Zoo Osnabrück will mit Strategiepapier die Finanzierung neuer Themenwelten ermöglichen

Dank des Strategiepapiers „Zoo Osnabrück 2021“ soll nach „Angkor Wat“ „Nordamerika“ kommen. Dr. Claudio Felten (Geschäftsführer buw consulting) Anthony Sheridan (unabhängiger Zoo-Experte), Burkhard Jasper (Bürgermeister Osnabrück), Reinhard Sliwka (Aufsichtsratsvorsitzender der Zoo Osnabrück gGmbH) und Andreas Busemann (Zoogeschäftsführer) freuen sich auf die neuen Zoo-Projekte. – Foto: Zoo Osnabrück / Lisa Josef

Cash-Flow, Investitionspläne, Real-Case-Szenarien – an diese Begriffe denkt wohl kaum jemand bei einem Zoobesuch. Doch auch ein Zoo ist ein Wirtschaftsunternehmen. Der Zoo Osnabrück will nun mit einem neuen Strategiepapier die Finanzierung neuer Themenwelten ermöglichen.

Beim gestrigen Zoo-Förderkreistreffen im Rathaus Osnabrück mit circa 120 anwesenden Sponsoren präsentierte  Zoo-Geschäftsführer Andreas Busemann erstmals das von ihm erarbeitete Strategiepapier „Zoo Osnabrück 2021“. Das
Konzept soll die Finanzierung der nächsten Bauvorhaben, wie einer Nordamerika-Landschaft oder die Umgestaltung des Elefantenparks, mithilfe von Wirtschaftlichkeitsberechnungen und verschiedenen Entwicklungsszenarien stützen: „Wir machen damit die geplante Erlös- und Aufwandsentwicklung in allen Positionen komplett transparent – inklusive entsprechender
Erläuterungen der bisherigen Entwicklung sowie der künftigen Planungsszenarien“, so Busemann. „So wird beispielsweise deutlich, dass wir bei einem Cash-Flow von mindestens jährlich 400.000 Euro Kredite für weitere Umbauten bedienen können und die Finanzierung der geplanten Nordamerikalandschaft seriös sicherstellen können.“ Denn im Gegensatz zu anderen Zoos finanziere sich der Zoo größtenteils selbst: Während der Allwetterzoo Münster jährlich 4,1 Millionen Euro erhalte, bekomme der Zoo Osnabrück zurzeit circa 100.000 Euro.

Ansprache von Entscheidungsträgern für Kredite

Mithilfe des Strategiepapiers wolle Busemann nun mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Zoo Osnabrück gGmbH Reinhard Sliwka die Entscheidungsträger in der Stadtverwaltung, im Rat und Innenministerium frühzeitig ins Boot holen. So könne man schon jetzt die ab 2017 geplante Realisierung der Nordamerikalandschaft anhand einer transparenten, seriösen Finanzplanung und der geplanten Entwicklung wichtiger Steuerungsgrößen, wie z.B. des Cash-Flows oder der Liquidität, diskutieren. „Bewahrheiten sich
dann unsere Planungsszenarien, können wir, ohne bei unseren Entwicklungspartnern ‚kalte Füße’ zu erzeugen, in die für die weitere Zooentwicklung lebenswichtige Realisierung der weiteren Masterplanung eintreten. Liegen wir in den vereinbarten Steuerungsgrößen schlechter, müssen wir die Projekte kleiner gestalten, zeitlich verschieben oder gar verwerfen. Liegen wir besser, können wir weitere, kleinere tiergärtnerisch sinnvolle Projekte neben den besucherattraktiven Großprojekten realisieren“, führt Busemann aus.

40 Millionen Euro Mehreinnahmen in den letzten Jahren

Top-Ratings der Banken seien dem Zoo bereits ausgestellt worden und Budgetabweichungen im Promillebereich bei einem Haushalt von sieben Millionen Euro belegen die Seriosität der Planung. „Klar definierte Kennzahlen helfen Außenstehenden sofort die Finanzlage zu erkennen und die geplante Weiterentwicklung als realistisch einzustufen“, erläutert Busemann. Des Weiteren habe der Zoo in den letzten Jahren viel Know-how und Erfahrungen in der Finanzierung von Bauprojekten aufgebaut. „40 Millionen Euro mehr haben wir in den letzten 15 Jahren dank neuer Erlebniswelten und passender Marketingmaßnahmen erwirtschaftet, die wiederum in die Finanzierung der Umbauten fließen. Parallel betreiben wir ein professionelles Aufwandsmanagement“, berichtet Busemann. Personalkosten würden minimiert durch im Vergleich zu anderen Zoos sehr schlanken Strukturen mit einem hoch engagierten aber kleinen Team und alle Aufwandspositionen einem kontinuierlichem Überprüfungsprozess unterzogen. „Allein die neben den Personalaufwendungen zweitgrößte Aufwandsposition, die Energiekosten, konnten im Rahmen unseres ‚Energiesparzoos’ trotz deutlicher Preissteigerungen wesentlich gesenkt werden“, beschreibt Busemann die Situation.

Besucherbefragung mit Bestwerten

Neben Finanzierungskonzepten sind kontinuierliche Besucherbefragungen ein besonders wichtiges Instrument der Zooentwicklung. Diese führt der Zoo mithilfe seines Sponsors der buw Unternehmensgruppe seit drei Jahren durch.
Dr. Claudio Felten, Geschäftsführer der buw consulting, stellte die aktuellen Ergebnisse vor: „Wirklich sensationell ist die
Weiterempfehlungsbereitschaft der Zoobesucher: 88 Prozent würden den Zoo auf jeden Fall weiterempfehlen. Die sogenannte Nettoweiterempfehlungsrate liegt beim Zoo bei 86,4. Kein Unternehmen, auch nicht die jeweils Branchenbesten Firmen, kommen in diesen Bereich.“ Selbst ein Unternehmen wie Apple könne dieses Niveau mit einem Wert von 55 nicht vorweisen. Auch die Verbesserung der Kennzahl um den Wert von 20,6 seit Befragungsbeginn in 2010 sei bemerkenswert. „Der Zoo Osnabrück hat die Aussagen seiner Zoobesucher sehr ernst genommen. Wo Kritik geäußert wurde, hat der Zoo gehandelt. So hat der Zoo für eine bessere Tierpräsentation mehr kommentierte Fütterungen eingerichtet, Hinweisschilder zu den Lieblingsplätzen der Tiere angebracht oder Gehege umgestaltet “, ergänzt Felten. Besonders positiv bewerteten die Befragten die Tiervielfalt, die Gestaltung der neuen Anlagen und die Naturbelassenheit. Kritisiert werden die alten Gehege sowie die Ausschilderung des Rundgangs. „Allerdings gab es 2012 nur 11 Kritiker – bei 901 Befragten. Fast 90 Prozent der Besucher sind zufrieden bis sehr zufrieden mit dem Zoo. Die durchschnittliche Gesamtzufriedenheit liegt aktuell bei 6,24 von möglichen 7 Punkten und konnte innerhalb drei Jahre kontinuierlich gesteigert werden“, so Felten.

Auch im europäischen Vergleich gute Noten

Auch im europäischen Vergleich schneidet der Osnabrücker Zoo gut ab. Anthony Sheridan, unabhängiger Zooexperte, analysiert seit langem die europäische Zoolandschaft und sieht den Zoo am Schölerberg auf Erfolgskurs: „Der Zoo Osnabrück hat im Vergleich zu anderen Zoos eine sehr gute kaufmännische Seite. So schließt der Masterplan auch immer gleich eine seriöse
Finanzplanung mit ein. Das ergibt eine solide Basis für den weiteren Weg“, bewertet Sheridan. Was sich in den letzten Jahren am Schölerberg getan habe, sei beachtlich. „Der Zoo Osnabrück ist im europäischen Vergleich von einem unbedeutenden zu einem sehr bedeutenden Zoo geworden. In den letzten zwei Jahren besuchten ihn circa zwei Millionen Menschen – das sind in etwa so
viele Besucher wie der Londoner Zoo im gleichen Zeitraum hatte, allerdings bei 10 Millionen Einwohnern.“ Der internationale Zooexperte freue sich, dass nun noch die Tigeranlage, das Menschenaffenhaus und auch langfristig der Elefantenbereich umgebaut werden – auch seiner Meinung nach Bereiche, die vergrößert werden müssen.

Große Spendenaktion für Orang-Utan Buschi

Die Bauarbeiten für die modernisierte Tigeranlage im Stil des Affentempels Angkor Wat laufen bereits, wie Busemann berichtet: „Das Zoozentrum wird sich bis 2015 in eine Tempelruine verwandeln – auch das Menschenaffenhaus. Für das neue Zuhause von Orang-Utan Buschi starten wir in diesem Jahr noch eine große Spendenaktion mit dem Medienpartner Neue Osnabrücker Zeitung.“ Der Zoo wolle die gesamte Region hinter Buschi stellen und ihm so ein neues, großes Heim schaffen.

Quelle: PM Zoo Osnabrück