Zoo Osnabrück: 2.213 Individuen aus 291 Arten leben im Zoo

Foto: Simon Pannock / zoogast.de

Während es für die Menschen viele Veränderungen im Corona-Jahr 2020 gab, hielten sich die Veränderungen im Tierreich im Zoo Osnabrück in Grenzen – auf jeden Fall, wenn man auf das Endergebnis schaut. Die Mitarbeiter trugen in den letzten Tagen die Zahlen für die „tierische Inventur“ zusammen, während der Zoo weiterhin geschlossen bleiben muss und mit jedem Tag der finanzielle Druck steigt. Der Zoo gibt deswegen eine besondere Jahreskarte heraus.

„Tatsächlich sind die Zahlen trotz neuer Bewohner – ob Geburten oder Hinzugezogene – unterm Strich relativ ähnlich geblieben. Dennoch kommen und gehen das ganze Jahr über Tiere und Tierarten, zum Beispiel im Rahmen von Zuchtprogrammen“, fasst Katja Lammers, wissenschaftliche Assistentin und zuständig für die Inventur, die Bilanz zusammen. Waren für das Jahr 2019 292 Arten vermeldet, sind es jetzt 291 und insgesamt 2213 Individuen im Vergleich zu 2238 Individuen im Vorjahr (Stand 31.12.2020). Die meisten Vertreter und Arten findet man wie im Vorjahr unter den Fischen: 91 Arten mit 647 Individuen, dicht gefolgt von den Säugetieren mit 82 Arten und 521 Individuen. Darauf folgen die Vögel mit 56 Arten und 348 Individuen. „Auch in den verschiedenen Tiergruppen haben sich die Gesamtzahlen kaum verändert – am ehesten noch bei den Vögeln und Fischen, die zwar von der Artanzahl gleichgeblieben sind, aber weniger Individuen vorweisen. Das liegt unter anderem am Umbau des Amazonasbeckens und an der Abgabe einiger Vogelgruppen. Dafür ist die Anzahl der Individuen bei den Wirbellosen durch neue Korallen und Anemonen angestiegen.“ Das Licht der Welt erblickten 2020 225 Jungtiere. Im vergangenen Jahr neu hinzugekommen sind 15 neue Tierarten, unter anderem das Jemenchamäleon, der Pfaffenhut-Seeigel, der Sternchen-Schleimfisch, der Färberfrosch, das Langschnäuzige Seepferdchen oder der Röhrenaal. In 2020 verabschiedet hat sich der Zoo von 16 Tierarten, unter anderem von den Guerezas (Mantelaffen), dem Blauen Thaiskorpion, den Rußköpfchen, dem Glaswels oder dem Funkensalmler.

Elefantennachwuchs Yaro besonderes Highlight

Zu den besonderen Highlights im vergangenen Zoojahr gehört Elefantenjungtier Yaro, der am 21.12.2020 zur Welt kam und sich sehr gut entwickelt: „Yaro ist wirklich besonders aktiv und neugierig. Er trinkt täglich etwa 15 Liter Milch bei seiner Mutter Douanita, erkundet an ihrer Seite seine Umgebung und war sogar schon mit ihr, seiner Schwester Sita und Bruder Minh-Tan auf der Außenanlage. Auch dort ging er wie selbstverständlich umher und seine Familie zeigte ihm alles“, berichtete Lammers. Yaro ist inzwischen schon knapp einen Meter hoch und wiegt geschätzte 120 Kilogramm. Pro Woche legt der kleine Bulle etwa 10 Kilogramm zu. Eine weitere Besonderheit am 2. Dezember kam in Form eines Pinguinjungtiers: Eltern Melli und Paul fütterten ihren Sprössling leider nicht. Deswegen ziehen die Tierpfleger den Nachwuchs nun per Hand auf, auch weil Humboldt-Pinguine vom Aussterben bedroht sind. „Inzwischen hat das Jungtier sein Gewicht schon mehr als verdreifacht. Anfangs wog es 85 Gramm, jetzt schon 266 Gramm. Zunächst gab es Fischbrei mit Heringsfilet, Salz und Vitaminen, inzwischen schon Sprotte und Hering. Wir wissen noch nicht, ob es ein Junge oder Mädchen ist, das muss noch über einen DNA-Test per Feder untersucht werden. Dann erhält der Kleine auch einen Namen“, so Lammers. Dagegen hat das Pinguinjungtier aus dem Frühjahr bereits einen Namen: Clementine kam im April zur Welt, musste ebenfalls per Hand aufgezogen werden und lebt inzwischen schon wieder mit ihren Artgenossen auf der Pinguinanlage. Viel Aufmerksamkeit zog im Sommer Baumstachlerjungtier Ben auf sich, der seine Eltern und sein Zuhause verließ, um die weitere Zooumgebung zu erkunden. Gefunden wurde er schließlich im Garten einer Anwohnerin. Inzwischen lebt Ben allerdings im Zoo Basel.

Erfolgreiche Zusammenführungen

Erwähnenswert ist außerdem zahlreicher Nachwuchs bei den Wasserschweinen mit insgesamt zehn Jungtieren aus drei Würfen, fünf Welpen bei den Hudson Bay Wölfen, das Zebrajungtier Barbaros oder zwei Küken bei den Balistaren – eine vom Aussterben bedrohte Vogelart. Ein besonderes Rendezvous erfolgte bei den Schwarzbären: „Das Schwarzbärenweibchen Honey, die im Herbst 2019 aus schlechter Privathaltung zu uns kam, hat nun einen Partner: Männchen Spike, der Mitte Mai aus einem Tierpark in Dänemark zu uns reiste. Wir haben uns sehr gefreut, dass die beiden sich so gut verstehen und es ein Happy End für Honey gibt.“ Eine weitere erfolgreiche Zusammenführung vermeldete der Zoo im August bei den Westafrikanischen Schimpansen: „Hier kamen zwei Männchen aus dem Zoo Leipzig zu unseren fünf Weibchen und ihren drei Jungtieren. Gerade bei Schimpansen sind Zusammenführungen eine Herausforderung, aber alles lief gut und die beiden Männchen Lobo und Lome sind sehr gut integriert. Lome ist der Gruppenführer und macht dies jeden Morgen mit viel Lärm deutlich – typisch für Schimpansen. Wir sind gespannt, ob es vielleicht 2021 schon Nachwuchs geben wird“, so Lammers. Weiteren Nachwuchs kündigt sich im neuen Jahr noch bei zwei Dickhäutern an: Die Elefantenkuh Sita und die Nashornkuh Amalie erwarten im Februar beziehungsweise im Frühsommer ihr jeweils erstes Jungtier.

Wie beeinträchtigt Corona die Zoozahlen?

Über das Jahr hinweg fanden durch Corona weniger Tiertransfers, insbesondere internationale Wechsel, statt. Das große Zählen im Tierreich am Jahresende beeinflusste die Pandemie nicht so stark. „Grundsätzlich pflegen wir die Zahlen natürlich tagesaktuell. Am Ende des Jahres tragen wir dann alles gesammelt in unsere Tabelle ein und überprüfen den ein oder anderen Fall nochmal. Das haben wir in diesem Jahr mit erhöhtem Abstand und eben Mund-Nase-Maske erledigt“, berichtet Lammers. Die Zahlen erhebt der Zoo nicht nur für sich selbst, sondern auch für verschiedene Behörden, die die Bestände kontrollieren und nachhalten.

Nun hofft der Zoo, dass er spätestens im März oder April wieder öffnen darf, denn die 2.213 Tiere benötigen täglich Futter und ihre Tierpfleger. „Seit dem 1. November haben wir geschlossen und leben von Reserven, Zuschüssen, Spenden oder dem Online-Verkauf von Jahres- und Tageskarten. Auf etwa 13.000 Euro belaufen sich die täglichen Kosten für die Tiere. Mit jedem Tag, den wir länger geschlossen haben, wird die Situation schwieriger. Deswegen unsere Bitte: Helfen Sie uns jetzt mit dem Kauf einer Jahreskarte die vor uns liegenden, schwierigen Wochen zu überstehen. Alle Jahreskarten 2021 werden bis zum 1. April 2022 gültig sein“, ruft Zoogeschäftsführer Andreas Busemann auf.

Quelle: PM Zoo Osnabrück

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