Zoo Osnabrück trauert um Schimpansin Zamana

Schimpansenweibchen Zamana – Foto: Zoo Basel

Chronisches Leiden führte zu Kreislaufversagen
Die Mitarbeiter des Osnabrücker Zoos trauern um Schimpansin Zamana, die letzte Woche von Basel nach Osnabrück zog. Sie wurde Montagmorgen tot aufgefunden. Die Autopsie wies eine chronische Veränderung von Niere und Lunge auf.

„Der Todesfall von Zamana hat uns völlig unerwartet getroffen und erschüttert uns“, berichtet „Takamanda“-Revierleiter und Schimpansenexperte Wolfgang Festl. Schimpansin Zamana war am vergangenen Mittwochabend im Zoo Osnabrück aus Basel eingetroffen, nachdem die Osnabrücker Menschenaffen Kisha und Kume gen Basel und Leipzig aufgebrochen waren. Seit dem hatte der Tierpfleger jede Minute im Schimpansenhaus verbracht – nachts schlief er auf einer Liege im Tierpflegergang. Festl besprach jeden Schritt der Zusammenführung mit einem Tierpfleger aus Basel, der Zamana kannte.
„Die Zusammenführung von Schimpansen ist nicht einfach. Auch in der Wildbahn gibt es dabei jede Menge Auseinandersetzungen, denn die Menschenaffen sind sehr emotional und werden auch handgreiflich“, beschreibt Festl. Das Kennenlernen lief laut Festl für Schimpansen normal: „Natürlich gab es auch Geschrei und die ein oder andere heftige Auseinandersetzung – aber für die lebhaften Schimpansen war das alles im Rahmen. Chef Tatu war Zamana auch recht freundlich gesonnen und noch am Sonntag kam unsere Schimpansin Vanessa zu Zamana zur Fellpflege, das sogenannte Groomen.“ Zamana wirkte ruhig, schlief nachts und fraß regelmäßig. Festl fand das Tier am Montagmorgen um fünf Uhr leblos im Schlafbereich. Eine Herzlungenmassage blieb erfolglos.

Chronische Veränderungen von Lunge und Niere
Die Autopsie wurde an der Tierärztlichen Hochschule Hannover durchgeführt, wie der Osnabrücker Zoodirektor Prof. Michael Böer erläutert: „Die Testergebnisse lagen am späten Mittwochnachmittag vor und zeigten eine chronische Veränderung von Lunge und Niere sowie geschwollene Lymphknoten. Das bedeutet, dass der Organismus des Tieres bereits geschwächt war, als Zamana bei uns ankam. Der Zustand war jedoch klinisch nicht auffällig, sodass weder die Baseler Kollegen noch wir etwas feststellen konnten.“ Die neue Situation in Osnabrück habe dann dazu geführt, dass Zamana an einem Kreislaufversagen gestorben ist.
Auch wenn die Zusammenführung verschiedener Schimpansen eine Herausforderung ist, so sei sie dennoch wichtig, betont der Experte: „Westafrikanische Schimpansen sind eine stark bedrohte Tierart. Wir Zoos sind dafür verantwortlich mit professionellem Zuchtmanagement für den Erhalt der Tierart zu sorgen. Deswegen ist es eine essenzielle Aufgabe, die Tiere zwischen den Zoos zu tauschen, um mit gesundem Nachwuchs die Menschenaffen für unsere Kinder und Enkel zu bewahren. Die dabei stattfindenden Transfers und nachfolgenden Eingewöhnungen verlaufen nie ohne Risiko – ganz so wie in der Wildbahn, wenn ein junges Schimpansenweibchen ihren Elternverband verlässt und sich auf der Suche nach einem Partner in fremdes Territorium begibt.“ Der Zoo stand in den letzten Tagen eng in Kontakt mit dem Zoo Basel, um das Geschehene zu besprechen. „Auch die Kollegen in Basel sind traurig, wissen aber, das so etwas passieren kann – auch bei bester Vorbereitung und Betreuung“, so Böer.
Eine positive Nachricht: Dem Osnabrücker Schimpansen Kume geht es in seiner neuen Heimat in Basel bislang gut. Das dortige Männchen Eros hat den jungen Erwachsenen unter seine Fittiche genommen.

Information zur Schimpansenanlage im Zoo Osnabrück
Die Osnabrücker Schimpansenanlage in der afrikanischen Tierwelt „Takamanda“ wurde 2010 eröffnet und gehört zu den größten Schimpansenanlagen in Europa. Die Außenanlage misst circa 3.000 Quadratmeter, das Innengehege über 500 Quadratmeter. Sogar der klinische Psychologe Colin Goldner, der Menschenaffenanlagen kritisch untersuchte, bezeichnete die Schimpansenanlage für Zooverhältnisse als „Traum“. Die Tiere haben dank der großen Fläche, unterschiedlicher Ebenen und Kletterbäume viele Möglichkeiten sich zurückzuziehen oder sich gegenseitig aus dem Weg zu gehen. Eine sehr intensive und abwechslungsreiche Bepflanzung mit Kräutern, Sträuchern und Bäumen beschäftigt die Tiere.

Quelle: PM Zoo Osnabrück