Zoo Osnabrück: Neuer Zoodirektor

Links Revierleiter Bären, Thorsten Vaupel, rechts Michael Böer – Foto: Önder Al / Zoo Osnabrück

Der Zoo Osnabrück hat ab seitdem 1. Juni 2012 einen neuen Zoodirektor: Prof. Dr. Michael Böer, bislang zoologischer Leiter und Zootierarzt im Serengeti Park, übernimmt den Posten von Vorgängerin Dr. Susanne Klomburg, die zum 31. Mai in den Vorruhestand ging.

Einen Tag vor seinem ersten offiziellen Arbeitstag hat der 57 Jahre alte Veterinärmediziner Michael Böer seine Projekte im Zoo Osnabrück genau im Blick: „Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt in den nächsten 12 Monaten auf dem so genannten Behavioural Enrichment, also der Beschäftigung der Zootiere. Das heißt, ich werde mir gemeinsam mit den Tierpflegern Möglichkeiten überlegen, wie wir für die Tiere mit anregenden
Aktionen oder interessanter Gehegegestaltung Abwechslung schaffen. Das können bestimmte Pflanzen, Steine, Wurzeln oder ein scheinbar unerreichbares Stück Fleisch sein. Derartige Aktionen regen die Tiere positiv an und steigern ihr Wohlbefinden. Gleichzeitig sehen die Besucher das Tier in Bewegung, sodass wir ihr Interesse für Tiere und Natur wecken.“

Auch Nachwuchs bedeute Abwechslung, deswegen sei beispielsweise eine Weiterentwicklung der Nashorn- und Elefantengruppe notwendig. „Sich fortzupflanzen oder seine Jungtiere groß zu ziehen, bringt wichtige
natürliche Verhaltensweisen für die Tiere mit sich. Deswegen wollen wir die Zusammenstellung der Gruppen so verändern, dass die Weibchen Nachwuchs bekommen können – im Moment herrscht hier eher Freundschaft unter Geschwistern, was für Kindersegen eher hinderlich ist“, beschreibt Böer.

Für die Tierhaltung plane der Tiergartenbiologe eine Ethikkommission aus Zoomitarbeitern und externen Mitgliedern, wie Mitarbeitern der Veterinärbehörde, einzurichten: „Mir ist es wichtig, dass wir uns mit Themen wie artgerechter Tierhaltung oder dem neuen Tierschutzgesetz beschäftigen und als moderner Zoo Impulse und Ideen liefern.“ Auch im Bereich der Tiermedizin will Böer neue Wege gehen: „Mit der westlichen, klassischen Tiermedizin stoßen wir manchmal an Grenzen. So können Verfahren aus der
Homöopathie und Naturheilkunde auch in der Zootiermedizin Verwendung finden, um beispielsweise die allgemeine Immunabwehr zu optimieren.“

Doch erstmal heißt es, die neue Zoomannschaft kennenzulernen: Dreh- und Angelpunkt ist die morgendliche Runde durch alle Zooreviere. „Hier kann ich alle Mitarbeiter und ihre Tiere kennen lernen, Probleme besprechen und diese im persönlichen Gespräch gemeinsam mit ihnen lösen.“ Böer ist ein Team-Mensch und freut sich auf die Zusammenarbeit mit seinen vier engsten Kollegen, dem Tierarzt Thomas Scheibe, dem Zooinspektor Hans-Jürgen Schröder und den wissenschaftlichen Mitarbeitern Tobias Klumpe und Andreas Wulftange, die ihn bei den zahlreichen Projekten unterstützen, und natürlich auf die Tierpfleger: „Wir können den Zoo nur gemeinsam voranbringen. In meinen ersten Gesprächen habe ich gemerkt, wie motiviert die Mitarbeiter sind, dass sie eigene Ideen einbringen möchten und sich für ihre Tiere einsetzen.“

Dem passionierten Sportler – am liebsten sind ihm Wassersportarten wie Wellenreiten oder Schwimmen – liegen auch Arten- und Naturschutzthemen am Herzen: „Wir wollen auch außerhalb des Zoos mit unserem Know-how helfen, die Europäischen Zuchtprogramme zur Arterhaltung von bedrohten Tierarten unterstützen und mit Sonderaktionen, wie beispielsweise einer Wolfsnacht, Spenden für Projekte in freier Natur sammeln.“ Schwerpunktländer beim Artenschutz in freier Wildbahn seien Südamerika mit dem bereits bestehenden Tapirprojekt „Tayja Saruta“, Afrika und Europa. So wolle er auch bei der Wiederbesiedelung verwaister Biotope helfen – und zwar mit Tierarten, die hier im Zoo leben, wie dem Feldhamster, dem Europäischen Nerz oder dem Europäischen Luchs. „Wichtig ist mir dabei, dass wir unsere Projekte auch im
Zoo erlebbar machen, zum Beispiel durch unsere Zooschule. Auch das Wissen der Studenten, die bei uns ihre Master- oder Bachelorarbeiten schreiben, können wir für die Besucher zugänglich machen, vielleicht mit Kurzvorträgen im Zoo.“ Er wolle keine Forschung im Elfenbeinturm, sondern die Forschungsergebnisse im Zoo bei den Tieren anwenden und verständlich für die Zoobesucher aufbereiten.

Am Osnabrücker Zoo begeistert ihn neben der schönen Waldkulisse die Savannenlandschaft Takamanda: „Die Tierauswahl ist identisch mit der freien Natur und die tolle Gestaltung als Biotopausschnitt macht die Tiere für die Besucher besser verständlich. Wenn man an einem lauen Sommerabend die Hyänen beobachtet, fühlt man sich wie in Afrika.“ Der neue Zoodirektor muss es wissen – schließlich bereist er den Kontinent regelmäßig. Auch die Affen wie Schimpansen, Mantelpaviane oder Klammeraffen begeistern Böer. „Außerdem gibt es im Zoo viel versprechende Ansätze der gemeinsamen Tierhaltung wie bei den Warzenschweinen und Mangaben. Gemeinsam mit dem Zoo-Team möchte ich überlegen, wo derartige Vergesellschaftungen noch möglich sind.“

Böer freue sich hinsichtlich der weiteren Masterplanung im Zoo mit neuer Tiger- und Menschenaffenanlage auch auf die Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Andreas Busemann und darauf, die Entwicklung des Zoos
mitzugestalten: „Der Zoo Osnabrück ist dank seines Aufsichtsrats und Geschäftsführers in Sachen Marketing, Finanzierungskonzepten und organisatorischen Strukturen einmalig aufgestellt. Was hier geleistet wurde und noch geplant ist, hat mich sehr beeindruckt.“

Auch die neue Heimat Osnabrück gefällt dem aus der Lüneburger Heide zugezogenen Tierfreund, der natürlich auch ein Haustier – Hund „Barney“ – hat, sehr gut: „Osnabrück hat Charme. Die Stadt hat die Vorzüge einer Großstadt mit Kultur und Einkaufsmöglichkeiten sowie eine wunderschöne Altstadt, aber auch die Vorteile einer kleineren Stadt mit kurzen Wegen sowohl in die Stadt als auch raus ins Grüne.“

Wer Michael Böer im Zoo trifft und eine Frage zu den Zootieren hat, kann ihm diese übrigens gerne stellen: „Ich sehe es als meine Aufgabe zwischen Mensch und Tier zu vermitteln. Das ist sowohl unsere Pflicht gegenüber den Tieren, die bei uns leben, als auch gegenüber unseren zahlenden Besuchern. Sprechen
Sie mich also gerne an.“

Quelle: PM Zoo Osnabrück