ist bereits fortpflanzungsfähig, deswegen müssen wir schauen, wie wir ihr ermöglichen können, auch ein Baby zu kriegen“, so Prof. Böer. Dafür versuche der Zoo in den nächsten Monaten eine Lösung zu finden.

Quelle: PM Zoo Osnabrück