Zoo Osnabrück: Weniger Tiere als im Vorjahr gezählt

Die Fische im Tetra-Aquarium sind schwer zu zählen – hier muss der Tierpfleger schätzen. – Foto: Zoo Osnabrück / Lisa Josef

In den letzten Wochen hatten die Tierpfleger im Zoo Osnabrück eine ganz
besondere Aufgabe: Sie mussten ihre Tiere für die jährliche Inventur zählen.
Zwei Tiere gehören leider nicht mehr dazu: Tapirmann Ernesto (21 Jahre) und
Tigerin Thiki (20 Jahre) verstarben.

2.908 Tiere aus 297 Arten zählte Andreas Wulftange, wissenschaftlicher
Mitarbeiter im Zoo Osnabrück und zuständig für die tierische Bilanz, zum
Abschluss der Inventur: „Die größte Artenvielfalt haben wir bei den
Säugetieren mit 84 verschiedenen Arten und 560 Individuen. Die meisten
Individuen finden sich jedoch bei den Fischen: 1.487 Fische aus 78 Arten
leben in unserem Tetra-Aquarium.“ Gerade bei den Fischen und Vögeln ist die
jährliche Inventur eine Herausforderung für die Tierpfleger: „In Gehegen mit
vielen, aktiven Tieren, wie zum Beispiel bei der Sichler-Voliere, stehen wir
mit bis zu drei Tierpflegern davor. Jeder zählt dann in einem anderen
Gehegebereich und anschließend addieren wir die jeweiligen Ergebnisse“,
beschreibt Wulftange den Vorgang. Bei den Fischen müsse auch schon mal
geschätzt werden.

Letzte Tigerin im Osnabrücker Zoo verstorben

Zwei beliebte Tierpersönlichkeiten musste der Zoo leider aus seiner
Bestandsliste nehmen: Tapirmann Ernesto verstarb im Alter von fast 22 Jahren
am 15.01.2013 und Tigerfrau Thiki musste im hohen Alter von fast 21 Jahren
am 30.12.2012 eingeschläfert werden: „Thiki zeigte keinerlei Lebenswillen
mehr und ihre Kräfte schwanden von Tag zu Tag“, berichtet Zoodirektor Prof.
Michael Böer. Nachdem die altersschwache Tigerin fünf Tage keine Nahrung
aufnahm, beendeten die Zoomitarbeiter schweren Herzens ihr Leiden. „Da im
Zoo natürliche Feinde fehlen und die Tiere medizinisch versorgt werden,
erreichen Zootiere in der Regel ein sehr hohes Alter – somit haben wir aber
auch die Verantwortung, sie zu erlösen, wenn es die Umstände erfordern.“
Thiki kam 2010 gemeinsam mit Tigermann Tycho aus Frankreich nach Osnabrück.
Tycho verstarb 2011 im Alter von 16 Jahren an einem Tumor in der Bauchhöhle.

Bis der geplante Umbau der Tigeranlage startet, bleibt sie eine
Seniorenresidenz: Die 34 Jahre alte Braunbärendame Susi, Mutter der
Mischlingsbären Tips und Taps, lebt solange dort. In die neue 1.000
Quadratmeter große Tigeranlage im Stile des Affentempels „Angkor Wat“ werden
im Jahr 2014 zwei Sumatra-Tiger ziehen.

Tapirzucht zur Arterhaltung

Auch Tapir Ernesto erreichte mit fast 22 Jahren ein hohes Alter. „In den
letzten Monaten wollte er nicht mehr fressen und wurde immer dünner. Trotz
intensiver Behandlung durch unseren Zootierarzt mit Infusionen und
Medikamenten verließen ihn schließlich die Kräfte“, berichtete Zoodirektor
Böer. Der Tapirmann verbrachte fast 17 Jahre im Zoo Osnabrück und lebte dort
mit drei Weibchen zusammen. „Ernesto war ein friedlicher Tapir und Vater von
sieben Kindern. Damit hat er zur Arterhaltung beigetragen, denn
Flachlandtapire sind eine gefährdete Tierart, weil ihr Lebensraum, der
Regenwald, zerstört wird. Der Zoo Osnabrück unterstützt deswegen ein
Tapirschutzprojekt in Ecuador finanziell“, so Böer. Der Zoo plane, wieder
einen männlichen Tapir in die Gruppe zu integrieren. Außerdem wird die
Tapirfamilie im Laufe dieses Jahres eine neue, große Außenanlage erhalten,
die sie gemeinsam mit ihren jetzigen Nachbarn, den Guanakos, Wasserschweinen
und Waldhunden, bewohnen wird.

2012 weniger Tiere als 2011

Bei der letzten Inventur Ende 2011 zählte der Zoo Osnabrück übrigens 2.921
Tiere aus 328 Arten. „Wir haben im Vergleich zum Vorjahr in einigen
Bereichen, wie bei den Fischen, Wirbellosen oder Säugetieren, weniger Arten
und Individuen. Einige Tiere sind verstorben, wie unsere Thiki, andere leben
jetzt in anderen Zoos, weil sie dort bessere Zuchtpartner finden, wie
beispielsweise die Gelbkopfschildkröte. Zoos sind untereinander über das
Erhaltungszuchtprogramm vernetzt, um Zootiere für die Arterhaltung zu
tauschen“, erläutert Wulftange. Für 2013 erwarte der Zoo einige Jungtiere,
da in mehreren Gruppen die Zuchtpartner für eine größere genetische Vielfalt
und damit gesunde Tiere ausgetauscht wurden.

Quelle: PM Zoo Osnabrück